11. September 2013

Baustellenfortschrittsbericht: Die zehn häufigsten Fehler an Radwegebaustellen

Road Works Progress Report: The Ten Most Common Mistakes


München, Lindwurmstraße - Baustelle
Vorbildliche Radverkehrsführung an einer Baustelle in München

Laut den Fortschrittsberichten zur Radverkehrsstrategie für Hamburg ist bezüglich der Baustellen mit Radverkehr alles bestens geregelt. Jedes Problemchen resultiert in eine "anlassbezogene Maßnahme", Kontrollen erfolgen "im Rahmen der personellen Kapazitäten", so der aktuelle Bericht.

Berücksichtigung des Radverkehrs an Baustellen
Die Zentrale Straßenverkehrsbehörde der Verkehrsdirektion hat darauf hingewirkt, dass die örtlich zuständigen Straßen-verkehrsbehörden im Rahmen ihrer Zuständigkeit auf die Einhaltung der straßenverkehrsbehördlichen Genehmigun-gen achten. Die Broschüre des Landes Nordrhein-Westfalen zum Thema „Baustellenabsicherung im Bereich von Geh- und Radwegen“ wurde den örtlichen Straßenverkehrsbehörden zur Verfügung gestellt. Anlassbezogen werden die darin ent-haltenen Vorschläge bei Planung der einzelnen Maßnahmen berücksichtigt. Die Sicherheit des Fußgänger- und Radverkehrs wird bei jeder straßenverkehrsbehördlichen Anordnung be-sonders berücksichtigt. Im Rahmen sogenannter Verkehrsbe-sprechungen mit Baufi rma, Bauaufsicht und der örtlichen Straßenverkehrsbehörde wird die Baustellenbeschilderung festgelegt und anschließend angeordnet. Die Kontrolle der Einhaltung straßenverkehrsbehördlicher Anordnungen erfolgt im Rahmen der personellen Kapazitäten. Die Kontrolle der Einhaltung straßenbaubehördlicher Anordnungen obliegt dem jeweils zuständigen Straßenbaulastträger, d. h. sie erfolgt je nach Maßnahme und Bezirk regelmäßig durch die Bauaufsicht oder die bezirklichen Wegewarte.

München, Lindwurmstraße - Baustelle
Vorbildliche Radverkehrsführung an einer Baustelle in München: Wegen Leitungsarbeiten unter dem Rad- und Gehweg wurde der Radverkehr auf die rechte Fahrspur verlegt

Also alles Top bei Baustellen? Mitnichten. Die Hamburger bewerteten 2012 beim Fahrradklima-Test des ADFC die Führung an Baustellen mit der Note 5,17. Gemessen an der Hamburger Gesamtnote von 4,40 sind Baustellen daher immer noch ein Problem. Gegenüber dem Test von 2005 ist lediglich eine leichte Verbesserung um 0,18 Notenpunkte gegenüber der vorherigen Bewertung mit 5,35 zu verzeichnen. Das ist kein großer Erfolg trotz der Radverkehrsstrategie und der Propaganda in der Fortschrittsberichten der Behörde. Selbstkritik wird darin nicht geboten, wäre dies doch ein Eingeständnis eines steten Versagens.

Fortschrittsbericht zur Radverkehrsstrategie: Viel Propaganda - keine Selbstkritik

Probleme gibt es bei zahlreichen Zuständigkeiten. Die Ergebnisse bleiben über Jahre hinweg immer gleich. Hier eine Zusammenfassung der häufigsten Fehler, aufgezeigt an überwiegend aktuellen Beispielen.



