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5. Juli 2026

CDU in Hamburg-Altona: Mit Populismus für mehr Stehzeuge an der Elbchaussee


 

Bernadottestraße: Gefährdungsstreifen mit Dooringgefahr - © Stefan Warda

 

 

Mit Populismus für mehr Stehzeuge

Die CDU setzt sich landesweit traditionell für möglichst viel Platz für Stehzeuge ein, auch wenn dies im Widerspruch zur Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs steht. Aktuelles Beispiel die Grundinstandsetzung der Elbchaussee. Im Planungsabschnitt im Bereich Övelgönne soll es 155 legale Stellplätze für Stehzeuge geben. Einige Anwohnende und Aktivisten (Initiative "Rettet die Elbchaussee") zählen zu den legalen Stellplätzen auch noch sog "geduldete Parkplätze" hinzu, also den Raum, den Kampfparkende einnehmen. Weil diese nicht regelmäßig abgeschleppt oder verwarnt werden, wird von "geduldeten Parkplätzen" gesprochen. Um also Behinderungen und Gefährdungen durch sog. "geduldete Parkplätze" abzustellen, müsste landesweit flächendeckend eine konsequente Parkraumüberwachung stattfinden, damit es keine Argumente für die Einrichtung weiteren Raums für Stehzeuge gemäß argumentativem "Gewohnheitsrecht" mehr gibt. 

Für die Elbchaussee im Bereich Övelgönne spricht sich die CDU gegen Radverkehrsanlagen aus, weil damit Platz für Stehzeuge entfallen würde.

"Die Folge des Umbaus sind der Wegfall zahlreicher Parkplätze und erhebliche Belastungen für Anwohnerinnen und Anwohner. Dabei ist der Nutzen für den Radverkehr begrenzt: Auch im Bereich Övelgönne drohen zusätzliche Konflikte und Sicherheitsprobleme, etwa durch sogenannte „Dooring“-Unfälle infolge neuer Längsparkstände."

Laut LSBG soll bis heute nicht feststehen, wie genau der Straßenraum in diesem Planungsabschnitt aufgeteilt werden soll. 

"Der Unterabschnitt zwischen Liebermannstraße und Hohenzollernring befindet sich noch im Planungs- und Abstimmungsprozess; ein konkreter Baustart steht hier noch nicht fest. Zu Bauablauf und Verkehrsführung können daher noch keine Angaben gemacht werden."

Die CDU will jedoch schon wissen, dass dort Radverkehrsanlagen unmittelbar im Dooringbereich platziert werden sollen. Um im Bereich Elbchaussee absoluten vorrang für den MIV zu gewähren, soll Radfahrende stattdessen auf den Straßenzug Holländische Reihe / Bernadottestraße ausweichen.

"Die CDU-Bürgerschaftsfraktion fordert deshalb in einem Antrag für die Bürgerschaftssitzung am Mittwoch, eine Radverkehrsverbindung parallel zur Elbchaussee über die Bernadottestraße und die Holländische Reihe zu schaffen und zu prüfen, auf welche belastenden Maßnahmen im Bereich Övelgönne dadurch verzichtet werden kann."
Die CDU will Glauben machen, dass in der Bernadottestraße paradiesische Zustände für Radfahrende herrschen. Es geht dabei um den möglichen Verzicht von Belastungen für die Stehzeuge-Klientel an der Elbchaussee. 

 

Bernadottestraße: Gefährdungsstreifen mit Dooringgefahr - © Stefan Warda



Anke Frieling (CDU) behauptet sogar, dass Kinder und ältere Menschen auf der Bernadottestraße sowie der Holländischen Reihe sicher unterwegs sein würden. 

"Mit der Bernadottestraße und der Holländischen Reihe gibt es eine attraktive Parallelstrecke, auf der sich der Radverkehr komfortabel führen lässt. Hier können Kinder auf dem Schulweg, ältere Menschen und weniger geübte Radfahrerinnen und Radfahrer sicher unterwegs sein. Wenn wir diese Chance nutzen, kann der Senat prüfen, welche belastenden Maßnahmen insbesondere in Övelgönne überhaupt noch erforderlich sind. Unser Ziel ist eine Lösung, von der alle profitieren: mehr Sicherheit für den Radverkehr und weniger Belastungen für die Menschen vor Ort."

Doch auf der Bernadottestraße besteht derzeit auf der Südseite aufgrund zu schmal dimensionierter älterer "Radfahrstreifen" unmittelbar neben Stehzeugen Dooringgefahr. Radfahrende werden dort in die Zange genommen von plötzlich sich öffnenden Autotüren von der rechten Seite und zu eng Überholenden auf der linken Seite. Um der Dooringgefahr vorzubeugen, müssten in der Bernadottestraße ebenfalls zahlreiche bestehende Plätze für Stehzeuge entfallen, damit vor allem Kinder und Senioren, aber auch alle anderen Radfahrenden sicher und ohne Angst komfortabel fahren könnten. Dies hätte dann ebenfalls "Belastungen für die Menschen vor Ort" zur Folge.

 

Bernadottestraße: Gefährdungsstreifen mit Dooringgefahr und Gefährdung durch "Überholzwang" - © Stefan Warda

 

Frau Frieling will Glauben machen, dass eine zur Fahrradstraße umgebaute Bernadottestraße ohne die Konflike mit den bisherigen Gefährdungsstreifen realisiert werden würde. Können wir das glauben?


