18. Juli 2013

Deutscher Fahrradpreis 2013 geht an Soest

"German Bicycle Price" 2013 for Soest


Soest - Schutzstreifen Jakobistraße


Für einen ungewöhnlichen Schutzstreifen erhielt Soest den Deutschen Fahrradpreis 2013 in der Kategorie Alltagsmobilität. Der Schutzstreifen in der Jakobistraße, einer Einbahnstraße im alten Stadtkern, liegt mittig in der Fahrspur. So sind Radfahrer nicht durch unachtsame Autoinsassen gefährdet, die in den neben der Fahrbahn parkenden Fahrzeugen die Türen öffnen. Nachfolgende Autofahrer haben zudem keine Chance Radfahrer mit nicht angemessenem Seitenabstand zu überholen und müssen sich bis zum Ende der Jakobistraße hinter den Radlern gedulden. Die Radler geben somit das Tempo in der Tempo 30-Zone an und sind Pulkführer. Der 2008 eingerichtete Schutzstreifen bietet optimale Sicherheit für Radfahrer und unterstützt gleichzeitig das Bemühen die Geschwindigkeit zu drosseln. Aus sicht der Stadt Soest hat sich der Schutzstreifen bewährt.


Soest - Schutzstreifen Jakobistraße / Jakobitor
Soest - Jakobistraße / Jakobitor
Soest - Schutzstreifen Jakobistraße
Soest - Jakobistraße
Soest, Jakobistraße
Jakobistraße in Soest

hamburgize fragte den Soester Fahrradbeauftragten Manfred Scholz.


Warum wurde die Jakobistraße nicht für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet?


Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: Es gibt hinter der Häuserzeile an der Jakobistraße und einer angrenzenden Häuserzeile am Gartengrundstück parallel dazu eine weitere Straße, die stadtauswärts führt (Höggenstraße / ca. 60 Meter entfernt), deshalb konnte auf die für den Gegenverkehr geöffnete Einbahnstraße verzichtet werden. Wenn diese Höggenstraße nicht existieren würde, wäre es auch nicht zu dem „Jakobistreifen“ gekommen und keiner hätte darüber berichtet . . .



Welchen Anteil hat der Radverkehr am Verkehr?



Seit einer aktuellen modal-split-Untersuchung aus dem Sommer 2011 weiß man, dass in Soest der Fahrradanteil etwa 23 % beträgt. Das deckt sich auch mit einer Zählung an der Jakobistraße, die zufälligerweise im Frühjahr 2011 wegen des Neubaus der dortigen Signalanlage durchgeführt wurde.


Die Belastung der Jakobistraße liegt bei etwa 4.000 Kfz, 200 LKW / Bussen und 900 Radfahrern. Die Straße selbst ist 450 m lang, deren Breite schwankt zwischen 3,80 m und 4,50 m und hat, wie Sie gesehen haben, einen rechts liegenden Parkstreifen, was zu Konflikten zwischen einem RF und einer geöffneten Autotür führen kann. Der Schutzstreifen wurde 2008 markiert.


Seit wann hat es einen Fahrradbeauftragten in Soest?



Zu einem hauptamtlichen Fahrradbeauftragten hat es in Soest bislang noch nicht gereicht, aber nebenamtlich gibt es ihn seit der Gründung der AGFS (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW) in 1993. Dies ist ein von der Landesregierung initiierter eingetragener Verein mit einem hauptamtlichen Vorstand; der e.V. ist mittlerweile auf 69 Mitglieder angewachsen. Mitglied kann nur eine kommunale Körperschaft werden.


Soest ist in diesem Verein Gründungsmitglied, damals waren 13 Kommunen dabei.