Die klassischen Fehler bei Radwegebaustellen

Fehler 1: Die Anordnung einer Radwegbenutzungspflicht (VZ 240 - Gemeinsamer Geh- und Radweg) innerhalb einer Tempo 30-Zone, weil auf dem Gehweg gebuddelt wird. Dort wo es besonders eng wird und wo es ohne Baustellentätigkeit verboten ist sollen während der Bauphase zu allem Überdruß auch noch Radfahrer fahren. Aber: Eine Tempo 30-Zone schließt laut StVO die Anordnung einer Radwegbenutzungspflicht grundsätzlich aus. Dieser Fehler geht oft einher mit Fehler 8.


Detlev-Bremer-Straße - Baustelle
Detlev-Bremer-Straße innerhalb der Tempe 30-Zone

Detlev-Bremer-Straße - Baustelle
Detlev-Bremer-Straße innerhalb der Tempo 30-Zone - Baustellenlogik: Weil es auf dem Gehweg so schön eng geworden ist mit der Baustelle, dürfen Radfahrer nicht mehr die Fahrbahn benutzen

Detlev-Bremer-Straße - Baustelle
Detlev-Bremer-Straße - Baustellenlogik: Wo sonst ohne Baustelle Radfahrer auf der Fahrbahn fahren, ist es wegen der Baustelle verboten. Mittlerweile wurde das VZ240 allerdings entfernt. Doch solange die Verkehrsschilder präsent sind, sind sie verbindlich - zumindest solange die Anordnung befolgt werden kann


Fehler 2: Die Anordnung einer Radwegbenutzungspflicht für einen Radweg ohne Radwegbenutzungspflicht. Im Bereich von Geh- und / oder Radweg wird in einer Straße, in der es keine Radwegbenutzungspflicht gibt, gebuddelt. Durch die Baumaßnahme, die meistens den Fahrbahnbereich nicht beeinträchtigt, wird eine Radwegbenutzungspflicht für den zudem eingeschränkten Abschnitt an der Baustelle ausgewiesen. Dort, wo es wegen der Baustelle besonders eng wird, sollen Radfahrer und Fußgänger auch noch zusammengedrängt werden, obwohl dies wirklich nicht not tut. Dieser Fehler geht zuweilen einher mit Fehler 5.

Schanzenstraße / Sternschanze - Baustelle
Schanzenstraße / Sternschanze: Eigentlich hat es hier schon seit Jahren keinen Benutzungszwang mehr. Doch im Zuge der Baumaßnahme, die eigentlich die Straße Sternschanze parallel zur Verbindungsbahn betrifft, wurde sie mal wieder temporär eingeführt. In diesem ganz ungewöhnlichen Fall gab es aber sogar ein Verbot für Fußgänger, denn hier sollten nur Radfahrer fahren.

Schanzenstraße / Sternschanze - Baustelle
Schanzenstraße / Sternschanze: Leider hatte es viele Kampfgänger auf diesem benutzungspflichtigem Radweg. Dies war z.T. dadurch bedingt, dass in Gegenrichtung kein Verbot für Fußgänger angeordnet war

Schanzenstraße / Sportplatz - Baustelle
Schanzenstraße / Sternschanze (Sportplatz) - Baustellenfortschritt: Mittlerweile ist auf der Fahrbahn eine Radspurmarkierung erkennbar, die auf die Nebenfläche führt. Dort hat es allerdings derzeit keinen Benutzungszwang mehr


Fehler 3: Der Radweg, ob benutzungspflichtig oder nicht, wird an einer Baustelle nicht fortgeführt, sondern endet ohne eine weitere Führung für den Radverkehr unmittelbar an der Baustelle. Radfahrer müssen dann auf die Fahrbahn ausweichen, finden aber keine geeingete und / oder sichere Aufleitung vor.


