5. April 2011

Von den Niederlanden lernen - richtig und sicher Rad fahren im Kreisverkehr

Learning from the Dutch - Correct and Safe Cycling in the Roundabout


Kreisverkehr in Leiden, Niederlande / Bicycleroundabout (Quelle: Cycling without a helmet , thanks to Alicia)

Die Niederländer scheinen zu wissen, wie radverkehrsgerechte Kreisverkehre angelegt werden. 

The Dutch seem to know how to build cycle friendly roundabouts.

4. April 2011

StadtRAD verleiht Flügel

StadtRAD gives wings

hamburgize.com / Stefan Warda
Erfolgreiches Fahrradverleihsystem: StadtRAD Hamburg
Germany´s most successful bike rental system: StadtRAD Hamburg

Hamburg ist bekannt für seine schlechten Radwege. In ganz Deutschland wurde Hamburgs Radwegmisere durch das negative Ergebnis beim bundesweiten Fahrradklimatest bekannt. Hamburg landete damals, 2005, auf dem letzten Platz unter den deutschen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern. Dieser Donnerschlag löste ein zartes Umdenken ein. Die wesentlichen Neuerungen sind seitdem die Radverkehrsstrategie für Hamburg und das Fahrradverleihsystem StadtRAD Hamburg.

Die äußerst schlechte Infrastruktur prägt aber immer noch das Image des hanseatischen Radverkehrs. Wesentliche Verbesserungen an der Infrastruktur gibt es bislang noch nicht. Oftmals wurden seit 2005 lediglich alte Radwegsteine durch neue Radwegsteine ersetzt, ggf. auch mal die eine oder andere Radwegbenutzungspflicht aufgehoben, die Struktur bleibt aber weiterhin veraltet. Selbst bei den allerneuesten Radwegen gibt es unerlaubte Benutzungspflichten, Zweirichtungsverkehr, freie Rechtsabbieger, unklare Führungen, die üblichen Konflikte mit Fußgängern und weiterhin entgegen den Beteuerungen der Fahrradbehörde Konflikte mit querenden Radfahrern. Es wird allgemein vorausgesetzt, dass Radfahrer auch bei Neuanlagen illegal über Gehwege die planmäßig eingebauten Konfliktstellen umfahren. Die verantwortlichen Planer scheinen das Gehwegradeln neben Radwegen als Kavaliersdelikt anzusehen. Radfahrstreifen blieben trotz Radverkehrsstrategie bei Neu- oder Umbauten die Ausnahme. Hamburg hinkt mitlerweile erheblich anderen deutschen und europäischen Städten hinterher. Eine echte Kehrtwende hat die Stadt noch nicht geschafft, was bekanntlich auch nicht gerade einfach ist angesichts wechselnder politischer Mehrheiten, dem Festhalten an eingefahrenen Gewohnheiten bei vielen Planern und Behörden, den unterschiedlichen Interessen verschiedener verkehrspolitischer und anderer gesellschaftlicher Akteure.

Allerdings: das StadtRAD beflügelt mittlerweile den Hamburger Radverkehr. Das StadtRAD ist Deutschlands beliebtestes Leihradsystem. Das StadtRAD hat sich in Hamburg etabliert und wird sicherlich zukünftig eine Stütze des städtischen Radverkehrs sein. Trotz des schlechten Image hat Hamburg einen für Deustchland überdurchschnittlich hohen Radverkehrsanteil, hinkt aber auch da einigen anderen Metropolen wie München noch hinterher.


Zum aktuellen Stand des Hamburger Radverkehrssystems zwei Artikel empfohlen:

Mehr zum StadtRAD:

Blumenladen auf hamburgisch

Flower shop hamburgish

hamburgize.com / Stefan Warda
Hornveilchen im Angebot: Benutzungspflichtiger Radweg mit Verkaufsstand in Eppendorf
Violets on sale: cycle track with flower shop


Frühling ist´s, die Drive-in-Flowershops am Radwegrand sprießen wieder aus dem Boden.



Spring has come, the drive-in flower shops spring up at the edge of the cycle track.

