Die Kommunikationskampagne "Fahr ein schöneres Hamburg" wird zum Jahresende beendet. Wie die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) mitteilt, habe die Kampagne viele Hamburgerinnen zum Radfahren motiviert, die
Bekanntheit der städtischen Fahrradservices deutlich erhöht und so
einen wichtigen Anteil am gesteigerten Radverkehr in Hamburg geleistet. In einer
Umfrage der Gfk (Gesellschaft für Konsumforschung) hätten im Oktober 2021
über die Hälfte der Hamburgerinnen angegeben, dass für sie das Fahrrad durch
die Kampagne präsenter geworden sei. Die Kampagne startete im Mai 2019.
CDU empfahl schon 2008 Werbekampagne zum Radverkehr - jetzt sei sie offenbar nicht notwendig gewesen
Schon im Maßnahmenkatalog der von CDU-Stadtentwicklungssenator Axel Gedaschko 2008 vorgestellten Radverkehrsstrategie für Hamburg war eine Kommunikationskampagne zum Radfahren vorgesehen. Diese sollte ursprünglich bis 2015 durchgeführt worden sein. Kritik an der nun durchgeführten Kampagne kommt überraschenderweise von der CDU. Laut Richard Seelmaecker, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, bräuchten die Bürgerinnen keine teuren Werbekampagnen, um vom Fahrradfahren überzeugt zu werden, sondern sichere und komfortable Radwege - wie der NDR berichtet.
"Über zwei Millionen Euro Steuergelder pro Jahr hat Rot-Grün in den
letzten drei Jahren rausgehauen, um festzustellen, dass die
Hamburgerinnen und Hamburger gerne das Rad benutzen. Sensationell!"
2011 durfte sich die Hansestadt Hamburg "Umwelthauptstadt" nennen. Andere Städte tragen offiziell die Auszeichnung "fahrradfreundliche Stadt", auch wenn Radfahren auf holprigen zu schmalen Fakeradwegen im Dooringbereich, mitten durch Fußgängerpulks, haarscharf vorbei an Biergärten oder im Slalom um Masten, Pfosten, Säulen und Baumstämme zum Alltag gehören und immer noch mit Radwegbenutzungspflichten als StVO-geprüfte Premiumradwege ausgezeichnet sind. Wer schon einmal in Kopenhagen, Amsterdam, Utrecht oder Nijmegen geradelt ist, mag sich darüber wundern. Heute berichtet die WAZ über die Nominierung der Ruhrgebietsmetropole Essen für den Titel als "Europäische Umwelthauptstadt". Essen konkurriert um den Titel "Umwelthauptstadt" für das Jahr 2017 mit den Mitbewerbern Umea, ´s-Hertogenbosch und Nijmegen.
Rüttenscheider Straße - Urban Carving auf ausgewiesener Essener Radroute
Bei der Bewerbung gehe es laut Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß nicht allein um den Ist-Zustand, "sondern auch darum, was man wie ändern und weiter entwickeln kann". Den Radverkehrsanteil von derzeit lediglich 4,9 Prozent möchten die Essener im Rahmen der Bewerbung bis 2035 auf 25 Prozent erhöhen, den MIV-Anteil von 54 Prozent auf 25 Prozent senken, die Anteile für den ÖV und Fußverkehr sollen ebenso auf 25 Prozent gesteigert werden. Wird mit der Auszeichnung bescheinigt, welche Möglichkeiten eine Stadt hätte und welche Visionen die Marketingabteilung einer Stadt sich ausdenken darf? Wie steht es um die Chancen den Radverkehrsanteil zu versechsfachen und den MIV-Anteil zu halbieren? Wie gut ist beispielsweise Essens Zentrum mit dem Rad zu erreichen?
Tatsächlich bekommt Essen Anschluß an den geplanten "Radschnellweg Ruhr", der vorwiegend auf ehemaligen Bahntrassen die Städte Duisburg,
Mülheim, Essen, Bochum, Dortmund und Hamm verbinden soll. Teilstücke auf
Essener Stadtgebiet sind im Bau bzw. schon fertiggestellt. Vielleicht
wird der "Radschnellweg Ruhr" nach Fertigstellung einen ähnlichen Schub
für den Radverkehr bewirken wie die "Nordbahntrasse" für Wuppertal.