Bernadottestraße und Holländische Reihe als Fahrradstraße?

Falls Bernadottestraße und Holländische Reihe zu einer von der CDU schon 2020 vorgeschlagenen Fahrradstraße umgestaltet werden sollten, könnte dies etwa aussehen wie in der Thadenstraße oder der Chemnitzstraße im Verlauf der Veloroute 7. Die Umgestaltung der Thadenstraße zur heutigen Fahrradstraße beanspruchte viel Platz für Stehzeuge. Um den MIV-Durchgangsverkehr aus der vorgeschlagenen Fahrradstraße Bernadottestraße herauszuhalten, müsste es Modalfilter geben. Der durchgehende MIV müsste dann auf andere Straßenzüge ausweichen, z.B. die Elbchaussee oder die Radroute 1. Zudem wäre sicheres Radfahren für Kinder (z.B. auf dem Weg zur Schule) in einer Fahrradstraße nicht vereinbar mit regem Buslinienverkehr. Wegen erforderlicher Modalfilter wäre der Buslinenverkehr ohnehin auf andere Strecken angewiesen. Wäre dies alles wirklich und glaubhaft im Sinne der CDU? In der Vergangenheit gab es immer wieder Vorbehalte seitens der CDU gegen Fahrradstraßenplanungen, z.B. am Leinpfad, Bellevue, Fährstraße, Schöne Aussicht, Klärchenstraße, usw. Fast immer ging es bei dem Streit um den Platz für Stehzeuge. Sollten die Anwohnenden der Bernadottestraße also zukünftig Platz für ihre Stehzeuge an der Elbchaussee suchen? Erst soll also die Prüfung der Möglichkeit einer Fahrradstraße in der Bernadottestraße und Holländischen Reihe erfolgen, dann soll geprüft werden, ob überhaupt noch Verbesserungen für den Radvekehr an der Elbchaussee erforderlich seien, und anschließend könnte irgendwann die Elbchaussee umgebaut werden?

 

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7. Juli 2020

StVO-Novelle auf Eis: Kommt nun ein Erpressungsversuch aus Berlin?

Aktualisiert um 12:45 Uhr
Hofweg, "Schutzstreifen" und vier Wildparkende - © Stefan Warda

Halten auf Schutzstreifen wieder erlaubt?

Wegen eines Formfehlers wird die seit April gültige StVO-Novelle von den Bundesländern außer Kraft gesetzt. Dazu hatte Andreas Scheuer aufgerufen, weil die StVO-Novelle schlampig auf den Weg gebracht worden war. Für einige Neuerungen fehlte der Bezug zu den entsprechenden Gesetzesgrundlagen. Das bedeutet: Die Ordnungskräfte wenden vorläufig den alten Bußgeldkatalog wieder an. Halten auf Schutzstreifen wird nicht mehr geahndet, es gibt keinen Tatbestand für das enge Überholen von Radfahrenden, es gelten wieder die für europäische Verhältnisse äußerst günstigen Bußgeldchen beim Wildparken auf Geh- und Radwegen oder Radfahstreifen, kein Schritttempo für Lkw beim Abbiegen an Kreuzungen mit Radverkehrsanlagen, usw.. 

Andreas Scheuer möchte nun die Gelegenheit nutzen, den Bundesländern eine neue, veränderte StVO-Novelle unterzujubeln, die hoffentlich juristisch einwandfrei sein wird, gleichzeitig jedoch nach seinen Worten "verhältnismäßig" ausfallen wird. Er möchte der Raserlobby entgegenkommen und temporäre Fahrverbote ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 21 km/h innerorts und 26 km/h außerorts aufheben. Denn nach Argumenten der Raserlobby haben viele Menschen ihre Existenz derart eingerichtet, dass sie beruflich davon abhängig seien, regelmäßig die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmenden zu gefährden, indem sie zu schnell mit Auto oder Motorrad unterwegs sind. Vorgebracht wurde, diese Gewohnheitsraser könnten ja versehentlich Tempo-30-Schilder übersehen und dann bei deutlich mehr als Tempo 50 in einem Tempo-30-Bereich ihre Fahrerlaubnis befristet abgeben. Verkehrsminister Scheuer missachtet nun alle Bemühungen um Vision Zero und menschengerechterer Städte in Deutschland.




Nun wird es spannend: Wer sitzt am längeren Hebel? Werden die Länder die Kröte schlucken und Geschwindigkeitsüberschreitungen in einer von Scheuer überarbeiteten StVO in bagatellisierter Form akzeptieren, um das restliche Reformwerk schnellstmöglich wieder in Kraft zu setzen? Oder fallen wir möglicherweise gar bis zu einem Verkehrsministerwechsel zurück auf die alte StVO-Fassung?


Lärmzeug - © Stefan Warda

Scheuer auch Anhänger von Lärmzeugen

Nebenbei ließ Scheuer andeuten, dass er die Initiative der Länder zur Minderung von Motorradlärm nicht unterstützen will. Laut der ZEIT sagte Scheuer:

"Die Biker zeigen bei den Protesten ihre Haltung gegen Verschärfungen und Verbote. Das ist auch meine Haltung. Ich werde die Beschlüsse des Bundesrates, also der Bundesländer, nicht umsetzen."