Grindelberg - Baustelle
Grindelberg: Mitten auf dem benutzungspflichtigem Radweg steht derzeit ein Baugerüst. Ortskundige Radfahrer fahren schon vor der Baustelle an geeignter Stelle auf die Fahrbahn, Kampfradler weichen auf den Gehweg aus, andere Radler schieben auf dem Gehweg

Grindelberg - Baustelle
Grindelberg

Fuhle / Alsterdorfer Straße - Baustelle
Fuhlsbüttler Straße / Alsterdorfer Straße: Der benutzungspflichtige Radweg ist schmaler als handelsübliche Fahrräder. Kampfradler weichen auf den Gehweg aus, ortskundige Radler wechseln spätestens vor der Baustelle ab Alsterdorfer Straße auf die Fahrbahn, andere steigen ab und schieben . . .

Johannisbollwerk - Baustelle
Elberadweg, Johannisbollwerk: Der benutzungspflichtige Radweg endet an der Baustelle - Radverkehrsführung Fehlanzeige

Veloroute 5 - Ballindamm
Veloroute 5, Ballindamm - Baustelle: Radfahrer werden zunächst auf den Radweg gelockt, doch versteckt hnter parkenden Autos landen sie später an der Baustelle. Dort fehlt eine Aufleitung auf die Fahrbahn oder eine andere legale Radverkehrsführung. Kampfradler bahnen sich daher einen Weg . . .

Veloroute 5, Ballindamm - Baustelle
Veloroute 5, Ballindamm: Am Alstertor vor dem Abgang zur U-Bahn-Station ist das Hindernis auf dem Radweg noch nicht erkennbar, aber danach fehlt eine Aufleitung auf die Fahrbahn. Kampfradler weichen auf den Gehweg aus, Rambos haben derweil Frühstückspause neben dem Radweg

Veloroute 5, Ballindamm - Baustelle
Veloroute 5, Ballindamm: Frühstückspause für Rambos am Radweg

Veloroute 5, Ballindamm, Baustelle
Veloroute 5, Ballindamm: Zugemüllter Radweg ohne Umleitung für den Radverkehr




Fehler 4: Durch eine Baumaßnahme auf dem Geh- und / oder Radweg ist in einer Straße ohne Radwegbenutzungszwang die gesamte rechte Nebenfläche in Fahrtrichtung gesperrt. Für Fußgänger gibt es eine Umleitung, für den Radverkehr wird die Benutzung der gesamten Straße verboten (VZ 254 - Verbot für Radfahrer).


Esplanade, Casino - Baustelle
Esplanade, Casino - Baustellenlogik: Wegen einer Baustelle auf dem Gehweg ist das Radfahren auf der Fahrbahn derzeit verboten. Doch normalerweise hat es ohne den Baustellenbetrieb weder eine Radwegbenutzungspflicht noch ein Fahrbahnverbot. Die Esplanade ist weder Autobahn noch Kraftfahrzeugstraße. Radfahrer, die auf der Fahrbahn bis zur Baustelle ganz legal geradelt sind (es gibt an der vorherigen Kreuzung mit dem Neuen Jungfernstieg keinen Hinweis auf das Radfahrverbot ab dem Casinogebäude), sollen hier absteigen und zurückschieben . . . .

Esplanade, Casino - Baustelle
Esplanade, Casino: Tage zuvor gab es weder ein Fahrverbot auf der Fahrbahn noch auf dem Gehweg. Denn in diesem Straßenabschnitt dürfen Radfahrer den Gehweg benutzen (ZZ 1022-10)

Esplanade, Casino - Baustelle
Esplanade, Casino: Tage zuvor durften Radler sowohl auf der Fahrbahn wie auch auf dem Gehweg fahren

Esplanade, Neuer Jungfernstieg
Esplanade / Neuer Jungfernstieg: Es gibt hier keinen hinweis, dass ab dem Casino die Straße komplett für den Radverkehr gesperrt ist. Eine Umleitung ist nicht angegeben

Esplanade / Neuer Jungfernstieg - Baustelle
Esplanade / Neuer Jungfernstieg: Auf der anderen Straßenseite hat es ebenfalls ein Baugerüst. Doch hier wurde das Radfahren nicht verboten. Radfahrer müssen wie gewohnt den Radwegstummel bis zur Kreuzung benutzen



