Posts mit dem Label culture of fear werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label culture of fear werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

20. Mai 2021

Helmpropaganda wirkt

Helmet propaganda works

 

Helmkampagne des BMVI - © Stefan Warda

 

Die Helmpropaganda in Deutschland wirkt. Andauernde Kampagnen des Bundesverkehrsministeriums, zum Teil penetrante Kampagnen oder Aktionen von Polizei auf kommunaler oder Länderebene sowie die schuldzuweisende Berichterstattung über verunfallte Radfahrende scheinen ihre Wirkung zu entfalten: Laut BASt hat die Helmtragequote in Deutschland zugenommen. 2020 sollen 26 Prozent der Radfahrenden einen Helm getragen haben, der bislang höchste Anteil und mehr als doppelt so hoch als vor zehn Jahren. Im Jahr zuvor habe der Anteil noch bei 23 Prozent betragen, 2011 waren es dagegen noch elf Prozent gewesen. Während Helme bei Alltagsradfahrenden in unserem Nachbarland Niederlande verpönt sind und in der Verkehrssicherheitsarbeit keine Rolle spielen, dominiert in Deutschland zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im Radverkehr mehr oder weniger die Helmpropaganda (neben Warnwestenpropaganda) anstelle einer landesweit deutlich besseren Infrastruktur, Tempolimits und anderen sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen.


Verkehrssicherheitsarbeit in den Niederlanden, ganz ohne Helm - © Stefan Warda


Eine hohe Helmtragequote könnte sich in Deutschland bald nachteilig auswirken. Wenn die Mehrheit der Radfahrenden behelmt radeln würde, könnten Gerichte zukünftig unbehelmten Radfahrenden bei Unfällen mit Kopfverletzungen eine Mitschuld anlasten, auch wenn sie unverschuldet in einen Verkehrsunfall mit Autofahrenden geraten sind - beispielsweise durch Dooring, unterlassenen Schulterblick, mangelnden Seitenabstand, Ablenkung mit einem Mobiltelefon, usw. Die Autonation wirkt auch über die Helmpropaganda.

Übrigens lässt die BASt in ihrer Pressemitteilung die Helmtragequote der Autofahrenden oder Gehenden im Straßenverkehr unerwähnt. Kopfverletzungen sind unter diesen Verkehrsteilnehmenden ebenso recht häufig, nur bemüht sich in Deutschland keine Institution um eine entsprechende Helmpropaganda.

 

 

Mehr . . . / More . . . :

.

20. Juni 2016

Verunsicherungsaktion "Schon gecheckt": Warnwesten für Hamburgs Radfahrer

Culture of fear: High viz vests for cyclists in Hamburg


Fahrradsternfahrt Hamburg 2016 - © Stefan Warda


Laut einer Pressemeldung der Polizei Hamburg wollten die Partner Kampagne "Schon gecheckt" - der ADFC, der Landesbetrieb Verkehr, die Landesunfallkasse, die Polizei Hamburg und andere Partner aus dem "Forum Verkehrssicherheit" - während der Hamburger Fahrradsternfahrt kostenlos Warnwesten an Radfahrer verteilen. Tatsächlich trugen während der Fahrradsternfahrt viele Radfahrer "Schon gecheckt"-Warnwesten. Es ist daher anzunehmen, dass die Träger nicht allein Ordner gewesen sind. In einem NDR-Beitrag war gestern abend zu sehen, dass ADFC-Aktivist Uwe Jancke als Veranstalter von "Mobil ohne Auto" Warnwesten verteilte. Seitens des ADFC wurde jedoch beteuert, dass der Radelclub keine Warnwesten verteilen würde.




Wollen wir in einer Stadt leben, in der alle Radfahrer Warnwesten tragen müssen?

Es bleibt zu hoffen, dass mit der massenhaften Abgabe von Warnwesten an Radfahrer in Hamburg nicht das Tragen von Warnwesten etabliert wird. Im ungünstigsten Fall würde dies bedeuten, dass Gerichte zukünftig Radfahrern, die keine Warnwesten tragen, im Falle eines nicht verschuldeten Unfalls eine Teilschuld aufbürden, da verständige Menschen selbstverständlich Warnwesten tragen würden. Auf jeden Fall würde sich ein stärkerer Anteil von Wanrwestenträgern ungünstig auf die Sichtbarkeit der Radfahrer ohne Warnwesten auswirken. Zukünftig würden Autofahrer Radfahrer ohne Warnwesten weniger gut wahrnehmen, wenn sich das Radfahren mit Warnwesten mehr und mehr etablieren würde. Mechthild Klein vom ADFC Hamburg befragte in der RadCity den Braunschweiger Verkehrspsychologen Prof. Dr. Mark Vollrath zum Märchen von Warnwesten als Unfallschutz.