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15. Mai 2020

Im Verkehrsministerium regiert der Populismus

Populism rules the German transport ministry

Dialogdisplay - © Stefan Warda

Scheuers Kniefall vor der Raserlobby

Nur wenige Wochen nach Einführung des neuen Bußgeldkatalogs will unser Verkehrsminister Andreas Scheuer zurückrudern. Das einmonatige Fahrverbot bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von innerots 21 km/h sowie außerorts 26 km/h soll wieder zurückgenommen werden, weil diese Regelung "unverhältnismäßig" sei. Ein Kniefall vor der Raserlobby: Zahlreiche Autofahrende, die auf ihr Auto angewiesen seien, hätten sich an das Verkehrsministerium gewandt, weil sie Angst hätten ihren Führerschein und dadurch ihren Job zu verlieren.



Wer ab und an mal einen Taxi-Service nutzt und während dieser Fahrten auf den Tacho schaut, der dürfte sich fragen, wieso beispielsweise diese Berufsgruppe eine eingebaute Rasertoleranz hat. Rasen soll in Deutschland nun weiterhin nur ein Kavaliersdeleikt sein. In einigen Nachbarländern und anderen EU-Staaten gelten teils weitaus drastischere Maßnahmen für Raser als hierzulande. Wer in der Schweiz innerorts 11-15 km/h zu schnell fährt, büßt mit 250 Franken, bei 16-20 km/h zu schnell winkt eine "Verwarnung" (Wiederholungstäter erhalten mind. ein Monat Fahrverbot), bei 21-24 km/h zu schnell ein Monat Fahrverbot für Ersttäter, ab 25 km/h schneller als erlaubt fallen mind. drei Monate Fahrlizenzpause an. Wer innerorts gar 50 km/h oder mehr zu schnell fährt, gilt offiziell als "Raser" und riskiert die Beschlagnahmung des Fahrzeugs, Führerscheinentzug von mind. zwei Jahren und eine Freiheitsstrafe von mind. einem bis zu vier Jahren.


© Stefan Warda


Raser sollen in Deutschland offenbar weiterhin der Meinung sein dürfen, Geschwindigkeitsregelungen seien reine Willkür und ohne Sachverstand angeordnet, Verkehrszeichen seien leicht zu übersehen. Raser könnten daher leicht "unverschuldet" eine Führerscheinpause einlegen. Sollte nicht der Grundsatz gelten: Im Zweifel eher vorsichtiger und langsamer als zu schnell?



Niemand wird gezwungen, zu schnell zu fahren.


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6. April 2020

Pandemie in Hamburg: Autofahrerpartei fordert Freigabe von Geh- und Radwegen für Stehzeuge - aus "gesundheitlichen Gründen"

Corona crisis in Hamburg: AfD for more illegal car parking


© Stefan Warda


Laut einer Mitteilung der SHZ fordert die Hamburger AfD während der Coronakrise die Parkraumüberwachung auszusetzen. Nach AfD sollen Autofahrende Geh- und Radwege zuparken dürfen, um ausschließlich deren Gesundheit zu schützen - und die anderer (die vermutlich nicht AfD wählen) zu gefährden. Schließlich sei es derzeit gesünder, statt mit dem ÖV ausschließlich mit dem Auto zu fahren. Die Afd vertritt den Anspruch, Hamburgs einzige "Autofahrerpartei" zu sein.


© Stefan Warda

© Stefan Warda


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13. Januar 2020

Hamburg: Dem Populismus treu geblieben

Hamburg: Staying true to populism


Wahlplakat mit Ex-Innensenator Dirk Nockemann: Populismus statt Verkehrspolitik - © Stefan Warda


Dirk Nockemann bietet sich für erneute Verkehrswende an

Hamburgs ehemaliger Innensenator Dirk Nockemann tritt als Spitzenkandidat der AfD zur Bürgerschaftswahl an. Laut Abendblatt warb er beim Landesparteitag seiner Partei für eine Verkehrspolitik "auch für Autofahrer, nicht nur für Radfahrer". Was damit gemeint sein könnte, bewies er als Mitglied der Partei rechtsstaatlicher Offensive ("Schill-Partei") unter dem Ersten Bürgermeister Ole von Beust, die ab 2001 eine Verkehrswende in Hamburg einleitete.


Populismus statt Verkehrspolitik

Dirk Nockemann war unter Bürgermeister Ole von Beust Büroleiter von Innensenator Ronald Schill. Später nach Schills Austritt aus dem Senat wurde er selbst Innensenator. Zu dieser Zeit verfolgte die Hamburger Innenbehörde das Ziel dem Autoverkehr Vorrang vor anderen Verkehrsträgern zu geben. So wurde beispielsweise eine "Pollerhotline" eingerichtet mit dem Ziel, Flächen für Stehzeuge zu gewinnen, die zuvor gegen das Wildparken geschützt waren.

Zahllose Absperrelemente auf Grünflächen und Gehwegen wurden damals entfernt, um illegales Kampfparken zu ermögliches. In der Behringstraße wurden damals zahllose Absperrelemente entfernt, die Jahre später wieder auf Klagen von Radfahrenden installiert wurden, um den dortigen Radweg gegen Wildparker zu schützen.

Auch wurden auf vormals abgepollerten Gehwegflächen neue legale Parkplätze geschaffen und dabei Gehwegflächenanteile für den Fußverkehr erheblich minimiert. Im Bezirk Altona wollte die Partei rechtsstaatlicher Offensive gegen die über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus bekannten Fahrradhäuschen vorgehen, auf deren Flächen Platz für Stehzeuge zu schaffen.