Soest



Neben der ungewöhnlichen Jakobistraße bemüht sich Soest auch in anderer Form um den Radverkehr. Die meisten Einbahnstraßen bieten den Radfahrern in Gegenrichtung eine Fahrmöglichkeit. Ein großer Teil der Fußgängerzone ist unbegrenzt für den Radverkehr geöffnet, andere Teile der Fußgängerzone zumindest außerhalb der Geschäftszeiten. Trotz der zahlreichen schmalen Straßen innerhalb des Wallrings bietet die Stadt Soest Radfahrern nahezu ideale Bedingungen.
Beim Fahrradklima-Test 2012 wurde Soest mit der Note 3,25 bewertet, ein vergleichsweise guter Platz. Unter 252 teilnehmenden Städten unter 100.000 Einwohner belegte Soest den 31. Platz.  


Einbahnstraßen in Soest

Soest


Soest


Soest


Fußgängerzonen in Soest

Soest - Vreithof


Soest


Soest


Fahrradstraße in Soest

Soest - Fahrradstraße




Mehr . . . / More . . . :
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8. Juli 2013

"Das fahrradfreundliche Holland muss unser Vorbild sein"

"The Bicycle Friendly Netherlands Have to Be Our Standard"

Fahrradland Niederlande - Ein Besuch in der Metropolregion Arnhem - Nijmegen


Nijmegen - Waalbrücke
Waalbrücke


Deutschlands Umweltminister Peter Altmeier reihte sich Anfang letzten Monats für wenige Kilometer unter Zehntausende nasse Radler der Berliner Fahrrad-Sternfahrt. Am Großen Stern, dem Endpunkt der Radldemo unter dem Motto "Mehr Platz für Fahrräder" fand der Minister freundliche Worte für die Demonstranten: "Das fahrradfreundliche Holland muss unser Vorbild sein".


Nijmegen - Kaiser-Karl-Platz
Nijmegen - reger Stadtverkehr ohne Fahrradhelme

„Das fahrradfreundliche Holland muss unser Vorbild sein“, rief er. „Wir brauchen mehr Radwege und eine Fahrradkultur, um Lärm und Emissionen zu senken.“ (Tagesspiegel)


Nijmegen - Snelbinder
Snelbinder

Zurück zu den Worten unseres Umweltministers Peter Altmeier:
Ein Vorbild zu haben ist nicht verkehrt. Vor einem Monat besuchte eine britische Delegation mit dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson Nijmegen und überzeugte sich vor Ort von den Vorzügen der neuen Schnellradwege. Auch in London soll es bald Schnellradwege geben und der Bürgermeister will Millionen in neue Radverkehrsinfrastruktur investieren.
Mehr Radwege? Dann aber sicherlich keine der altbekannten vorhandenen Sorten. Vielleicht meinte Herr Altmeier gar nicht unsere Radwege, sondern die unseres Nachbarlandes. Aber wie fährt es sich denn auf Radwegen in den Niederlanden? hamburgize besuchte im April die Region Gelderland mit den Städten Arnhem und Nijmegen.


Nijmegen Snelbinder
Snelbinder: Nebeneinander Radeln oder Überholen ohne Beeinträchtigung des Gegenverkehrs ist erwünscht


Nur sechs Kilometer jenseits der Landesgrenze zwischen Deutschland und den Niederlanden liegt das Zentrum von Nijmegen. Für deutsche Radler hat der Aufenthalt paradiesische Anmutungen, ähnlich wie ein Aufenthalt in Kopenhagen. Denn jenseits der Grenze gelten andere Gesetzmäßigkeiten und eine vollkommen andere Radkultur - ohne Gedanken über "Kampfradler" oder Fahrradhelme. Nahezu ausnahmslos alle Alltagsradler fahren ohne Helm - ein ungewohntes Bild. Lediglich Rennsportradler im Spandexdress haben haben sich Helme aufgesetzt. Schon vor den Toren der Stadt sind viele Rennsportradler unterwegs. Selbst auf den Radwegen gibt kaum konflikte zwischen den sportlichen und den moderaten Radler. Und trotz des allgemeinen Helmverzichts ist Radfahren in den Niederlanden sicher - sicherer als in Deutschland, wo den Radfahrern Angst eingejagt wird mit der andauernden Diskussion über das Tragen von Helmen oder gar Warnwesten. Wenn Deutschland fahrradfreundlicher werden will braucht es also weder Helme noch Warnwesten, sondern mehr Radfahrer und sichere, radverkehrsgerechte Radwege.