Fehler 5: Es wird das Zusatzzeichen 1012-32 ("Radfahrer absteigen") aufgestellt, ob in Kombination mit Radwegezwang-Zeichen (VZ 237, 240 oder 241), oder auch nur solo. Doch was soll das bedeuten? Sollen Radler kurz anhalten, ab- und wieder aufsteigen und danach weiterfahren? Im Zusammenhang mit einer Radwegbenutzungspflicht ist das Zusatzzeichen ohnehin überflüssig, denn im Verlauf eines Zwangsradwegs kann es keine Unterbrechungen (z.B. auch Treppen, Benutzung eines Fahrstuhls) geben. Dadurch erlischt der Benutzungszwang. Ist der Radweg nicht befahrbar müssen Radler auf die Fahrbahn.


Ludwig-Erhard-Straße / Zitronenjette - Baustelle
Ludwig-Erhard-Straße

Veloroutre 11, Reihersteig
Veloroute 11, Reiherstieg



Fehler 6: Es wird unter einem Radwegezwang-Zeichen (VZ 237, 241) das Zusatzzeichen (Ende) aufgehängt. Damit wird aber nicht das Ende des jeweiligen Radwegs angezeigt, sondern nur das Ende des benutzungspflichtigen Abschnitts einer Radverkehrsanlage. Dieser Fehler geht in aller Regel einher mit Fehler 3.

Esplanade / Neuer Jungfernstieg / Lombardsbrücke - Alstervergnügen
Esplanade / Lombardsbrücke, Alstervergnügen: Das Ende des benutzungspflichtigen Radwegabschnitts ist angezeigt. Radfahrer haben ab hier die Wahl zwischen Fahrbahnbenutzung und Radwegbenutzung, da der Radweg im weiteren Verlauf nicht gesperrt ist. Eine Alternativführung ist ebenfalls nicht angezeigt



Fehler 7: An der Baustelle ist eine Umleitung ausgewiesen. Diese darf jedoch nicht befahren werden, weil keine entsprechenden Verkehrszeichen dies erlauben.


Heiligengeistfeld - Baustelle
Wasserwerkebaustelle am Heiligenstfeld, Budapester Straße / Glacischaussee: Seit fast zwei Jahren ist der Radweg vom Millerntor Richtung Neuer Pferdemarkt sowie auch zur Simon-von-Utrecht-Straße unterbrochen. Zwar gibt es eine Wegweisung, diese kann jedoch nicht befolgt werden.

Heiligengeistfeld - Baustelle
Richtung Simon-von-Utrecht-Straße sollen Radfahrer gemäß der Wegweisung auf die linke Straßenseite wechselnund vermutlich den dortigen Radweg benutzen. Doch dieser ist seit etwa einem Jahr nicht für den Zweirichtungsverkehr zugelassen. Wer dennoch abbiegen wollte konnte über Reeperbahn und Hein-Hoyer-Straße zur Simon-von-Utrecht-Straße gelangen. Die Wegweisungstafel empfiehlt aber anderes . . . 

Heiligengeistfeld - Baustelle
Fortschrittsbericht: Mittlerweile aber ist das VZ254 (siehe Bild oben) wieder entfernt worden. Radler dürfen also wieder ganz legal auf der Fahrbahn in die Simon-von-Utrecht-Straße abbiegen, wie auch schon in den ersten Monaten nach Einrichtung der Dauerbaustelle



Fehler 8: An einer Kreuzung im Baustellenbereich ist die Wegebeziehung für Radfahrer unterbrochen. Radfahrer sollen sich vermutlich in Luft auflösen, angesichts fehlender Wegweisung eine Umleitung mit ungewissem Ausgang fahren, zurück bis zum Ausgangspunkt schieben und auf die Fahrbahn wechseln, bei Kenntnis des Baustellenchaos trotz Radwegezwang vor der Baustelle auf die Fahrbahn wechseln.