Hamburg wurde unter Beteiligung der Partei rechtsstaatlicher Offensive Deutschlands "Grünpfeil"-Hauptstadt unter der Maßgabe, dass die verkehrsrechtlichen Voraussetzungen bzw. Anforderungen für die Anbringung von Grünpfeilen missachtet wurden. Mittlerweile wurden etliche der Grünpfeile wieder entfernt, um die Verkehrssicherheit für Gehende und Radfahrende, aber auch den MIV, an zahlreichen Kreuzungen wieder zu verbessern und die Regelwerke durchzusetzen.

Das Tempolimit auf etlichen innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen wurde von 50 auf 60 km/h heraufgesetzt.

Die Innenbehörde unterstützte das Kampffahren in Hamburg, indem sie Geschwindigkeitsüberschreitungen erst ab einem erhöhtem Toleranzwert sanktionierte. Im Zusammenhang mit dem höheren Tempolimit ergaben sich dadurch erheblich höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten auf Hamburgs Hauptstraßen - mit allen Nebenwirkungen wie z.B. Lärm, Verkehrsunsicherheit, Schadstoffbelastung, Trennwirkung.

Die von Senator Mario Mettbach ("Schill-Partei") geleitete Baubehörde beendete den Bau der Velorouten und reduzierte den Hamburger Radverkehrsetat auf ein extremes Minimum. Der Begriff "Velorouten" wurde behördlicherseits nicht mehr verwendet. Die Stelle der Radverkehrsbeauftragten wurde aufgelöst.

Die Stadtbahnplanungen wurden beendet, weil sie den Autoverkehrsfluß behindert hätte.

Kurzum: Alles, was den Autoverkehr in irgendeiner Weise einschränkte, galt ab 2001 als "Verkehrsschikane" und sollte beseitigt werden. Geschwindikkeitsüberwachung galt somit als Abzocke. Die CDU unterstützte die damalige Verkehrswende. Michael Freytag, damals Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion und 2004 bis 2007 Verkehrssenator: "Alles, was Verkehrsschikane ist, muss aufgelöst werden."


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17. Juli 2017

Hamburg-Eimsbüttel: Baumschutz über Radverkehr

Hamburg-Eimsbüttel: Trees against cycle routes
Aktualisiert um 22: 30 Uhr

Hamburger Fakeradweg - © Stefan Warda


Mit allen Mitteln versucht die CDU in Hamburg den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur zu verhindern. Eine ganz besonders kuriose Idee kommt nun aus dem Bezirk Eimsbüttel. Dort hat die CDU-Fraktion beantragt, keine Bäume für den Ausbau der Velorouten zu fällen.


Die  Bezirksversammlung möge beschließen:
Bei der Errichtung zukünftiger Radwege im Bezirk Eimsbüttel wird künftig auf das Fällen von Bäumen verzichtet. Es wird eine Alternativstrecke gesucht, auch wenn die Variante teurer wird. Ist dies nicht möglich, wird an der Stelle des Baumes die Veloroute unterbrochen.

Einen Antrag zur Verhinderung von Baumfällungen zugunsten des Ausbau des sonstigen Straßennetzes, z.B. bei Verbreiterung von Autobahnen oder der Aufweitung von Stadtstraßenkreuzungen für weitere Abbiegespuren, hat die CDU dagegen nicht gestellt.

Wieso sollten für mehr Fahrspuren im Gegenzug nicht auch Alternativstrecken gesucht werden? Wären diese nicht möglich, müssten Straßen- bzw. Fahrbahnaufweitungen an Bäumen ebenfalls unterbrochen werden. Oder aber kein Ausbau der S4 nach Rahlstedt und Kaltenkirchen, wenn Bäume gefällt werden müssen: Die Alternativstrecke für die zusätzliche S-Bahntrasse sollte ggf. auf der A24 eingerichtet werden, Richtung Kaltenkirchen auf der A7.



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30. Mai 2016

Das Unmögliche möglich machen: CDU Hamburg fordert den autoverkehrsgerechten Radverkehr

Impossible: CDU calls for the car-friendly cyclist in Hamburg
Aktualisiert am 31.05.2016

Mit der CDU zurück zum Radweg - © Stefan Warda


Mit der CDU zurück zu schmalen Radwegen

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg hat heute ein CDU-Radverkehrskonzept für Hamburg vorgestellt. Damit möchte er sich eindeutig von der jetzigen rot-grünen Senatspoltik absetzen, die Hamburg zur "Fahrradstadt" machen will. Als Leitbild für das Radverkehrskonzept stellt sich die CDU einen "zeitgemäßen Mix aus Autos, Bahnen, Bussen, Fähren und Fahrrädern" vor. Die natürlichste Art der Mobilität, das zu Fuß gehen, fällt im Leitbild aus. Dennis Thering sieht das CDU-Radverkehrskonzept jedoch in einer Linie mit der 2008 unter CDU-Senat erarbeiteten "Radverkehrsstrategie für Hamburg".

Thering fordert in dem heute veröffentlichten Papier das Unmögliche: Einerseits soll es einen "Bestandsschutz für PKW-Parkplätze" geben, andererseits soll es dazu zusätzlich mehr Lieferzonen geben, damit Lieferverkehre nicht als Zweite-Reiher-Parker den Verkehr behindern. Zudem soll es bei Straßen mit mindestens 15.000 Autos am Tag und einem Schwerlastanteil von mehr als drei Prozent zwingend Hochbordradwege geben, die jedoch so breit sein sollen, dass sie für Lastenräder und Kinderanhänger geeignet seien. Selbstredend müssen die gültigen Regelwerke auch unter einem CDU-Senat in Hamburg eingehalten werden.