Wenn alles tagsüber Leuchtkleidung trägt, dann schwindet die Sichtbarkeit wieder, schätzt Vollrath.

Wollen wir in einer Stadt leben, in der alle Radfahrer Warnwesten und ggf. auch noch Helme tragen müssten? Ganz bestimmt nicht.



In den Niederlanden wird vorgelebt, dass für die Sicherheit der Radfahrer gesorgt wird - ganz ohne Warnwesten und ohne Helm. Diesem Beispiel sollten wir folgen und nicht die Opfer einer verfehlten Verkehrspolitik doppelt bestrafen, indem sie sich einerseits mit einer schlechten und gefährlichen Infrastruktur abfinden müssen und zusätzlich auch noch mit allen möglichen Protektoren ausgerüstet werden sollen, die Spaß und Freizügigkeit der Mobilität erheblich verleiden.


Fahrradsternfahrt Hamburg 2016 - © Stefan Warda

Mehr . . . / More . . . :
.

20. Mai 2015

Minister Dobrindt will "Darth Vader"-Helme verschenken

Minister Dobrindt gives away "Darth Vader" helmets to kids


 © hamburgize.com / Stefan Warda


Im Rahmen der Verunsicherungskampagne "Runter vom Gas" will das Dobrindt-Ministerium eintausend Spiel-Helme an Kinder und Jugendliche verschenken. Werbefigur der Kampagne ist der Filmbösewicht "Darth Vader", an dessen Kopfbedeckung sich das Ministerium orientiert. Wer Interesse an diesen Spielhelmen hat, der fotografiere sich oder seine Freunde mit einem der Kampagnen-Plakate und twittere das Bild mit #dankhelm (Einsendeschluß: 31.05.2015).


 © hamburgize.com / Stefan Warda


Sicherheitshinweis: Beim Klettern (z.B. auf dem Abenteuerspielplatz) sollten die Helme nicht getragen werden, da dies zu tragischen Unfällen führen könnte.


 © hamburgize.com / Stefan Warda


Mehr . . . / More . . . :
.

4. Mai 2015

Verunsicherungskampagne: Bundesverkehrsministerium will mit "Darth Vader" für Sicherheitsfetische werben

"Darth Vader" for helmets: Transport ministry with new campaign
Aktualisiert am 05.05.2015
© hamburgize.com / Stefan Warda


Das Bundesverkehrsministerium will ab 19. Mai mit einer neuen Helmkampagne Radfahrer verunsichern. Im Rahmen der Aktion "Runter vom Gas", die dem Namen nach eigentlich garnichts mit Fahrradhelmen zu tun hat, wollen das Ministerium und der DVR ihre Kampagnenserie zum Thema Fetische fortsetzen. Die aktuellen Plakate tragen den Titel "Hut ab, Helm auf". Die nächsten Plakatentwürfe bedienen sich der Filmfigur "Darth Vader", die für das Tragen von Sicherheitsfetischen auf Radfahrerköpfen werben soll.  
Die Saga geht weiter: Dank Helm 
Gilt in jeder Galaxie: Und auf dem Fahrrad
 
Hamburgize empfiehlt dagegen mit der Kampagne "Keine Fakeradwege" gefährliche Pisten, die in Deutschland oftmals "Radwege" bezeichnet werden, zu beseitigen, um damit die Sicherheit von Radfahrern wirksam zu verbessern.


© hamburgize.com / Stefan Warda


© hamburgize.com / Stefan Warda



Die Helmmotive der Verunsicherungskampagne "Runter vom Gas" sollen in den Innenstädten von Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt und München zu sehen sein.


Mehr . . . / More . . . :
.

1. April 2015

Volvo-Visionen

Volvo visions
Aktualisiert am 02.04.2015




Der Auto-Hersteller Volvo möchte fortan nur noch verkehrssichere Autos bauen. Mit der Vision 2020 verspricht Volvo, dass ab 2020 niemand mehr in einem neuen Volvo getötet oder schwer verletzt wird sowie kein Volvo mehr verunfallt.