Grindelallee / Hallerstraße / Grindelberg - Baustelle
Grindelallee / Hallerstraße / Grindelberg: Die Radverkehrsführung Richtung geradeaus zum Grindelberg ist nicht erkennbar. Das VZ 240 steht für den gemeinsamen Geh- und Radweg, der rechts herum in die Hallerstraße führt. Radfahrer zum Grindelberg müssen also bei der nächsten Fahrt über die Baustelle auf die Fahrbahn ausweichen, da nur so das Ziel erreichrt werden kann - trotz Benutzungszwang.


Fehler 9: Es wird für eine Baustelle auf dem Gehweg oder Radweg der Zweirichtungsverkehr im Baustellenbereich angeordnet, auch wenn ansonsten ohne Bauarbeiten der Radgegenverkehr als illegales Geisterradeln gilt.

Fehler 10: Im Verlauf einer ausgeschilderten Veloroute endet der Radweg an einer Baustelle. Es gibt keine Umleitungshinweise. Ärgerlich: Radler verlassen sich auf die Wegweisung und werden in die Irre geleitet.

Es gibt noch weitere Fehlertypen und auch weitere hier noch nicht genannte Fehlerkombinationen. Der Kreativität der beteiligten Personen sind offensichtlich wenig Grenzen gesetzt. Eine kleine Auswahl . . .

Veloroute 1, Neuer Kamp - Baustelle
Veloroute 1, Neuer Kamp - Baustelle: Zwar ist der Radweg nicht direkt durch die Baustelle betroffen, doch häufig hat es Baustellen auf dem gesamten Gehweg ohne eine Umleitung für Fußgänger. Dann müssen Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen. Den meisten Fußgänger ist dies nicht bekannt, daher laufen Kampfgänger auf dem Radweg.

Bei dem Neuen Krahn - Baustelle
Umleitungstafeln werden in Hamburg gerne auf Radwege gestellt. Passend zu Fehlertyp 3



Andere Städte "können" Baustellen

Lösung zu Fehlertyp 3: Der Radverkehr wird an der Baustelle nicht unterbrochen.

Kopenhagen, Torvegade
Kopenhagen: Ein Baugerüst neben einem Hauptverkehrsradweg

Kopenhagen, Torvegade - Baustelle
Kopenhagen: Einen Tag später wird das Baugerüst abgebaut. Der Radverkehr wird auf die rechte Fahrspur geleitet. Für die Überbrückung des Kantsteins dient ein Holzbrett

Kopenhagen, Nørrebrogade
Kopenhagen: Hinter dem Hindernis auf dem Radweg gibt es eine Aufleitung

Kopenhagen - østerport
Kopenhagen: Trotz Fahrbahnverengung durch eine großflächige Baustelle hat es einen großzügigen und komfortablen Radweg

Basel, Hiltalingerstraße
Basel: Trotz Baustelle Führungskontinuität

Kopenhagen, Amagerbrogade - Wegweisung
Kopenhagen: Umleitungstafeln müssen nicht auf dem Radweg stehen




Mehr . . . / More . . . :

Hamburg kann keine Baustellen


Lösungen
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10. September 2013

Gedanken zur Zeit: Alle sind Rambo




Beatrix Novy beleuchtet bei NDR Kultur innert zehn Minuten über "Verkehrsteilnehmer und die mögliche Beendigung eines Kriegszustandes". Lesenswert . . .
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7. September 2013

Unfertiger Kreuzungsumbau: Gefahrenstelle Kreuzung Stresemannstraße / Kieler Straße / Holstenstraße

Unfinished Crossroad Rebuilding: Black Spot Stresemannstraße / Kieler Straße / Holstenstraße


Stresemannstraße / Kieler Straße - Radweg
Nur noch für Radfahrer: Strese Richtung Westen hatte zuvor gemeinsamen Geh- und Radweg


Die Bauarbeiten an der Kreuzung Stresemannstraße / Kieler Straße / Holstenstraße sind nahezu komplett beendet. Der Autoverkehr fließt wieder uneingeschränkt. Doch noch gibt es Probleme und Behinderungen für Fußgänger und Radfahrer. Ob es noch Nachbesserungen geben wird? 