Demnach wären beispielsweise am Maienweg zwingend breite Radwege erforderlich, alle bisherigen mit Verkehrszeichen 315 erlaubten Stellplätze sollen erhalten werden. Entweder würde der Fußgängerverkehr am Maienweg verboten, um ausreichend breite Radwege bauen zu können, oder aber die Kleingärten müssten Flächen abgeben für eine Verbreiterung des Straßenraums. In der Krausestraße müsste es neben benutzbaren Gehwegen ausreichend breite Radweg - im Bereich der heutigen Straßenbäume (?) - geben. Alle heute legalisierten Stellplätze sollten gemäß Thering erhalten bleiben. Ob da noch Platz für den Autoverkehr übrig bliebe, ohne alle Straßenbäume zu fällen? Einen Bestandsschutz für Bäume verlangt die CDU nicht.

Insgesamt scheint Thering sich von der Radverkehrsstrategie für Hamburg dennoch loslösen zu wollen. Denn zum Ausbau der Radverkehrsanlagen heißt es darin:

Bei der Verbesserung vorhandener Radwege gilt der Grundsatz „Qualität vor Quantität“. Wenn Radwege zu schmal sind oder Sicherheitsräume zu parkenden Fahrzeugen fehlen, reicht eine einfache Belagserneuerung nicht aus. Dann ist der Querschnitt neu aufzuteilen und ggf. der Einsatz alternativer Führungsformen wie Radfahrstreifen oder Schutzstreifen zu prüfen. Dabei sollen im Interesse einer gleichberechtigten Behandlung des Radverkehrs im Straßenverkehr grundsätzlich die in den Regelwerken empfohlenen Standardmaße verwirklicht werden. Eine Beschränkung auf die Mindestmaße erfolgt nur bei unabweisbarer Notwendigkeit.

Will Herr Thering etwa unwissenden oder alles glaubenden Hamburgern vorgaukeln, in allen Hamburger Hauptverkehrsstraßen ausreichend breite regelkonforme Radwege unterbringen zu können, ohne dass ein einziger legaler Stellplatz verloren ginge und zusätzlich noch weitere Lieferverkehrszonen eingerichtet werden könnten? Zweifel sind angebracht, wenn nicht Fahrspuren reduziert werden, Bäume gefällt, Häuser abgerissen oder ggf. der Autoverkehr in Tunnel verlegt wird.
 
Außerdem fordert die CDU in ihrem Papier mehr Querungsstellen für Kinder und mobilitätseingeschränkte Personen: "Die Abstände zwischen den Querungsstellen sollen so kurz wie möglich und so groß wie nötig sein." Aber genau diese CDU forderte letztes Jahr weniger Grünzeiten für Fußgänger zur Querung der Elbchaussee in Ottensen.

  • Nebenbei setzt sich die CDU für Ampelgriffe ein.
  • Das Leihradsystem "StadtRAD" sollte auch Lastenräder anbieten.
  • Thering schlägt vor auf der aufgelassenen Güterbahnlinie Ohlsdorf - Ochsenzoll einen Radschnellweg einzurichten. Von 6,5 Kilometern dieser Strecke dienen jedoch 4,8 Kilometer als Ausgleichsfläche für den Bau der Flughafen-S-Bahn. Lediglich ein Teilabschnitt nördlich des Bahnhofs Langenhorn-Nord bis Bahnhof Ochsenzoll stünden neuen Nutzungen zur Verfügung.

Besitzstandswahrung: Für die CDU ist der Radverkehr nur dann zeitgemäß, wenn er dem Autoverkehr untergeordnet wird

Die CDU möchte mit der Fixierung der Menge an Autostellplätzen und der Anzahl der Fahrspuren auf Hauptverkehrsstraßen Autofahrern keine Anreize geben, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen, sondern die Anzahl der Autos in unserer Stadt behalten. Der Radverkehr soll zum Autoverkehr eher untergeorndnetes Beiwerk sein, als ein gleichberechtigter Partner.

Die CDU-Vertreter werfen dem Senat Ideologie vor, doch ihr Konzept hat ein bitteres Geschmäckle. Der Bestand an Flächen für Stehzeuge soll unangetastet bleiben. Das grenzt den Spielraum für die Sanierung von Radwegen erheblich ein. So könnte in vielen Straßen, wie z.B. auch in der Walddörferstraße, kein nach deutschen Regelwerken gültiger Standard für den Radverkehrsanlagenbau eingehalten werden. Außerdem soll nach CDU die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes für den Autoverkehr durch den Radverkehr in keiner Weise beeinträchtigt werden. Für das von der CDU angeführte Beispiel Rugenfeld würde dies bedeuten, dass entweder die zu schmalen noch vorhandenen Hochbordradwege unmittelbar im Wurzelbereich der alten Straßenbäume erhalten blieben und nicht auf geltende Regelwerkestandards verbreitert würden, oder aber die Straßenbäume würden gefällt, um die notwendige Verbreiterung der Radwege zu ermöglichen und vor weiteren Würzelschäden zu schützen. Pikant ist der NDR-Beitrag, der in den Szenen zum Rugenfeld Gehwegradler zeigt, die regelwidrig neben den zu schmalen und beschädigten Fakeradwegen radeln.
 
