8. Mai 2020

Wegen Coronakrise: Mehr Sondernutzungsflächen gefordert, aber bislang keine Ausweichflächen für Gehende und Radfahrende geplant

Social distancing in Hamburg: Less space for pedestrians and cyclists due to more outdoor dining space

Aktualisiert um 11:35 Uhr
Glockengießerwall - © Stefan Warda


Die Sondernutzungssaison steht den Hamburgern bevor. Zu Fuß Gehende und Radfahrende wurden jahrzehntelang schon häufig über Gebühr belastet. Angesichts der bisherigen wirtschaftlichen Einbußen durch die Coronakrise wollen Politik und Verwaltung Gastronomiebetrieben jetzt großzügig entgegenkommen und zusätzliche Flächen für Außengastronomie ermöglichen, so ein Bericht im Abendblatt.




Dabei ging es jetzt schon auf vielen Geh- und Radwegen äußerst beengt zu. Nun sollen auch noch die 1,5-Meter-Abstandsregelungen eingehalten werden, auch die zwischen den Außengastronomiegästen, Gastronomiepersonal, den zu Fuß Gehenden und den Radfahrenden auf den angrenzenden Radwegen. Wie soll das funktionieren, wenn nicht auch sichergestellt wird, dass auch Personen in Rollstühlen oder mit Kinderwagen jederzeit und überall unter der Abstandsregelung hindernisfrei und sicher sich auf Hamburgs Straßen bewegen können - z.B. durch Pop-Up-Gehwege und Pop-Up-Radwege?


Glockengießerwall - © Stefan Warda


Zumindest für Radfahrende wurden einige besonders kritische Außengastronomiekonfliktstellen entschärft, indem schmale Fakeradwege aufgehoben und stattdessen Radfahrstreifen oder Schutzstreifen angelegt wurden. Dies trifft beispielsweise für die Weidenallee, Osterstraße, den Eppendorfer Baum, Papenhuder Straße und den nördlichen Teil der Schanzenstraße zu. Auch am Ballindamm und Steindamm zeichnet sich eine Entschärfung für Radfahrende durch derzeit andauernde Umbauten ab, was Konflikte durch Sondernutzungen betrifft.


Ballindamm - © Stefan Warda


Zu Fuß Gehende würden dennoch durch möglichweise zusätzliche Gastronomietische erheblich beeinträchtigt werden, wenn nicht eine Entlastung durch Alternativflächen geschaffen würde. Die Vergangenheit belegt, dass schon ohne Coronakrise nicht mit dem Hamburger Wegegesetz vereinbare Regelungen getroffen wurden oder großzügig übersehen wurden.


Stephansplatz - © Stefan Warda

Stephansplatz - © Stefan Warda



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Kommentare:

  1. Ausgerechnet das Bezirksamt Mitte droht mit "großzügigen Genehmigungen". Dabei hat sich ausgrechnetet dieses BA schon in der Vergangenheit durch Sondernutzungserlaubnisse ohne jede Rücksicht auf den Fußgängerverkehr ausgezeichnet. Das kann ja heiter werden.

    Hoffentlich rechnet nun das Gesundheitsamt die Abstandregeln auch zwischen der Außengastronomie und dem Restgehweg nach. Dann wird dem Unsinn vermutlich schnell der Saft abgedreht, es sei denn, den amtlichen Gesundheitsaposteln wird in dieser Frage von der BA-Leitung in die Kniekehlen getreten.

    Aber einfacher Tip: aus den Nebenstraßen können die Auto gedrängt werden (wie schon im Herbst in Ottensen). In Hauptstraßen wären Pop-up-Gehwege auf der Fahrbahn möglich. Und dann gibt es oft auch noch Parkplätze, die man mal freiräumen könnte, um Platz für die Außengastronomie und den Fußgängerverkehr zu schaffen. Und das Beste: das müssten die Gastronomen diesmal sogar feiern!

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  2. Und nun hat die SPD die Grünen auch noch beim Thema Pop-up-Radwege in die Reihe geprügelt. Wer hat die Grünen eigentlich gewählt? Wer war doch gleich so blöd, zu glauben, wo Grün drauf steht, sei auch Nachhaltigkeit drin? Nun singen auch die Grünen das hohe Lied vom Wirtschaftsverkehr, von dem man seit 8 Wochen aber verdammt wenig in der Stadt sieht:

    https://www.nahverkehrhamburg.de/spd-und-gruene-entscheiden-gegen-corona-radwege-auf-strassen-14881/

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