An einigen Stellen fehlen offenbar noch Verkehrszeichen, an anderer Stelle sind vermutlich falsche Verkehrszeichen aufgestellt worden. Woanders sollen vermutlich noch Verkehrszeichen entfernt werden. Eine Problemstelle könnte jedoch zur Gefahrenstelle werden: Am nördlichen Beginn der Holstenstraße sollen Radfahrer auf die Fahrbahn aufgeleitet werden. Doch diese Zusammenführung des Radverkehrsstroms mit dem Autoverkehrsstrom ist misslungen. Zwischen Stresemannstraße und der Bahnbrücke sollen auf nur wenigen Metern Radfahrer auf die Autofahrspur wechseln. Ein sicherer Übergang sieht jedoch anders aus. Wenn Radfahrer dort nicht aufpassen landen sie unter den Autos, oder sie verzichten auf die Weiterfahrt und lassen sicherheitshalber erst die Autos vor. Doch so sieht keine moderne und sichere Radverkehrsführung aus in einer Stadt, die demnächst einen Radverkehrsanteil von 18% anstrebt.


Kieler Straße - Holstenstraße
Richtung Süden radeln Radfahrer vor derKreuzung zunächst ab Augustenburger Straße auf dem Gehweg. Der vormalige Radweg wurde vor einigen Jahren zum Parkplatz umgewandelt. Über die Oeverseestraße, die nächste Querstraße, ging es bislang über nicht abgesenkte Bordsteine und wieder rauf auf den Gehweg. Seit dem Umbau beginnt dort ein kurzes Stück Radfahrstreifen, der allerdings vom weit abgesetzten gemeinsamen Geh- und Radweg vor den Hauseingängen schwer zu erreichen ist. Zudem folgt die neu aufgetragene Furtmarkierung nicht der Radverkehrsführung. Die Furtmarkierung über die querende Oeverseestraße folgt dem Verlauf des früheren Radwegs, der heute allerdings als Parkplatz dient.
Der neue Radfahrstreifen, der das Gehwegradeln ab der Oeverseestraße ersetzt, endet jedoch auf halber Strecke bis zur Kreuzung mit der Stresemannstraße. Dort wird der Radstreifen auf den Gehweg geführt. Da jedoch kein Verkehrszeichen das Gehwegradeln erlaubt müssen Radfahrer vom Radfahrstreifen auf die Fahrbahn wechseln und bis zur Kreuzung auf der Fahrbahn weiterradeln.
Es wird auch zukünftig besser sein hier auf die Fahrbahn zu wechseln, denn hinter der Kreuzung soll auf der Holstenstraße unter der Bahnbrücke hindurch ausschließlich auf der Fahrahn geradelt werden. Wird das Gehwegradeln vor der Kreuzung vorgeschrieben, müssen Radler direkt nach der Kreuzung mit der Strese ohne eine sichere Aufleitung abrupt wieder auf die Fahrbahn wechseln. Welchen Sinn der Wechsel von Fahrbahn auf Gehweg und Fahrbahn hat ist klar: Es geht um den maximalen Autoverkehrsfluss. Der wird durch die Trennung von Rad- und Autoverkehr ermöglicht, da so unterschiedliche Räumzeitenan der Ampel einprogrammiert werden können. Doch die gültige StVO verbietet diesen Unsinn. Die neue Führung verstößt gegen den Grundsatz "Sicherheit geht vor Flüssigkeit des Verkehrs" (VwV-StVO zu §§ 39 bis 43).
Hinter der Bahnbrücke geht es im wildem Slalom wieder auf ein kurzes Stück benutzungspflichtigen Radweg bis zur Brauereiausfahrt. Ab dort dürfen Radler derzeit bis zur Max-Brauer-Alle weiter auf der Fahrbahn radeln.