Nijmegen - Snelbinder
Snelbinder - die Elbbrücken von Nijmegen: Die rot eingefärbte befahrbare Breite beträgt 4,3 Meter


Rheinabwärts bildet die Stadtregion Arnhem-Nijmegen den ersten Ballungsraum hinter der Grenze zu Deutschland. Stadsregio Arnhem-Nijmegen umfasst 20 Kommunen auf einer Fläche von 1.000 km² mit 740.000 Einwohnern. Arnhem (150.000 Einwohner) liegt am Niederrhein, einem nördlichen Rheinabfluß, Nijmegen (165.000 Einwohner) an der Waal, einem südlichen Rheinabflüss im Mündungsdelta des Rheins. Die Entfernung zwischen den Brücken über Niederrhein und Waal beträgt 15 Kilometer. 2014 sollen Radler diese Strecke in nur 40 Minuten auf dem Schnellradweg Rijnwaalpad zurücklegen. Einen ersten Abschnitt dieser Route bildet der 2004 eröffnete etwa zwei Kilometer lange Snelbinder vom Bahnhof Nijmegen über die Eisenbahn-Waalbrücke nach Lent. Der Schnellradweg Arnhem - Nijmegen ist ein Teil eines zukünftigen Schnellradwegnetzes in der Region Stadtregion Arnhem - Nijmegen. Eine weitere Strecke wird Arnhem mit Zevenaar, zwei weitere Schnellradwege werden Nijmegen mit Beuningen verbinden (Teileröffnung am 29.03.2013), zwischen dem Bahnhof Nijmgen und der Universität sowie der Gemeinde Wijchen hat es schon zwei Routen.


Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen
Neuer Schnellradweg Nijmegen - Beuningen


Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen
Schnellradweg Nijmegen - Beuningen im Hafen- und Gewerbegebiet mit Vorrang gegenüber dem Autoverkehr


Die Grundidee eines Schnellradweges entspricht der einer Veloroute in Hamburg. Linienführung und Ausführung sind jedoch für wesentlich größere Geschwindigkeiten und höheres Verkehrsaufkommen ausgelegt. Und die Schnellradwege müssen nicht vorrangig abseits der Hauptstraßen geführt werden, wodurch in Hamburg längere Wegestrecken für Radler entstehen. Da Hauptstaßen auf kürzestem Weg zum Ziel führen geht es mit Schnellradwegen an Hauptstraßen schneller zum Ziel als auf Hamburger Zickzack-Velorouten. Auffällig ist auch der Ausbauquerschnitt. Die Breite des Snelbinder über die Waal beträgt z.B. 4,3 Meter, der neue Schnellradweg nach Beuningen hat eine Breite von 4 Metern. Die derzeit im Bau befindliche Hamburger Veloroute 8 vom Rathaus nach Bergedorf über Horn, Hamm und Billstedt hat eine Breite von nur 2.5 Metern. Somit gibt es pro Richtung nur 1,25 Meter. Zum Überholen langsamer Radler muss immer in den Gegenverkehr ausgewichen werden. So entstehen hinter langsamen Radlern im Berufsverkehr lange Kolonnen, wie z.B. auf dem Slalomradweg an der Außenalster in St. Georg, Trasse der zukünftigen Velorouten 5 und 6, weil bei Gegenverkehr nicht überholt werden kann. Überholversuche können dort leicht zu Unfällen führen.


Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen
Neuer Schnellradweg Nijmegen - Beuningen

Veloroute (bisher auch Alltagsroute genannt)
Fahrradroute, deren Verlauf und Gestaltung sich vor allem an den Anforderungen der Radfahrerinnen und Radfahrer orientiert, die "alltäglich", zum Beispiel zur Schule, zum Arbeitsplatz oder zum Einkaufen, unterwegs sind. Der Ausbaustandard soll zügiges und hindernisfreies Vorankommen ermöglichen. (FHH)


Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen
Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen: Kreuzungsfrei unter der Schnellstraße
   

Zurück nach Berlin und der Fahrrad-Sternfahrt. Ob Minister Peter Altmeier bei seiner kurzen Rede vor dem Berliner Radfahrerpublikum an den Finanzsenator Ulrich Nußbaum dachte? Damals schon geisterte durch die Hauptstadt das Gerücht, dass die Berliner Radverkehrsstrategie durch den Finzanzsenator konterkariert würde. Der Etat für die Ausbesserung der desolaten Radwege und die Markierung weiterer Radfahrstreifen sollte gekürzt werden. Dies wäre natürlich ein absolut falsches Vorgehen angesichts des steigenden Radverkehrsanteils und der immer größer werdenden Lücke, die zwischen vorhandener Radverkehrsinfrastruktur und dem darauf abzuwickelnden Radverkehrsaufkommen klafft. In Deutschlands Metropolen wächst die Zahl der Radfahrer, doch die Wege für Radfahrer und ihr Platz im Straßenraum werden leider nicht schnell genug an heutige und zukünftig zu erwartende Anforderungen angepasst.


Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen
Fahrradtunnel: Hell, freundlich, übersichtlich, angemessen breit

Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen
Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen: Ampelfrei an der Straßenkreuzung

Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen
Snelfietsroute Nijmegen - Beuningen: "Achtung! Langsam fahren" warnt das blaue Schild. Nachdem der Waal-Maas-Kanal auf einer hohen Brücke überquert wurde geht es mit viel Tempo in einer S-Kurve in einen Tunnel über

Nijmegen, sechs Kilometer hinter der Grenze: Die beschriebenen Schnellradwege

Demnächst folgt ein weiterer ausführlicher Bericht zu den Schnellradwegplanungen in Nijmegen/Arnhem und  dem Radverkehr im Zentrum von Nijmegen - nahezu 100% helmfrei und 100% kampfradlerfrei.


Nijmegen - Stationsplein
Nijmegen - Stationsplein: Fahrräder, überall Fahrräder. Nicht einmal in Kopenhagen hat es so viele Fahrräder wie auf und unter dem Bahnhofsplatz.



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6. Juli 2013

Kritik an der "Fahrradstadt" Berlin

Criticizing the "Bicycle City" Berlin


Berlin - Warschauer Straße
Radwege am Limit: Zähfließender Radverkehr in Berlin


Keine moderne europäische Großstadt kommt derzeit daran vorbei sich den Herausforderungen des stetig zunehmenden Radverkehrs zu stellen. Politiker sind gefordert Lösungen zu bieten. Doch oftmals bleiben die angebotenen Lösungen weit hinter den Erfordernissen und Erwartungen zurück. Es ist leicht etwas zu versprechen, aber es fällt offenbar schwer das Versprochene zu halten. Die selbsternannte "Fahrradstadt" Berlin hat erst dieses Jahr ihre Radverkehrsstrategie verlängert und darin festgeschrieben die Ausgaben für den Radverkehr deutlich zu erhöhen. Stattdessen aber sieht der Entwurf für den nächsten Doppelhaushalt eine Kürzung für den Neubau von Radwegen und Radstreifen vor. Die Marke "Fahrradstadt" Berlin verkommt zum Etikettenschwindel, die Radverkehrsstrategie ist letztendlich nur noch Propaganda wie zu DDR-Zeiten.