Volvo Cars Vision 2020 - and beyond
Volvo Cars believes that fatalities and severe injuries in traffic are unacceptable. The Swedish safety pioneer has therefor declared its Vison 2020 - Nobody should die or be seriouesly injured in a new Volvo by the year 2020 -, and beyond this, to build cars that do not crash anymore.

Für Radler (und Fußgänger) gibt es dazu das Reflektorspray "Volvo-Lifepaint". Mit diesem tagsüber unsichtbaren Spray, das auf Kleidung und Fahrrad aufgetragen werden soll, sollen nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer sich in Leuchtkörper verwandeln. Leider soll die Wirkung des Wundermittels nur eine Woche vorhalten. Danach soll erneut zum Spray gegriffen werden. Derzeit ist das Spray nur in Großbritannien erhältlich.

Ein weiteres unfreiwilliges Spielzeug für Radler sind speziell vernetzte Fahrradhelme, die mit der Technik der Volvo-Fahrzeuge korrespondieren und mittels der Assistenzsysteme der Volvo-Fahrzeuge Bremsvorgänge einleiten oder ähnliches. Wenn demnächst noch jeder andere Fahrzeughersteller eine andere Assistenztechnik für deren Fahrzeuge entwickelt, müssen Radler demnächst wohl mehrere Helme für alle gängigen Autohersteller tragen und sich zusätzlich alle Wochen zusprayen. Zumindest in den Niederlanden werden sich Autohersteller damit nicht durchsetzen können. Die Helmtragequote im Alltagsverkehr tendiert gegen Null, Helmtragen ist bei unseren fahrradbegeisterten Nachbarn absolut verpönt.

Übrigens: Wie möchte Volvo verhindern, dass ab 2020 kein Volvo mehr auf Radwegen oder Gehwegen parkt und dadurch ggf. Unfälle entstehen?

Wer "Lifepaint" auf allen Volvo-Fahrzeugen zum Erfolg helfen will kann sich an einer Petition beteiligen.


Mehr . . . / More . . . :
 .

27. März 2015

Helm auf oder Fakeradwege weg?

Wear a helmet or eliminate fake cycle tracks?
Aktualisiert am 28.03.2015
 
© hamburgize.com / Stefan Warda


Die Radsaison beginnt für viele Sommerradler. Rechtzeitig tauchen im Stadtbild Botschaften an uns Radler auf. „Hut ab. Helm auf.“ So präsentiert sich die Kampagne „Runter vom Gas“ des Bundesverkehrsministeriums in Kooperation mit dem DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat). Bei dem einen oder anderen Unfall hätte ein Helm gegebenenfalls vor Kopfverletzungen geschützt. Doch ist es nicht zynisch das Helmtragen zu empfehlen, solange Radler mit unzulänglichen Fakeradwegen konfrontiert werden, deren Benutzung kaum möglich oder mit erheblicher Gefährdung verbunden ist? In Hamburg gibt es viele Kilometer schmale Fakeradwege, neben denen die eigentlich für die Verkehrssicherheit verantwortlichen Straßenverkehrsbehörden das Parken erlauben oder dauerhaft dulden. Radfahrer müssen einen Sicherheitsabstand von wenigstens einem Meter zu parkenden Autos einhalten, auch auf Radwegen, Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Ein Dooringunfall kann mit Fahrradhelm nicht vermieden werden, die Beseitigung von Parkständen neben Radverkehrsanlagen oder aber die Beseitigung nicht regelkonformer Radverkehrsanlagen verhindert aber Dooringunfälle und schützt damit vor Kopfverletzungen. Deshalb weg mit Fakeradwegen, bitte jetzt! 


© hamburgize.com / Stefan Warda

 

Verkehrssicherheitsarbeit von vorgestern

Ein Fahrradhelm bekämpft nicht die Ursachen von Verletzungen, sondern behandelt höchstens die Folgen. Wie rückwärtsgewandt diese sogenannte Verkehrssicherheitskampagne des DVR ist, zeigt der Vergleich mit dem Fahrradland Nummer Eins, den Niederlanden. Kaum ein Alltagsradler benutzt dort einen Fahrradhelm. Fahrradhelme werden dort hauptsächlich in Verbindung gebracht mit touristischen Radlern, die aus dem benachbarten Deutschland kommen. Auch ohne Fahrradhelmen ist das Radfahren in den Niederlanden sicher. Niemand muss Angst haben vor dem Radfahren, weil keine Behörde und kein Ministerium den Radlern einen Helm vorschreibt. Vielleicht auch gerade deswegen fahren nahezu alle Niederländer fiets. Radler in Deutschland haben eineseits mit äußerst schlechter und unsicherer Infrastruktur zu kämpfen und sollen andererseits deshalb zusätzlich auch noch Helme tragen. Sollen Deutschlands Radler etwa doppelt bestraft werden im Vergleich zu unseren Nachbarn?