Kieler Straße / Augustenburger Straße - Gemeinsamer Geh- und Radweg
Kieler Straße / Augustenburger Straße: Ab hier ist Gehwegradeln vorgeschrieben, damit möglichst viele Parkplätze vorhanden sind - andernorts ist Gehwegradeln verpönt und wird von der Polizei geahndet

Kieler Straße / Oeverseestraße - Gemeinsamer Geh- und Radweg
Kieler Straße / Oeverseestraße: Hier müssen Radler vom gemeinsamen Geh- und Radweg auf den Radfahrstreifen wechseln

Kieler Straße / Oeverseestraße - Gemeinsamer Geh- und Radweg
Kieler Straße / Oeverseestraße: Die Furtmarkierung folgt nicht der tatsächlichen Radverkehrsführung. Hier der Blick vom ehemaligen Radweg - heute Parkplatz - auf die Radspur mit der Furtmarkierung

Kieler Straße / ex BMW-Händler
Kieler Straße / Stresemannstraße: Der Radstreifen führt auf den Gehweg. Allerdings ist hier das Gehwegradeln nicht erlaubt

Kieler Straße / Stresemannstraße
Kieler Straße / Stresemannstraße: Radeln im Mischverkehr auf der Fahrbahn

Kieler Straße / Holstenstraße
Kieler Straße / Holstenstraße: Die Furt aus der Kieler Straße ist in Verlängerung des Gehwegs angebracht und endet unmittelbar hinter Strese . . .

Holstenstraße / Strese - Radspurende
Holstenstraße / Stresemannstraße: Die Furt aus Richtung Kieler Straße endet hinter der Kreuzung. Hier sollen Radler auf die Fahrbahn wechseln, ein gefährliches Unterfangen

Kieler Straße / DB: Radweganfang
Kieler Straße / DB: Hinter der Bahnbrücke geht es ab auf den benutzungspflcihtigen Radweg

Kieler Straße / Brauerei - Benutzungspflichtiger Radweg
Kieler Straße / Brauerei: Ab der nächsten Querung, der Zufahrt zur Brauerei, endet der Benutzungszwang wieder


Holstenstraße - Kieler Straße
Vom Holstenplatz kommend müssen Radfahrer zunächst auf einem Slalomradweg fahren. Kurz vor der Bahnbrücke endet der Radweg, es geht dann weiter auf einem sehr schmalen gemeinsamen Geh- und Radweg unter der Bahnlinie hindurch bis zur Stresemannstraße. Dort hat es nun auf der Fahrbahn eine neue kurze Radspur mit Haltelinie vor der Ampel. Es fehlt aber eine Bordsteinabsenkung, die vor dem Umbau noch vorhanden war. Über die Stresemannstraße gibt es eine gerade Furt, die später auf den alten desolaten Radweg führt. Bis zur Koldingstraße hat es zunächst aber keinen Benutzungszwang mehr.
Zwiwschen Bahnbrücke bis zur Strese wurde eine zusätzliche Autofahrspur reingedrückt. Dadurch ist weniger Platz auf beiden Seiten für Fußgänger und Radfahrer.