Nicht nur Berlin müht sich mit den selbst gestellten Zielen ab. Auch in Hamburg wird von den Zielen der dortigen Radverkehrsstrategie abgewichen. Das Ziel bis 2015 einen Radverkehrsanteil von 18% zu erreichen wurde in eine ferne Zukunft verschoben. Und auch die "Radlhauptstadt" München erntet Kritik wegen der schleppenden Umsetzung lange versprochener Straßenumbauten, wo es an separaten Wegen für den Radverkehr fehlt.


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5. Juli 2013

"Fußgänger und Radfahrer können die Baustelle jederzeit passieren."

"Pedestrians and Cyclists Can Pass Road Works Always"


Kreuzung Stresemannstraße / Kieler Straße / Holstenstraße: Zukünftige Verkehrsfürhung (Rot: Radwege, Radfahrstreifen und Furten; Lila: Metrobuslinie 3) - Bildquelle: FHH

Derzeit hat es recht viele Baustellen in Hamburg. Gleich an mehreren Stellen wird wegen der Busbeschleunigung gebuddelt, z.B. am Siemersplatz, an der Grindelallee, an der Hoheluftchaussee, und auch an der Kreuzung Kieler Straße / Stresemannstraße / Holstenstraße. Auch buddeln die Wasserwerke an mehreren Stellen im Stadtgebiet. Doch selten klappt es - seit Jahren unverändert - regelkonforme und akzeptable Verkehrsführungen für den Radverkehr an Baustellen einzurichten.


Kieler Straße / Koldingstraße - Baustelle
Kieler Straße / Koldingstraße: Kein Weg für Radfahrer trotz der BWVI-Propaganda
No way for cyclists

Die Behörde für Wirtschaft Verkehr und Innovation kündigte am 21. Mai die Baumaßnahmen an der zuletzt genannten Kreuzung an. Dabei hieß es: "Fußgänger und Radfahrer können die Baustelle jederzeit passieren." Tatsache ist jedoch, dass Radfahrer in der Kieler Straße aus Richtung Norden ab Koldingstraße bis Stresemannstraße die Baustelle nicht passieren dürfen. Es gibt keine Freigabe auf dem restlich verbliebenen Gehweg, keine Umleitungsausschilderung für den Radverkehr, und die Fahrbahn ist derzeit mit Verkehrszeichen 250 (Verbot für Fahrzeuge aller Art) versehen - also auch keine Alternative für den Radverkehr. Der schon im letzten Jahr durchgeführte Rückbau des Radwegs in der Stresemannstraße bleibt dauerhaft bestehen. Dort müssen sich Radfahrer für einen verbesserten Autoverkehrsfluss den Gehweg mit den Fußgängern teilen.


Kieler Straßen / Augustenburger Straße - Parkplätze statt Radweg
Autogerechtes Hamburg in der Kieler Straße: Noch vor wenigen Jahren wurde der Radweg in einen Autoparkplatz umgewandelt. Seitdem sollen Radfahrer vor den Hauseingängen entlangradeln. Dies soll auch nach Ende des Kreuzungsumbaus so bleiben.




An der Grindelallee gibt es eine Großbaustelle mit der Hallerstraße. In Richtung Norden müssen Radler ab Rutschbahn den Gehweg mit Fußgängern teilen (VZ240 - Gemeinsamer Geh- und Radweg). Leider führt der Gehweg an der nächsten Kreuzung mit der Hallerstraße nur rechts um die Ecke in die Hallerstraße. Eine Furt geradeaus über die Hallerstraße zum Grindelberg fehlt. Damit ist dort also keine Radverkehrsverbindung vorhanden. Fahren Radler jedoch auf die Kreuzung aus Beim Schlump zu und wollen links in den Grindelberg abbiegen müssen sie in Beim Schlump auf der Fahrbahn radeln und dürfen ganz legal links im Grindelberg weiter auf der Fahrbahn fahren. Das versteht kaum ein Radfahrer, Autofahrer wohl noch weniger. Die zeigen auf der Fahrbahn ihre bekannten Revierverteidigungsverhaltensmuster.