Fußgänger und Fahrgäste sind der "Umwelthauptstadt" lästig

Pedestrians are undesirable in the European Green Capital

hamburgize.com / Stefan Warda
Hamburg Millerntorplatz: Abgesperrter Fußgängerüberweg. Fußgänger sollen den umgeleiteten Autoverkehr nicht behindern

Seit Tagen berichten Hamburgs Medien nahezu tagtäglich über Stau. Stau, weil es einige planmäßige Baustellen gibt, aber auch wegen einiger Verkehrsunfälle, und weil es einfach zu viele Autos auf den vorhandenen Straßen gibt. Doch wo kommen wir da hin, wenn Autofahrer einfach so im Stau stehen sollen, dachte wohl die "Umwelthauptstadt". Die hat ganz schlau reagiert und flugs eine besonders wichtige Fußgängerfurt an einer großen Kreuzung gesperrt. Schließlich sollten die lästigen Fußgänger den wegen einer Baustelle umgeleiteten Autoverkehr nicht unnötig behindern. Statt am Millerntorplatz direkt über eine beampelte Fußgängerfurt von der Bushaltestelle zur U-Bahn-Station St. Pauli zu gelangen, sollten Fußgänger fortan einen Umweg über vier beampelte Fußgängerfurten nutzen. Bei den langen Wartezeiten an den vier Ampeln wäre zum Umsteigen sicherlich ein Bus früher zu nehmen, um die geplante U-Bahn zu erreichen. Doch die dreisten Fußgänger hielten sich nicht an die Absperrung, sondern drängelten sich zwischen den im Stau stehenden Autos über die gesperrte Furt hindurch. "Die Fußgänger halten sich nicht dran und rennen trotzdem über die Straße", resignierte eine Behördensprecherin. Schließlich wurde die Sperre wieder aufgehoben, die "Umwelthauptstadt" hatte ein spätes Einsehen mit den offensichtlich unterschätzten Fußgängern.

Erinnern wir uns: Vor mehr als 20 Jahren gingen die Menschen an der Stresemannstraße öfters auf die Straße, um auf den erheblichen Autoverkehr aufmerksam zu machen.
Sollten Hamburgs Fußgänger im Umwelthauptstadtjahr öfters mal vereinigt "über die Straße rennen", wie schon 1990, als Straßen blockiert wurden?


hamburgize.com / Stefan Warda
Hamburgs Fußgänger ließen sich von der Absperrung nicht einschüchtern, der vorgesehene Umweg war einfach zu groß

hamburgize.com / Stefan Warda
Kurze Zeit später war die Absperrung abgeräumt, Fußgänger durften wieder "den Autoverkehr behindern"
hamburgize.com / Stefan Warda
Rot gestrichelt: Dieser Überweg war gesperrt - Gelb: Die Umleitung von der Bushaltestelle (Kreis) zur U-Bahn-Station (Pfeil) - (Quelle: Luftbildkarte 1:5000, aus Stadtkarte von Hamburg, Ausgabe 2008, 6. Auflage auf DVD. Vervielfältigt mit Zustimmung der Freien und Hansestadt Hamburg, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung,www.geoinfo.hamburg.de)
hamburgize.com / Stefan Warda
Stresemannstraße im Jahr 1990: Fußgänger hielten sich nicht dran und rannten auf die Straße. Sie besetzten für kurze Zeit die Kreuzung an der Fußgängerfurt beim grünen Jäger, um gegen den Autoverkehr zu demonstrieren - bis die Polizei einschritt

3. April 2011

Leitbild "Wir wollen das moderne Hamburg schaffen": Noch mehr Busse statt Stadtbahn

New model "We want to create the modern Hamburg": More buses instead of a light rail

Radfahrstreifen oder Busspuren? Hamburg soll jetzt "Europas modernstes Bussystem" bekommen mit zusätzlichen Busspuren und weiteren Ampelvorrangschaltungen an Kreuzungen - © Stefan Warda
Cycle lanes or bus lanes? Hamburg should get "Europe´s most modern bus system with additional bus lanes and priority at traffic lights