Interessant ist allerdings, dass die CDU in ihrem Radverkehrskonzept keine Zeile zum Baumschutz verliert. Werden Radwege auf Kosten der Straßenbäume ausgebaut, oder soll alles bei den alten, schmalen Fakeradwegen neben schmalen Gehwegen bleiben? Zwar erwähnt das Konzept die kontinuierliche Zunahme des E-Bike-Absatzes in Deutschland, schmale "Radwege" neben schmalen Gehwegen sind aber keine Antwort darauf.




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14. Januar 2016

Zukunftsfähiges Hamburg? Darf Radverkehr in Wohngebietsstraßen wie der Walddörferstraße unerwünscht bleiben?

Sustainable Hamburg? May cycling be unwanted in residential streets like Walddörferstraße?
Aktualisiert am 15.01.2016


© hamburgize.com / Stefan Warda
Diese Straße im Hamburger Bezirk Wandsbek scheint bis zum letzten Millimeter stehzeugegerecht aufbereitet worden zu sein. Wo Platz für Stehzeuge fehlt, wird er annektiert. Laut BILD haben Radfahrer dort nichts zu suchen: "die stark befahrene Walddörferstraße in Wandsbek. 3,7 Kilometer lang und bei Autofahrern besonders beliebt, weil sie schnell und direkt in die City führt."


Die große Autofahrerpartei Hamburgs hat einen neuen Krisenherd erfunden: die Walddörferstraße im Bezirk Wandsbek. Durch die Walddörferstraße, die vornehmlich durch ein Wohngebiet führt, soll laut Radverkehrskonzept für den Bezirk eine bezirkliche Veloroute ausgebaut werden. Das beauftragte Planungsbüro hat dazu die Umwandlung in eine Fahrradstraße vorgeschlagen. Derzeit gilt in der zweispurigen Straße Tempo 50, abgesehen von den Bereichen um die beiden Schulstandorte, wo zeitlich unbefristet bzw. werktags von 6 bis 22 Uhr Tempo 30 gilt. Schon heute führt eine Veloroute durch die Walddörferstraße. Sie wurde 1996 als Hamburgs erste Velroute von Wandsbek Markt nach Duvenstedt über Farmsen unter Beteiligung der früheren Fahrradbeauftragten Dagmar Meyer eröffnet. Noch gibt es Wegweiser, die auf die Veloroute in der Walddörferstraße hinweisen. Doch Hamburg unterließ es die Walddörferstraße veloroutengerecht oder radverkehrsgerecht auszubauen.
 

© hamburgize.com / Stefan Warda
Veloroute auf der Walddörferstraße
 
© hamburgize.com / Stefan Warda
Walddörfer Straße / Wandsbeker Allee

Laut Abendblatt sieht die CDU Radfahrer durch die Umgestaltung der Walddörferstraße von einer eher radfahrerunfreundlichen Straße zu einer Fahrradstraße gefährdet.

Die CDU macht wegfallende Parkplätze, eine schlechtere Erreichbarkeit der Gewerbetreibenden und Gefahren für Radler durch Lkw-Verkehr als Negativeffekte aus.

Das Blatt mit den XXL-Buchstaben schreibt überschäumend von Schikane und Irrsinn.

Das Problem: Der Bezirk will die Trasse komplett umbauen - für Hamburgs Radfahrer.

Warum ist es ein Problem, einen autoverkehrsüberoptimierten Straßenraum radverkehrsgerechter umzugestalten? Oder soll gemeint sein, dass die Walddörferstraße zu einem Reservat für Hamburgs Radfahrer umgestaltet wird, in welches sie aus dem restlichen Hamburg vertrieben werden, damit Hamburgs Autofahrer den Klimawandel ungehemmt beschleunigen können? Fest steht, dass die Walddörferstraße derzeit weder eine Kraftfahrzeugstraße, noch eine Autobahn ist. Die zweispurige Straße, auf der überwiegend Tempo 50, im Umfeld der beiden Schulen sogar nur Tempo 30 gilt, führt vornehmlich durch ein Wohngebiet. Einige Gewerbebetriebe sind dort ansässig, aber die Straße vermittelt keinesfalls den Eindruck eines Gewerbegebietes.


Walddörferstraße: Fahrbahnzwang für Radfahrer

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Walddörfer Straße / Wandsbeker Allee: Hier müssen Radfahrer derzeit stadtauswärts auf der Fahrbahn fahren. Es gibt für diese Wegebeziehung keine Radverkehrsanlagen

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Wandsbeker Straße / Wendemuthstraße: Hier müssen Radfahrer derzeit stadtauswärts auf der Fahrbahn fahren. Es gibt für diese Wegebeziehung keine Radverkehrsanlagen


An Autofahrer war schon immer gedacht. Als es in Hamburg bis 1998 noch flächendeckend Radwegbenutzungspflichten gab, durften Radfahrer nicht die Fahrbahn benutzen. Sie waren verpflichtet Radwege oder Gehwege zu befahren. Somit konnte der Autoverkehr ungestört vom Radverkehr fließen.