Grindelallee Ecke Rutschbahn: Gemeinsamer Geh- und Radweg in Richtung Grindelberg / Hallerstraße

Grindelallee an der Ecke zur Hallerstraße: Für Radfahrer ist ein Weg geradeaus Richtung Grindelberg nicht erkennbar . . .


An der Dauerbaustelle am Heiligengeistfeld ist für Radfahrer immer noch keine Möglichkeit eingerichtet, um vom Millerntorplatz / Budapester Straße in die Simon-von-Utrecht-Straße abzubiegen. Auf der Fahrbahn wird weiterhin das VZ254 (Radverkehr verboten) angezeigt, die angebene Umleitungsstrecke führt auf den linken Radweg am Millerntorplatz, der jedoch nicht benutzt werden darf. Autofahrer dürfen jedoch ungehindert in alle Richtungen fahren. So fühlen sich Radfahrer nicht ernst genommen und fahren dennoch auf der Fahrbahn - als polizeilich geförderte "Kampfradler".


. . . .  Die Überraschung hinter der Hausecke in der Hallerstraße: Es gibt keine Furt über die Straße Richtung Grindelberg

Beim Schlump Ecke Grindelallee / Grindelberg: Radfahrer fahren hier auf der Fahrbahn

Grindelberg - Baustelle
Grindelberg: Aus Richtung Beim Schlump müssen Radfahrer im Grindelberg auf die Fahrbahn


Auch bei Vorsetzen gibt es immer noch die fragwürdige Kennzeichnung des Radweges unter dem Hochbahnviadukt mit der Radwegbenutzungspflicht und der Freigabe des handtuchschmalen Gehwegs neben dem Radweg. Leider gibt es aber keinen Platz für Fußgänger, die also auf den benutzungspflichtigen "Radweg" ausweichen.

Dass der Fortschrittsbericht zur Radverkehrsstrategie in Hamburg Erfolge bezüglich der Baustellen an Radwegen vermeldet kann nur als falsche Propaganda des Senats verstanden werden. Die Wahrheit sieht anders aus als BVWI oder der Senator es gerne scheinen lassen möchten.



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Abschaffung der Dynamo-Pflicht

Abolition of Compulsory Dynamo




Offenbar fällt die Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung unkomplizierter aus als bislang vermutet. Die Abschaffung der Dynamopflicht erfordert nicht zwingend Akkubeleuchtung, sondern lässt sogar batteriebetriebenere Lichter zu. Dazu die heutige Pressemeldung der Senatskanzlei:


Auf Initiative von Hamburg hat der Bundesrat in seiner heutigen Sitzung in die von der Bundesregierung vorgelegten vielfältigen Änderungen zur Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) eine weitere Änderung eingefügt, die endlich die veraltete Dynamo-Pflicht abschafft. Künftig können Fahrräder für den Betrieb von Scheinwerfer und Schlussleuchte entweder mit einem Dynamo oder mit einer Batterie oder mit einem wiederaufladbaren Akku ausgerüstet sein. 

Alles ist möglich

In der Praxis werden bereits seit Jahren vielfach nur noch Batterie- oder Akku-Leuchten verwendet. Daneben musste nach der veralteten Vorschrift der StVZO trotzdem immer ein Dynamo am Fahrrad vorhanden sein. Dieser alte Zopf wird jetzt abgeschnitten; Fahrradfahrer haben nun die freie Wahl, mit welcher Energiequelle sie Scheinwerfer und Schlussleuchte am Fahrrad betreiben wollen. Die Bundesregierung arbeitet seit Jahren an einer Neuregelung der Rechtsvorschriften zur Fahrradbeleuchtung, hat aber bisher keinen Vorschlag dazu vorgelegt. Hamburg ist deswegen jetzt aktiv geworden und hat dafür gesorgt, dass eine moderne und praxisgerechte Rechtsvorschrift zur Fahrradbeleuchtung in die StVZO aufgenommen wird.

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