© hamburgize.com / Stefan Warda
© hamburgize.com / Stefan Warda
© hamburgize.com / Stefan Warda
Fakeradweg in Dooringzone


Mehr . . . / More . . . :
.

23. November 2014

Mit Helmpflicht für Autofahrer und Fußgänger mehr zu bewirken als bei Radfahrern

Helmet law for motorists and pedestrians could be more effective than with cyclists

http://www.clevere-staedte.de/
www.clevere-staedte.de


Um mehr Leben im Straßenverkehr zu retten fordert die "Initiative clevere Städte" eine Helmpflicht für Autofahrer und Fußgänger. Die Initiative beruft sich auf Statistiken. 2011 kamen in Deutschland auf jeden getöteten Radler 1,5 getötete Fußgänger und 4,5 getötete Autofahrer. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) von 2009 sei die Häufigkeit Kopfverletzung unter Radlern, Fußgängern und Autofahrern und -gefahrenen bei Schwerverletzungen oder tödlichen Unfällen nahezu gleich. Zwischen 64% und 68% bei Schwerverletzten und 85% bis 89% bei Getöteten seien Kopfverletzungen die häufigsten Verletzungen. Heinrich Strößenreuther von "Initiative clevere Städte":

Wenn man es also ernst meint und Kopfverletzungen reduzieren will, dann bitte Werbe- und Politik-Kampagnen starten, damit Autofahrer und Fußgänger Helme tragen. Was wir brauchen, sind deutlich niedrigere Geschwindigkeiten, mehr Können von Kraftfahrzeuglenkern, jährliche Fahrkönnenüberprüfungen und sichere und ausreichend dimensionierte Fahrrad-Infrastrukturen.

Wie kam es bislang zur Reduzierung der Helmfrage - neben Motorradfahrern - auf die Radfahrer? Das Auto konnte seine Dominanz im Straßenraum durch Verunglimpfung seiner Opfer erreichen. Waren es anfangs "Jaywalker", die den Autoverkehr störten, sind es heute "Kampfradler". Das eigene Fehlverhalten verdrängen Autofahrer allzu gerne, zeigen aber gern auf das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Zudem wird von allzu vielen der Vorrang des Autoverkehrs als Norm angesehen. Kontrolle von Kampfparkern oder Kampfrasern gilt als Abzocke, weswegen beispielsweise in Hamburg Rad- und Gehwege entlang vieler Straßenzüge seit Jahrzehnten dauerhaft zugeparkt sind. Zudem sind Tickets für Kampfparker in Deutschland im europäischen Vergleich spottbillig.

Gesellschaftlich nicht anerkannt ist das Helmtragen in den eigenen vier Wänden. Zwar passieren die meisten Unfälle im Haushalt, doch "Hausputz mit Sicherheitskopfbedeckung sei nicht üblich", so der Psychologe der Heliosklinik in Hattingen, die den Aktionstag "Ein Helm für jeden Kopf" veranstaltete. Bei diesem Aktionstag ging es lediglich darum, Schulkindern beim Radeln einen Helm zu verpassen, weil sich dabei der Kopf im Gegensatz zum Hausputz wirksam schützen lasse - so die Argumentation seitens der Klinik.

Opferbashing ist auch beliebt von Seiten angeblicher Verkehrssicherheitsakteure. Der Trick: Mit Verdrehung von Statistiken werden die Opfer gebrandmarkt, um so den Zwang zum Fahrradhelm zu legitimieren. Der Chef der Essener Verkehrswacht behauptete, dass 80 Prozent aller Verletzungen bei Fahrradunfällen Kopfverletzungen seien.


Mehr . . . / More . . . :
.

23. August 2014

Aktionstag: Ein Helm für jeden Kopf?