Richtungswechsel haben in Hamburg Kontinuität. Anfang der 1990er Jahre warb Bürgermeisterkandidat Henning Voscherau (SPD) für die Wiedereinführung der 1976 stillgelegten Straßenbahn. Aber erst sein Nachfolger Ortwin Runde (SPD) setzte die Idee in Planungen um. 2001 stand das Projekt wegen Regierungswechsel vor dem Aus. Die Koaltion aus CDU, FDP und Schill-Partei verfolgten eine autoorientierte Verkehrspolitik. Einige Busspuren wurden abgeschafft, sie galten im Jargon der Regierung als "Verkehrsschikanen". Die Stadtbahn in die Hafencity und nach Steilshoop galt damals nicht als zu teuer, sondern als Autoverkehrshindernis. Stattdessen wurde in die Hafencity eine im Vergleich sündhaft teure U-Bahnlinie gebaut.  2009 war die CDU in Koaltion mit der GAL offen für ein neues Stadtbahnprojekt. Angesichts immenser Ausgaben für die Elbphilharmonie und die neue Mini-U-Bahn in die Hafencity halten viele Politiker und Lobbyisten das Stadtbahnprojekt für zu teuer. Einige fordern aber gleichzeitig die Verlängerung der im Vergleich zur Stadtbahn wesentlich teureren U-Bahn in den Hamburger Süden.

Das Aus für eine moderne Stadtbahn scheint 2011 wiederholt besiegelt. Acht Millionen Euro Planungskosten wandern in Form von bunten Plänen in Schubladen oder das Baubehördenarchiv. Nun sollen Busse die Hamburger dazu einladen das Auto stehen zu lassen oder abzumelden. Der neue Bürgermeister Scholz kündigt für Hamburg das "modernste Bussystem Europas" an. Und der neue Verkehrssenator Horch erwägt die sündhaft teure U-Bahn von der Hafencity nach Wilhelmsburg zu verlängern. Selbst die nun zugesagte Verlängerung der Luxusuntergrundbahn bis zu den Elbbrücken wird sehr kostspielig. Die anerkannt deutlich preiswertere Stadtbahn sei aber von Hamburgs Bürgern wegen angeblich zu hoher Kosten nicht gewollt. Hamburg müsse schließlich sparen.

Acht Millionen Euro Planungskosten für die Stadtbahn werden jetzt versenkt, und vielleicht werden zur nächsten Landtagswahl weitere Millionen Planungskosten für ein fragwürdiges Bussystem versenkt, falls es anschließend wieder einen Richtungswechsel geben wird. Ob im Jahr 2020 Hamburg jemals das "modernste Bussystem Europas" haben wird bleibt noch offen.


Moderner Bus- und Radverkehr in Münster: Busse fahren auf Radfahrstreifen - © Stefan Warda
Example for modern bus traffic and cycle traffic in Münster: Buses run on cycle lanes 

hamburgize.com / Stefan Warda
Amsterdam: Radfahrer können bequem und konfliktfrei eine Bushaltestelle passieren - © Stefan Warda
Amsterdam: Cyclists can pass easily a bus stop

Kopenhagen (Frederiksberg): Busspur und Radweg, keine Konflikte zwischen Passanten, Busfahrgästen und Radfahrern - © Stefan Warda
Copenhagen (Frederiksberg): Bus stop and cycle track, no conflicts between pedestrians, passengers and cyclists

Kopenhagen: eindeutige und angemessene Flächenaufteilung für Passanten, Radfahrer und Busfahrgäste - © Stefan Warda
Copenhagen: Adequate and clear zoning design for pedestrians, cyclists and bus passengers

Zum Thema Radverkehr war von der neuen Regierungscrew noch nicht viel zu hören. Ganz vergessen hat die SPD derzeit wohl, dass sie selbst 2008 die Radverkehrsstrategie für Hamburg unterstützt hatte und zuvor sich an deren Entwicklung beteiligte hatte. Doch falls nun dem Busverkehr tatsächlich mehr Platz im vorhandenen Straßenraum eingerichtet werden sollte, könnte dies zum Nachteil des Radverkehrs ausfallen. Busspuren brauchen mehr Fläche als Stadtbahntrassen.