Der Regionalverband Ruhr (RVR) wandelte zahlreiche
ehemalige Privatbahntrassen für die Essener Schwerindustrie zu
gemeinsamen Geh- und Radwegen unterschiedlicher Qualität um. Radverkehr
in Essen ist derzeit vorwiegend eine Freizeitangelegenheit, z.B. am
Wochenende entlang der Ruhr oder auf den Bahntrassenradwegen. Der
Alltagsverkehr zum Einkaufen in den Stadtteilen oder auf dem Weg zur
Arbeit ist überwiegend an die Infrastruktur des Straßennetzes
angewiesen. Da sieht es meist eher schlecht aus.
Hamburg bewarb sich 2008 u.a. mit mit dem Vorhandensein eines 1700 Kilometer langen "Radwegenetzes", bestehend aus 1500 Kilometern straßenbegleitenden "Radwegen", 20 Kilometern Radfahrstreifen und Schutzstreifen, sowie 180 Kilometern Radwegen abseits des Straßennetzes durch Parks und Grünanlagen.
Hamburg’s network of cycle lanes has a total length of 1,700 km. With a population of 1.7 million, this represents one metre per person. The cycle lane network runs parallel to roads for motor vehicles and has been in existence for over 30 years. The cycle lane network, which consists of tracks running parallel to roads for motor vehicles as well as of independently routed cycle paths, has been in existence for over 30 years.
Lanes along streets and roads physically separated from streets/roads: 1,500 km
Lanes along streets and roads only separated by a painted line or the like: 20 km
Routes or pathways exclusively dedicated to bicycles and not running along streets or roads (e.g. through parks): 180 km
Dass die überwiegende Zahl dieser Radwege gar nicht oder nur extrem eingeschränkt benutzbar war hatte die Stadt allerdings bei der Bewerbung verschwiegen. Vermutlich hatte sich auch keine Kommission die Mühe gemacht, die Angaben der Stadt zum angeblichen "Radwegenetz" auf Plausibilität zu überprüfen. Der Vollständigkeit halber muss auch noch erwähnt werden, dass bis 2008/2011 noch zahlreiche schmale Gehwege mit Benutzungspflicht für Radler existierten, auf denen Radler und Fußgänger kaum aneinander vorbei kamen - eingezwängt auf teilweise weniger als 1,5 Metern Breite zwischen Stehzeugen und Grundstückseinfriedungen. Mittlerweile wurde die Gehwegbenutzungspflicht von einigen dieser Gehwege in ein Benutzungsrecht bei Schritttempo umgewandelt.
Angesichts der jetzt anstehenden Diskussion um die Einführung einer Gehwegbenutzungspflicht von zehn Kilometern überwiegend unbenutzbarer Fakeradwege entlang der Langenhorner Chaussee stossen Radler die Zahlen zur "Umwelthauptstadtbewerbung" von 2010 sicherlich sauer auf.
Local roads considered as part of a „cycling network“,but with no separations:
In Hamburg, it is basically possible to cycle on almost any road. On main roads with heavy motor vehicle traffic, there are physically separated bicycle lanes, in areas with a 30 km/h speed limit, you can safely cycle on the main lane. Hamburg’s total road network is 3,900 km long, including 45% of 30 km/h speed limit zones with a total length of 1,755 km.
Von den Absichtserklärungen, die den Radverkehr betrafen, wurde bis heute nicht die Werbekampagne für den Radverkehr gestartet, noch wird dieses Jahr ein 280 Kilometer langes Veloroutennetz vollendet sein.
As an additional long-term measure, a publicity campaign for more bicycle use will be initiated.
A network of basic cycle routes (280 km) to be completed by 2015 and equipped with a special signpost system for cyclists. Redesigning the existing cycle lane network will continue to be an important task.