Culture of Fear: Helmets for Kids only



Wer macht schon gerne Hausputz, wenn dazu ein Helm getragen werden muss? Und wer fährt schon gerne Fahrrad, wenn er zum Helmtragen gezwungen wird? Brigitte Ulitschka von der WAZ berichtet vom Aktionstag "Ein Helm für jeden Kopf" der Helios-Klinik in Hattingen. In der Reha-Klinik werden Schädel-Hirn-Trauma-Patienten behandelt. Älteste Patientin sei eine 89-jährige Dame, die über einen Teppich gestürzt sei. Dazu Klinik-Psychologe: "Die meisten Unfälle passieren im Haushalt." Doch die Verletzung der alten Dame wird seitens des Psycholgen entschuldigt: Hausputz mit Sicherheitskopfbedeckung sei nicht üblich. Aber bei anderen Aktivitäten ließe sich der Kopf wirkungsvoll schützen. Frei nach dem Motto "Ein Helm für jeden Kopf" wird bei der Aktion Minderjährigen mehr oder weniger unfreiwillig ein Helm verpasst. Die ältere Dame und alle anderen Nichtradler brauchen beim Aktionstag kein Helmattentat befürchten. Schließlich sei das Helmtragen im Haushalt, wo die meisten Unfälle passieren, unüblich.


Mehr . . . / More . . . :
.

8. Mai 2014

Wenig Akzeptanz: Nur jeder siebte Radler fährt mit Helm

Not Accepted: Only Every Seventh Cyclist Wears a Helmet


© hamburgize.com / Stefan Warda


Laut Angaben des Bundesverkehrsministerium trugen 2013 15% der deutschen Radler einen Helm. 2012 seien es 13% und 2011 11% gewesen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt wirbt daher für die Unterstützung der Aktion "Ich trag Helm".

Wahrscheinlich am 17. Juni soll der Bundesgerichtshof ein letztendliches Urteil zur Helmtragepflicht in Deutschland fällen. Bislang waren Richter unterschiedlicher Auffassung, ob Radler ohne Helm eine Mitschuld tragen, wenn sie ohne Verschulden in einen Verkehrsunfall verwickelt waren. Zwar gibt es keine gesetzliche Helmtragepflicht, aber der fehlende Versicherungsschutz im Unfallfalle würde wie eine indirekte Helmtragepflicht wirken.


Mehr . . . / More . . . :
.

7. Dezember 2013

Grüner Verkehrsminister kämpft weiter für Radfahrerhelmpflicht

Green Party Minister Still Fights for Mandatory Helmets


© hamburgize.com / Stefan Warda
Helmwerbung Unter den Linden


Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann hält weiterhin an der Helmpflicht für Deutschlands Radfahrer fest. Nun hat er ein Gutachten zu einer möglichen Helmpflicht für Radfahrer in Auftrag gegeben, welches 2015 präsentiert werden soll. Unterstützung für das Gutachten erhält Hermann aus Thüringen.

Die Helmpflicht wird von Hermann als Baustein der "Vision Zero" angesehen, nach der sich Baden-Württemberg 2020 40% weniger Verkehrstote als 2010 zum Ziel gesetzt hat.

2012 verunglückten in Baden-Württemberg 42 Radfahrer tödlich, von denen 33 keinen Helm trugen. Nach Angaben Hermanns sind 50 Prozent aller Fahrradtoten ältere Menschen, die keinen Helm tragen.

Ob diese Rechnung tatsächlich aufgeht? Es gibt noch offene Fragestellungen:

  1. Sind denn nachweislich alle 33 Unfalltote ursächlich wegen Kopfverletzungen verstorben? 
  2. Und warum gab es sogar neun Helm tragende Radler zu beklagen? 
  3. Nützen Helme also doch nichts? 
  4. Wieso redet im Fahrradland Nummer Eins niemand über eine Fahrradhelmpflicht? 
  5. Herr Hermann, wieso können sie in Baden-Württemberg nicht das Radfahren durch gute Infrastruktur und verbesserte Rahmenbedingungen so sicher wie in den Niederlanden machen anstelle Radlern solch dämliche Helme zu verpassen? 
  6. Wie weit soll der Sicherheitswahn noch gehen? Warnwestenpflicht für Fußgänger, Helmpflicht für Handwerker und Hausfrauen/Hausmänner, Schwimmwesten für Badende?


© hamburgize.com / Stefan Warda
Mittlerweile hält die Helmindustrie auch schicke Helme für Fußgänger bereit, die nächsten Opfer des Helmwahns


Mehr . . . / More . . . :
.