Bislang sieht es an Bushaltestellen neben Radwegen eher schlecht aus für Radfahrer und Fußgänger. Im Regelfall gibt es eine unmoderne Busbucht und keinen modernen Haltestellenkap, selbst wenn durch die Busbucht die gesamte Nebenfläche stark eingeschränkt wird. Denn im Zweifelsfall sollte in der derzeitigen "Umwelthauptstadt" bislang immer noch der Autoverkehr ungehindert fließen. Das altbackene Standardmodell: Wartende Fahrgäste, Radfahrer und Passanten behindern sich gegenseitig, während der Autoverkehr ungestört fließt. Bürgermeister Scholz kündigt nun "Zusatzspuren" für Busse an. Die wird es in Hamburg wohl nur solange geben, wie dafür Radwege und Gehwege verengt werden, denn das in dieser Stadt immer wieder beliebte Gejammer um das Phänomen Autostau dürfte nach dem Abwatschen des Stadtbahnprojekts auch dem neuen Bürgermeister nicht gefallen. Wir Radfahrer sind gespannt auf die neuen und modernen Bushaltestellen in Hamburg.


Typisch Hamburg: Wenig Platz für Radfahrer an Bushaltestellen. Hier ein gemeinsamer Geh- und Radweg, gebaut im Jahr 2004 - © Stefan Warda
Typically Hamburg: Little space for cyclists at bus stops. Here a sidewalk for pedestrians and cyclists, built in 2004


© Stefan Warda

© Stefan Warda

© Stefan Warda

© Stefan Warda

Ein anderes Beispiel: Auch hier behindern sich Fahrgäste, Passanten und Radfahrer untereinander. Wenigstens fließt der Autoverkehr - © Stefan Warda
Another example: Also here cyclists, pedestrians and bus passengers interfere with each othe

Loogeplatz: "Radweg" mitten durch die Bushaltestelle - © Stefan Warda

Ein zentraler Busbahnhof: Der Radverkehr wird mitten durch die Haltestellenanlage geführt im Zweirichtungsverkehr genau dort, wo Fußgänger entlang gehen und natürlich häufig queren - © Stefan Warda
Cycle traffic leads right through a central bus station as a two-way cycle track

Eidelstedter Platz: Der Zweirichtungsradweg windet sich im Zickzack um die Einbauten am Busbahnhof. Vorsicht ist geboten an jeder Ecke. Es kann immer unerwartet ein Fußgänger auftauchen, der noch schnell zum Bus hastet, oder wie hier eine Radfahrerin die Kurve schneiden - © Stefan Warda

Unschön: Üblicherweise steht das Haltestellenhäuschen direkt angrenzend am Radweg, falls dieser vorhanden - © Stefan Warda

Wartende Fahrgäste stehen dann schon mal auf dem benutzungspflichtigen Radweg . . . - © Stefan Warda
Waiting bus passengers on the cycle track . . .

. . . und erfordern höchste Konzentration vom Radfahrer - © Stefan Warda

Unmodern, aber relativ neu: Der Autoverkehr fließt, aber der benutzungspflichtige Radweg dient eigentlich dem Fußgängerverkehr - © Stefan Warda

© Stefan Warda

© Stefan Warda

© Stefan Warda

© Stefan Warda

© Stefan Warda

Vollkommen unmodern: Ausgewiesene Velorouten an einer Bushaltestelle vor einem Einkaufszentrum. Das ist keine Werbung für den Radverkehr - © Stefan Warda

Äußerst unmodern: Benutzungspflichtiger Radweg führt mitten durch hoch frequentierte Bushaltestelle - © Stefan Warda

Äußerst unmodern: Benutzungspflichtiger Radweg führt mitten durch hoch frequentierte Bushaltestelle - © Stefan Warda

Äußerst unmodern: Benutzungspflichtiger Radweg führt mitten durch hoch frequentierte Bushaltestelle - © Stefan Warda

Sehr altmodisch: Benutzungspflichtige Radwege an Busbuchten - © Stefan Warda
Very old school cycle track at very old school bus stop

Wer es nicht kennt: Kein Scherz, da verläuft ein roter benutzungspflichtiger Radweg! - © Stefan Warda
You do not believe? This is a cycle track with the obligation to us it!

© Stefan Warda

Eine Radfahrerin hat aufgegeben, der benutzungspflichtige Radweg ist einfach nur unbenutzbar - © Stefan Warda
Cyclist gave up, cycle track could not be used

© Stefan Warda

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