Laut dem Entwurf des Koalitionsvertrags des zukünftigen Senats soll das Veloroutennetz erst 2020 fertiggestellt sein. Allerdings waren angeblich fertiggestellte Abschnitte des Veloroutennetzes nur eingeschränkt oder gar nicht benutzbar (Veloroute 12, Bei den St. Pauli Landungsbrücken; Veloroute 2, Querung über Doormannsweg), oder diese Velorouten genügten nicht den Ansprüchen an Veloroutenstandards (Veloroute 1, Feldstraße, Neuer Kamp, Neuer Pferdemarkt; Veloroute 2, Weidenstieg, Tornquiststraße; Velorouten 3/4, Jungfernstieg, Neuer Jungfernstieg; Veloroute 4, Alsterufer; Veloroute 12, Herrlichkeit, Schaarmarkt). Auch bei weiteren Angaben aus dem Bewerbungstext blieb es lediglich bei Absichtserklärungen. Das vierzig Kilometer lange Stadtbahnnetz exisiert nicht und wird vorerst nicht kommen, auch sind Umweltzone und Citymaut indiskutabel.
Inauguration in 2012 of the new low-floor light rail system with a 40 km network to connect those city districts, which have previously been poorly connected to public transport.
Examination on whether to introduce a city toll
Examination on whether to establish a low emission zone, with particular consideration of commercial traffic
Mit den Angaben zum Radverkehrsnetz hatte es die Stadt Hamburg für den
"Umwelthauptstdt"-Titel nicht so genau genommen, und hatte damit am Ende
sogar gewonnen.
Dem Image einer "Umwelthauptstadt" konträr war auch die Absicht des SPD-Senats gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts wegen Nichteinhaltung der Schadstoffgrenzwerte in der Luft in Berufung zu gehen. Mit dem neuen Koalitionspartner soll nun das Berufungsverfahren fallen gelassen werden.
Die Leser der hamburgize-Umfrage bewerteten die Mercedes-Kampagne "Groß. Stadt. Jäger." eindeutig negativ. Von 102 Teilnehmern stimmte ein Prozent für "fantasievoll", vier Prozent für "cool", 48 Prozent für "menschenverachtend" und 73 Prozent für "geschmacklos". Mehrfachnennungen waren bei dieser Umfrage zulässig.
2013 ist Radljahr in Wien. Die Stadt, in der die Velocity-Konferenz 2013 stattfindet, hat einen Ideenwettbewerb zum Thema "Rad und Stadt" ausgeschrieben. Mit dem interessanten Trailer "Cycling Affairs" sind Kreative und Radaffine eingeladen Beiträge an die Stadt zu schicken.
Das Radljahr wird begleitet mit einer sehenswerten Webseite der Stadt zum Radeln. Fahrrad Wien unterstützt die Stadt den Wienern mehr Lust aufs Radlen zu machen. Neben der erfolgreichen Radlhauptstadt-Kampagne ein weiterer Anhaltspunkt für die schon lange geplante Imagekampagne der Stadt Hamburg . . .
Die Hamburger haben eines der besten ÖV-Angebote in Deutschland, und sogar eines der fahrradfreundlichsten. Die Fahrradmitnahme beim HVV ist kostenlos - abgesehen von den Regionalbahnen. Beim Fahrradklimatest gaben Hamburgs Radfahrer dem HVV die Note 3,31 für die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wären da nicht die Sperrzeiten montags bis freitags 6-9 Uhr sowie 16-18 Uhr in Bussen, U- und S-Bahnen. Der ADFC und der HVV machen nun gemeinsam aufmerksam auf die unproblematische Mitnahme von Falträdern auch während der Sperrzeiten. Beide bieten derzeit das ADFC-HVV-Faltrad zu einem besonders günstigen Preis an. Ein zusammengefaltetes Faltrad wird während der Sperrzeiten als Handgepäck akzeptiert, und ist sogar ICE-tauglich.
Beim ADFC-HVV-Faltrad handelt es sich um das "TERN Link D8".