27. Oktober 2013

Helm auf oder besser runter vom Gas? Helme bleiben weiterhin unbeliebt

Helmets Still Unpopular



Die Deutschen mögen weiterhin keine Fahrradhleme tragen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. 64% der Radfahrer tragen nie einen Helm, 33% halten Helme beim Radfahren für überflüssig. Nur 26% tragen fast immer einen Helm. Helme sind bei Ostdeutschen unbeliebter als bei Westdeutschen, bei Älteren unbeliebter als bei Jüngeren. 2004 waren es nur 7% der Radfahrer, die regelmäßig einen Helm trugen. Die permanente Diffamierung der Radler ohne Helm scheint Wirkung zu zeigen und Versicherern, Politikern, Verbänden und den Helmherstellern entgegenzukommen. Dagegen scheinen Fußgänger bislang noch nicht als Zielgruppe für die Helmvermarktung entdeckt worden zu sein.





Mehr . . . / More . . . :
 .

9. Oktober 2012

Sicherheit geht vor

Safety first


[via] helmetfreedom.org

Sehenswert! Und nicht verpassen die Studie zu den Fahrradverleihsystemen in Brisbane und Melbourne.

Mehr . . . / More . . . :

.

29. Juli 2012

Spanien droht alle Radfahrer zu behelmen

Spain threatens with helmet mandatory

hamburgize.com / Stefan Warda


Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club weist auf Pläne der spanischen Verkehrsbehörde hin eine generelle Helmpflicht für alle Radfahrer in Stadt und Land einzuführen.

"Die spanische Verkehrsbehörde DGT plant die Einführung einer generellen Helmpflicht für Fahrradfahrer in Spanien. Bisher gilt die Helmpflicht nur außerorts, sie soll jetzt aber auch auf Städte ausgeweitet werden. Der spanische Radfahrerverband A Contramano, Mitglied im Europäischen Radfahrerverband ECF, wendet sich nun mit einer Petition im Internet gegen die Helmpflicht-Pläne und bittet um Unterstützung aus dem Ausland. Der ECF setzt sich europaweit für die Unterzeichnung der Petition ein und bittet auch den ADFC um Verbreitung und Unterstützung."


Mehr / More:



.

2. Mai 2012

Kultur der Angst - Wozu braucht es Fahrradhelme?

Culture of fear - Do we need helmets?



Endlich: Seit letzter Woche gibt es nun auch im deutschsprachigen Raum Dank FahrradZukunft eine ausführliche und fundierte Auseinandersetzung mit dem oftmals verbissen und selten objektiv diskutierten Thema Fahrradhelm. Vielen Dank den Autoren


Mehr / More:

.

14. Januar 2012

Koalition der Hardliner: Hamburg plädiert für Helmzwang

Coalition of hardliners: Hamburg for helmet obligation

Das Bundesland Hamburg macht sich stark für die Einführung des Helmzwangs für minderjährige Radfahrer, so das Hamburger Abendblatt am 14.01.2012.

Der Initiator des Antrags, Klaus-Peter Hesse (CDU), sagte, die geplante Helmpflicht solle "den Schutz von Kindern und jugendlichen Radfahrern im Straßenverkehr verbessern". Es sei die Aufgabe der Politik, "wie beim Autoverkehr oder bei Motorrädern auch über angemessenen Selbstschutz von Radfahrern als Verkehrsteilnehmer nachzudenken".







[via] Empfehlenswert: Mikael Coolville-Andersen über Kultur der Angst und Helmförderung


Mehr:

23. November 2011

Verkehrssicherheit: Radfahrer haben einen schlechten Stand

Safety: Cyclists have a bad state

Die Kultur der Angst begleitet uns zunehmend im alltäglichen Leben. "Sicherheitsexperten" wollen uns vor allen möglichen
Unfällen schützen, in der Regel aber nur die Unfallfolgen der Schwächeren abmildern, ohne die Unfälle selbst zu verhindern. Einen besonders schlechten Stand haben in Deutschland die Radfahrer. In vielen Medienberichten und selbst bei Unfallaufnahmen durch Polizei regiert ihnen gegenüber eine gewisse Voreingenommenheit. 