Holstenstraße / DB: Gemeinsamer Geh- und Radweg
Holstenstraße Richtung Norden: Gemeinsamer Geh- und Radweg ab dem Holstenplatzblock

Kieler Straße / DB
Holstenstraße / DB: Gemeinsamer Geh- und Radweg

Holstenstraße / Stresemannstraße
Holstenstraße / Stresemannstraße: Vom gemeinsamen Geh- und Radweg auf die Fahrbahn gibt es keine Bordsteinabsenkung

Holstenstraße / Stresemannstraße
Holstenstraße / Stresemannstraße: Blick vom gemeinsamen Geh- und Radweg über die Stresemannstraße in die Kieler Straße

Kieler Straße / Stresemannstraße - ohne B-Zwang
Kieler Straße / Stresemannstraße: Hinter der Kreuzung geht es von der Radspur auf die alten desolaten "Radwege"


Stresemannstraße stadtauswärts
Ab Alsenstraße fahren Radler seit einigen Jahren auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg. Kurz vor der Kreuzung mit der Kieler Straße gibt es parallel dazu als Zusatzangebot einen Radstreifen. Über die Kieler Straße gibt es eine direkt geführte Furt auf den folgenden Radwegabschnitt an der Brache bei der früheren BMW-Niederlassung. Der vormalige gemeinsame Geh- und Radweg wurde in einen reinen Radweg umgewandelt. Fußgänger müssen nun auf die andere Straßenseite wechseln, nur noch Kampfgänger werden neben Radfahrern hier anzutreffen sein. Grund für keinen getrennten Rad und Gehweg ist die zusätzliche Autospur, die vor der Kreuzung im letzten Jahr eingefügt wurde. Hinter dem Ausbauende folgt der übliche Hamburger Radwegecharme . . .


Strese / Kieler Straße
Strsemannstraße / Kieler Straße

Strese / Kieler Straße
Stresemannstraße / Kieler Straße

Stresemannstraße / Kieler Straße - Neuer "Radweg"
Stresemannstraße / Kieler Straße

Strese / Kieler Straße
Stresemannstraße / Kieler Straße: Nur für Radfahrer und Kampfgänger. Fußgänger müssen einen Umweg über die linke Straßenseite gehen

Stresemannstraße / ex BMW-Niederlassung
Strese neben Brache (ex BMW Niederlassung)

Stresemannstraße 227 - Biotopfläche im Radweg
Stresemannstraße kurz vor Kaltenkirchener Platz: IGS-Botschafterfläche im benutzungspflichtigen "Radweg"


Stresemannstraße stadteinwärts
Bis zur Kreuzung mit der Holstenstraße hat es in der Stresemannstraße einen Radweg. Neu ist an der Kreuzung die direkte Führung samt Aufleitung auf die Radspur. An der Haltelinie sind mangels eigener Signale die Lichtzeichen für die Fahrbahn zu beachten. So wie es derzeit aussieht dürfen Radfahrer sogar bei getrenntem Grün für die Rechtsabbieger abbiegen. Dazu hätte es aber zweier Aufstellspuren vor der Ampel bedürft, damit Radfahrer nach rechts und geradeaus sich getrennt aufstellen können.


Stresemannstraße / Holstenstraße
Stresemannstraße / Holstenstraße

Stresemannstraße / Holstenstraße
Stresemannstraße / Holstenstraße: Bei Grünlicht für Rechts dürfen derzeit auch Radfahrer abbiegen. Dazu fehlen aber getrennte Wartespuren für Geradeausverkehr und Rechtsabbieger

Stresemannstraße / Holstenstraße
Stresemannstraße / Holstenstraße

Stresemannstraße / Holstenstraße
Stresemannstraße / Holstenstraße


Ergebnis
Der Umbau wird den Zielen der Radverkehrsstrategie für Hamburg nicht gerecht. Einerseits war schon für die Dauer der Bauzeit trotz anderslautender Pressemitteilungen der Behörde die Kreuzung für den Radverkehr von Kieler Straße zur Holstenstraße / Stresemannstraße gesperrt, andererseits verstößt der jetzige ungeregelte Zustand entlang der Kieler Straße und dem Ende der Radspur vor der Bahnlinie den Grundsätzen der VwV-StVO bzw der ERA. Doch die Radverkehrsstrategie für Hamburg verpflichtet sich die gültigen Regelwerke zu beachten.



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