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Walddörferstraße / Nordmarkweg 2006: Der Fakeradweg in der Dooringzone war noch benutzungspflichtig, aber unbenutzbar

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Walddörferstraße / Nordmarkweg 2016: Der Fakeradweg ist weiterhin unbenutzbar vorhanden

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Walddörferstraße / Lengerckestraße 1991: Radfahrer sollten sich damals auf dem Gehweg gemeinsam mit Fußgängern innerhalb der Dooringzone arrangiereen

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Walddörferstraße / Lengerckestraße 2016: Der Straßenraum ist unverändert, nur müssen heute Radfahrer die Fahrbahn benutzen

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Walddörferstraße zwischen Ölmühlenweg und Hörnumstraße: Der frühere Radweg wurde für noch mehr Stehzeugplätze geopfert. Radfahrer müssen hier heute alternativlos auf der Fahrbahn radeln - trotz Busverkehr und potentieller Lkw-Fahrten

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Walddörferstraße zwischen Ölmühlenweg und Hörnumstraße: Der frühere Radweg wurde für noch mehr Stehzeugplätze geopfert. Radfahrer müssen hier heute alternativlos auf der Fahrbahn radeln - trotz Busverkehr und potentieller Lkw-Fahrten

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Walddörferstraße 210a: Stadteinwärts endet der Radweg wegen einer Fahrbahnaufweitung für die Kreuzung mit der Kedenburgstraße. Eine sichere Aufleitung auf die Fahrbahn ist nicht vorhanden. Die Benutzung des Gehwegs ist nicht erlaubt. Kurz hinter der Kreuzung bei Haus-Nr. 196 beginnt der Radweg wieder, . . .

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. . . erkennbar u.a. am teilweise noch vorhandenen Piktogramm. Der Sicherheit der Radfahrer dient das ständige runter-vom-Radweg-rauf-auf-den Radweg keinesfalls

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Walddörferstraße - Radwegrudimente

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Walddörferstraße - Radwegrudimente



Aufhebung der Gehweg- und Radwegbenutzungspflicht, Umwandlung von Radwegen in Parkplätze

Für die 1996 eingerichtete Veloroute wurden die vorhandenen Radverkehrsanlagen nicht einmal radverkehrsgerecht verbessert. Eher wurde das Gegenteil erreicht. Einige der Radwegabschnitte wurden in legale Parkplätze umgewandelt, vermutlich aus Kapitulation vor Kampfparkern bzw. der in Hamburg fehlenden Kampfparkerüberwachung in Wohngebieten fernab vom Stadtzentrum und den Bezirkszentren. Andere wurden für zusätzliche Abbiegespuren geopfert (z.B. an der Kreuzung mit der Kedenburgstraße). Mit dem Wegfall der Radwegbenutzungspflicht vor etwa zehn Jahren - 2006 waren Geh- und Radwege in der Walddörferstraße noch benutzungspflichtig - hat sich grundsätzlich die Führung des Radverkehrs geändert. Für die meisten Gehwege ist die Benutzungspflicht ersatzlos entfallen. Es gibt nur in ganz wenigen Fällen das Angebot, die vorhandenen Gehwege im Schritttempo zu befahren. Das hängt eindeutig mit der Breite der vorhandenen Gehwege zusammen. Da Stehzeuge auf den Gehwegen fast ausnahmslos erlaubt sind, reicht der verbleibende Verkehrsraum auf dem Gehweg nicht für Fußgänger und Radfahrer aus. Radfahrer könnten auf vielen Gehwegabschnitten nicht einmal einer sich öffnenden Stehzeugetür ausweichen, beim Gehwegradeln  wären Radfahrer also zwangsläufig gefährdet.



Ab in die Walddörferstraße

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Die Walddörferstraße beginnt an der Bezirksgrenze zwischen Hamburg Nord und Wandsbek am Ende der Stormarner Straße. 2016 endet der Radfahrstreifen aus Richtung S-Bahnhof Friedrichsberg unmittelbar an der Grenze

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Vor sechs Jahren noch wurden Radfahrer vom Radfahrstreifen der Stormarner Straße auf einen Fakeradweg in der Walddörferstraße aufgeleitet. Zwar war diese Fakeradweg nicht mehr benutzungspflichtig, aber es war schon dreist, Radfahern so etwas anzubieten

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Offenbar konnten sich die zuständigen Behördenmitarbeiter der beiden Bezirke nicht einig werden, ob Radfahrer in der Walddöferstraße auf einem Radweg oder einem Parkplatz fahren sollten

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Im Bezirk Wandsbek wurde das Parken quasi auf dem Radweg erlaubt, per Verkehrszeichen 315

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An der folgenden Querstraße (Nebendahlstraße) wird die Doppelnutzung des Verkehrsraums weitergführt. Die Wandsbeker meinen wohl besonders schlau zu sein, weil sie aus einem Radweg auch gleichzeitig einen Parkplatz zaubern wollen




"Radwege" und Kampfparker: Schikanen für Radfahrer

Die noch vorhandenen Radwegabschnitte sind nur noch Stückwerk. Sie enden meist abrupt im Nirgendwo. Notwendige Aufleitungen auf die Fahrbahn an den Radwegenden sind fast ausnahmslos Fehlanzeige. Die noch vorhandenen "Radwege" sind fast ausnahmlos wegen erlaubten Parkens unbenutzbar. Auf den "Radwegen" neben den Stehzeugen ist ein erforderlicher Sicherheitsabstand (Dooringgefahr) nicht einzuhalten. In Abschnitten, wo das erlaubte Gehwegparken mit den Radwegen verträglich wäre, wird jedoch überwiegend regelwidrig schräg statt wie angeordnet längs geparkt. Die Kampfparker blockieren dadurch unmittelbar die "Radwege".