Ein Beispiel dazu ist der Unfall eines 23-jährigen Radfahrers, der am 30.09.2011 in Berlin tödlich verunglückte. Er fuhr im Verlauf einer Vorfahrtstraße auf dem Radfahrstreifen geradeaus über eine Kreuzung und wurde von einem linksabbiegenden Pkw-Lenker übersehen. Der Radfahrer konnte nur noch im letzten Moment vor der Kollision abbremsen, ging dann aber über den Lenker und verletzte sich dabei tödlich. Dem jungen Mann wird nun vorgeworfen für den Unfall mitverantwortlich zu sein, weil er ohne Licht gefahren war. Der Unfall geschah gegen 18.50 Uhr, der Sonnenuntergang war am 30.09.2011 in Berlin um 18.59 Uhr. Damit war es zum Unfallzeitpunkt nicht dunkel, sondern lediglich die Dämmerung hatte begonnen. Bei Sonnenuntergang ist es schließlich immer noch relativ hell.




Nicht das Opfer blieb Opfer, sondern der Verursacher wurde zum Opfer stilisiert. Nicht erwähnt wird dabei, dass viele Radfahrer, Fußgänger oder auch Motorradfahrer von Kraftfahrzeug-Lenkern auch am hellichten Tage übersehen werden, oder aber auch trotz funktionierender Beleuchtung. Fatal ist leider nur: Radfahrer haben keine Knautschzone. Radfahrer sollen sich aber nach und nach mit allem Möglichen vor Unfallfolgen schützen, die Unfallursachen werden allerdings hingenommen. Somit wird die Freiheit der Radfahrer zunehmend eingeschränkt, die Freiheit der Autofahrer wird dagegen kaum hinterfragt. Radfahrer werden auf nicht angemessene, unbrauchbare und gefährliche Wege gezwungen, damit Autofahrer auf den Straßen ungehindert rasen und möglichst überall parken können. Vor der ungebremsten Freiheit für die Autofahrer sollen Radfahrer sich dann aber auf jeden Fall schützen. Und während die Autofahrer einseitig mit ABS, Airbags, SUV-Panzerung, Kuhfängern und Tagesfahrlicht aufrüsten, bleiben Radfahrer dagegen ungeschützt. Tempo 30, Shared Space, ausreichende Seitenabstände zu parkenden Autos an Radwegen und Radfahrstreifen, freigeräumte Sichtdreiecke an Kreuzungen und Einfahrten, Alkoholverbot oder Telefonierverbot zur Erhöhung der Sicherheit der Radfahrer sind unbequem für den Vorrang des Autoverkehrs und bleiben daher oftmals Tabu.













Medien berichten häufig: Unfall mit Radfahrer – Radfahrer trug keinen Helm. Selbst bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung ohne Kopfverletzungen wird gerne erwähnt, dass Radfahrer beim Unfallhergang keinen Helm trugen. Was soll uns das sagen? Wieder die Radfahrer? Rüpelradler, Kampfradler, Ramboradler? Selbst schuld? Laut dem statistischen Bundesamt waren 2008 in Deutschland 6562 Personen an Kopfverletzungen verstorben. 1383 Personen waren bei Transportmittelunfällen an Kopfverletzungen verstorben. Weitere 768 Personen waren wegen Kopfverletzungen tödlich verunglückt, weil sie an / über Treppen gestürzt sind. Niemand erwäht dabei anschließend: Die Person trug auf der Treppe keinen Helm oder mit Helm hätte die Person wahrscheinlich den Treppensturz überlebt. Bei 69% der bei der Treppenstürzen Verstorbenen war eine Kopfverletzung die Todesursache. 381 Personen waren als Pkw-Insassen mit Kopfverletzungen tödlich verunglückt, 219 Personen als Fußgänger im Straßenverkehr mit Kopfverletzungen tödlich verunglückt. Und auch da heißt es in den Polizeiberichten keineswegs: Die Person trug keinen Helm. Und 226 Radfahrer waren im Straßenverkehr mit Kopfverletzungen tödlich verunglückt. Aber da heißt es gern: Die Person trug keinen Helm!