Zwischen Duschöl und Biokost - Fahrradzubehör im Drogeriemarkt
Auf dem Weg zur Fahrradstadt: Fahrradserviceangebote in Hamburg nehmen zu On the way to city of cyclists: Increasing service offers for cyclists in Hamburg
Radverkehr als System, mit all den Annehmlichkeiten, die für Autofahrer auch selbstverständlich sind, so stellte der erste nationale Radverkehrsplan schon 2002 den Radverkehr der Zukunft vor. Viele Dienstleistungen wie Fahrradwaschanlagen, Reparaturservice und weitere Services ergänzen das Verkehrsmittel Fahrrad zu einem vollwertigen eigenständigen Mobilitätsangebot. Ein herausragendes Hamburger Beispiel ist das StadtRAD-Leihfahrradsystem.
Fahrradsortiment in einem føtex-Supermarkt in Kopenhagen
Fahrradhändler im Fisketorvet-Einkaufszentrum in Kopenhagen unmittelbar am Haupteingang
Fahrradhändler im Amager-Einkaufszentrum in Kopenhagen - und wann kommen Fahrradhändler ins AEZ, EEZ dem PHOENIX-Center oder der Europapassage?
Mittlerweile gibt es sogar in Hamburg Annehmlichkeiten, die in Fahrradstädten wie Kopenhagen schon seit vielen Jahren selbstverständlich sind. Seit einiger Zeit hat es bei einigen größeren Filialen der bekanntesten Drogeriemarktkette in Hamburg auch ein kleines Sortiment an Fahrradzubehör, ganz wie es in vielen Supermärkten in Kopenhagen schon lange üblich ist. Überhaupt bemüht sich diese Drogeriemarktkette um ein gutes Fahrradklima. Die Werbung auf den Fahrradständern vor den Filialen stimmt positiv ein, auch wenn es sich um zwar recht robuste und ansehnliche, aber dennoch um Felgenkiller handelt. Hamburg ist offensichtlich Schritt für Schritt auf dem Weg zu einer Fahrradstadt, von den "Radwegen" einmal ganz abgesehen.
Hamburger Drogeriemarktkette: Werbung für das Rad
Fahrradschlauchautomaten finden wir in Hoheluft. Wem nachts oder am Wochenende die Luft ausgegangen ist kann dort verschiedene Schläuche an zwei verschiedenen Automaten ziehen.
Was Kopenhagen neben Reparaturservice für Radfahrer an einigen Tankstellen und Fahrradhändlern in Einkaufszentren außerdem noch anbietet sind z.B. Luftpumpen entlang der Radrouten, Ampeltrittbretter, grüne Welle auf Radwegen, Winterdienst auf Radwegen und Radfahrstreifen, eine Imagekampagne für den Radverkehr, und vor allem richtig gute Radwege.
Fahrradpflegestation an einer Tankstelle in Frederiksberg
Rad fahren in der 8 Millionen-Metropole Bogota? 344 km Radrouten erleichtern zwar Radfahrern den Weg durch die Stadt. Aber das Angebot ist kein Vergleich zu dem, was sich jeden Sonntag in Bogota abspielt: Ciclovia. 120 km Straßen werden dann gesperrt und freigegeben für Fußgänger, Skater und Radfahrer. - Ein Vorbild für Hamburg? Wie wäre es, wenn die so beliebte Hafenkante am nördlichen Elbufer zwischen Neumühlen und Messberg jeden Sonntag gesperrt würde als Flaniermeile für Fußgänger, Skater und Radfahrer? Paris macht dies seit einigen Jahren vor mit der Aktion "Paris Plages". Dieses Jahr sind die Schnellstraßen am Seineufer vom 20. Juli bis 19. August durchgehend gesperrt, sowie in der übrigen Zeit jeweils an den Sonntagen. Paris Respire . . .
Paris: Urlaub am Seineufer
Paris: Die Uferschnellstraße an der Seine verwandelt sich jeden Sommer in eine Flaniermeile