Behelmte "Mineurin" im Berliner Abendverkehr
Helmeted "mineur" at Berlin late evening


2011 berichtete die Polizei Hamburg bis heute von 24 kopfverletzten Fußgängern, ohne dabei zu erwähnen, dass diese keine Helme trugen. Ebenso berichtete sie von neun kopfverletzten Radfahrern, erwähnte bei zweien dieser Unfälle der Radfahrer, dass die am Kopf verletzten Radfahrer keine Helme trug. Alle neun kopfverletzten Radfahrern überlebten die Unfälle, vier von ihnen waren schuldlos und wurden von Autofahrern umgefahren. Von den 24 kopfverletzten Fußgängern verstarben drei an den Unfallverletzungen. Zwei von diesen liefen ohne auf den Verkehr zu achten auf die Straße, eine weitere Person wurden von einem rückwärts ausparkendem Transporter totgefahren. Insgesamt liefen sechszehn der 24 Kopfverletzten ohne auf den Verkehr zu achten auf die Straße. Vier Fußgänger wurden in Kreuzungsbereichen erfasst, bei dreien war der Unfallhergang unklar, bei der vierten Person verursachte der Autofahrer den Unfall. Eine Person wurde beim Ausparken übersehen. Eine Person wurde beim Überqueren des Radweges von einem Radfahrer erfasst, die Schuldfrage war unklar. Eine Person stürzte mit dem Mobiltelefon telefonierend ins Gleisbett der S-Bahn und wurde von einem Zug überrollt. Von den 24 Fußgängern verursachten siebzehn selbst die Unfälle, bei fünf Personen waren die Unfallursachen ungeklärt, bei nur zwei Personen waren Autofahrer Unfallverursacher. Warum schreit nun in Hamburg keiner nach Helmpflicht für Fußgänger?




Wer eine Helmpflicht für Radfahrer fordert, muss diese auch für Fußgänger fordern.









Im Fall des verstorbenen Berliner Radfahrers wehren sich die verbliebenen Angehörigen gegen die Berichterstattung der Medien. Am 26.10., dem Geburtstag des Unfallopfers, trafen sie sich zu einer Gedenkfeier an der Straßenkreuzung und kritisierten dabei die Medienberichte: „Es war 18.50 Uhr, es war nicht dunkel!!!“ Die Berliner Presse titelte zu dem Verunglückten: „Fahrradfahrer ohne Licht ist 40. Verkehrstoter“. Vor einigen Jahren, als für Deutschland das Tagesfahrlicht für Kraftfahrzeuge eingeführt werden sollte, stand ich mit Vertretern von Automobilclub und Landesregierung vor der Kamera. Damals war in Österreich eine Studie veröffentlicht worden, die die Augenreaktionen der Autofahrer auf Lichtquellen untersucht hatte und letztendlich mit zur Abschaffung der Tagesfahrlichtpflicht in Österreich führte. Die Tagesfahrlichtbefürworter argumentierten in der Fernsehtalkrunde, dass Autofahrer durch Tagesfahrlicht besser zu sehen seien, auch für Radfahrer und Fußgänger. Den dadurch erkauften Nachteil, dass Fußgänger und Radfahrer durch Tagesfahrlicht für Kfz letztendlich weniger gut zu sehen seien, sollten diese mit reflektierender Kleidung nachrüsten. Selbst die ältere Dame auf dem Weg zum Einkaufen oder zum Arzt solle sich doch mit Reflektoren aufrüsten, um mit dem Tagesfahrlicht mithalten zu können. Nach der Sendung wurde mir in der Garderobe vorgehalten, dass ich als einziger Studiogast, der mit dem Rad gekommen war, abends mit dunklem Mantel unterwegs gewesen sei. Darauf fiel mir nur ein, dass die Herren sich sicherlich nicht Warnwesten über ihre dunkle Abendgarderobe überziehen, wenn sie auf dem Weg zu Theater oder Elbphilharmonie aus der U-Bahn austeigen und anschließend die Straße betreten. Übrigens waren die nicht mit dem Rad angereisten auch alle dunkel gekleidet gewesen.


Affallend viele Radfahrer nutzen in Berlin Warnwesten
Striking number of cyclists using safety vests in Berlin


Auf Voreingenommenheit selbst bei Polizisten stösst ebenso das Radfahren über Fußgängerüberwege, was grundsätzlich nicht verboten ist, ebenso das Musikhören auf dem Rad, was ebenso nicht verboten ist, genauso wie sich Autofahrer in ihren zum Teil schalldicht abgeschlossen Kabinen ablenken dürfen durch Telefonieren, Musikgenuss oder das Bedienen der Navigationsgeräte.

Was muss sich ändern? Fahrradhelme und erst recht Warnwesten sind in Amsterdam kein Thema. Trotzdem ist Amsterdam eine der sichersten Städte für Radfahrer überhaupt. Es geht auch ohne Aufrüstung, nämlich durch Abrüstung.
.