Kampfparken in der Walddörferstraße

© hamburgize.com / Stefan Warda

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© hamburgize.com / Stefan Warda

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Walddörferstraße: Das Verkehrszeichen 315 zeigt eindeutig an, dass hier nicht auf dem Radweg geparkt werden dar


Im Endergebnis bedeutet dies: Dem Autoverkehr wurde in der Walddörferstraße in den letzten Jahren Schritt für Schritt noch mehr Platz eingeräumt, ehemals vorhandene Räume für Radfahrer wurden dagegen aufgegeben. Radfahrer müssen heute in der Walddörferstraße wegen mangelnder Überwachung und Überoptimierung zugunsten von Stehzeugen und Autoverkehr ohnehin auf der Fahrbahn fahren, wenn sie sich regelkonform verhalten wollen. Durch die Einrichtung einer Fahrradstraße wären Radfahrer eher weniger gefährdet als heute, da dann auch in weiteren Abschnitten der Walddörferstraße Tempo 30 gelten würde. Von Schikanen für Autofahrer zu reden ist angesichts dieser Entwiclung vollkommen deplaziert. Vielmehr wurden Schikanen für Radfahrer eingerichtet, die Menschen vom Radfahren abhalten - so wie es die große Autofahrerpartei, die Handelskammer und das XXL-Buchstaben-Blatt möchten.



Oberflächen der "Radwege" sind nicht mehr verkehrssicher

Unabhängig vom Verkehrsraum für Radfahrer, der schrittweise eingeschränkt wurde, und den Sicherheitsräumen für Radfahrer auf den vorhandenen "Radwegen" müssten alle "Radwege" in der Walddörferstraße dringenst erneuert werden, wenn sie denn nicht durch andere sicherere Radverkehrsführungen ersetzt werden. Die Oberflächen sind nicht mehr verkehrssicher und müssen dringenst erneuert werden, wenn die "Radwege" nicht alsbald gesperrt werden sollen.



© hamburgize.com / Stefan Warda

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Veloroute soll durch den Wandsepark geführt werden

Wenn in einer Wohngebietsstraße wie der Walddörferstraße Radfahrer keinen Platz bekommen sollen, wo sollen Radfahrer dann in Hamburg überhaupt noch fahren? Handelskammer und CDU sehen Radfahrer lieber im Wandsepark, der parallel zur Walddörferstraße verläuft. Doch lässt sich dort eine Schnellroute für Radfahrer einrichten, auf der Radfahrer ungestört von Erholungssuchenden mit Tempo 20 auf dem Weg zur und von der Arbeit durchrauschen können? Für eine Alltagsveloroute wäre eine ausreichende Breite, eine asphaltierte Oberfläche und eine Beleuchtung im Wandsepark erforderlich. Zudem müssten an den Querstraßen im Verlauf des Grünzuges bequeme und sichere Übergänge eingerichtet werden, an denen Radfahrer schnell vorankommen. Alles andere wäre ggf. ein nettes Angebot für gemütliche Radtouren am Wochenende.



Chancen für den Radverkehr in Hamburg

Die Diskussion um den Radverkehr in der Walddörferstraße zeigt nochmals ganz deutlich, welchen Stellenwert Autoverkehr, Stehzeuge und Radverkehr in Hamburg in manchen Köpfen haben. Für viele steht der Radverkehr an hinterster Stelle, auch wenn die Sicherheit der Radfahrer durch eine Übermenge an Stehzeugplätzen erheblich leidet. Und genau das macht den Unterschied zwischen Hamburg und Kopenhagen oder Städten in den Niederlanden aus. In Kopenhagen genießt die Anlage eines Radweges höhere Priorität als der Platz für Stehzeuge. Nicht Hamburgs Straßen sind zu eng - Kopenhagens Straßen sind zum Teil auch sehr eng, sondern das Denken mancher Mitentscheider engt sehr ein in den Handlungsmöglichkeiten. Der in den 1990er Jahren von der Handelskammer und der Autofahrerpartei orakelte Niedergang des Geschäftsviertels am Grindelhof durch die Einrichtung eines Radfahrstreifens ist nicht eingetreten. Nicht Stehzeuge gehen einkaufen, sondern Menschen. Genau dies belegt das immer wieder angeführte Beispiel Kopenhagen.
 

Bevor in die Feinabstimmung zu einer Fahrradstraße entlang der Walddörferstraße gegangen wird, wird leider versucht das Konzept vollkommen abzuschießen. Doch es muss nicht unbedingt unmöglich sein Radfahrer und Lkw-Verkehr gemeinsam auf einer Fahrradstraße zu führen und auch noch den Buslinenverkehr angemessen zu berücksichtigen. Anlieger werden durch eine Fahrradstraße sicherlich auch nicht vom MIV abgeschnitten, wie behauptet. Das belegen z.B. die seit vielen Jahren in Hamburg bestehenden Fahrradstraßen in der Rutschbahn und der Bornstraße, wo auch Gewerbebetriebe vorhanden sind. Dass Busverkehr in einer Fahrradstraße möglich, das zeigen Beispiele aus Göttingen oder Nijmegen. Der "eRadschnellweg" ist teilweise als Fahrradstraße eingerichtet, durch die auch Buslinienverkehr geführt wird. Auch in Nijmegen fahren Linienbusse durch Fahrradstraßen.


© hamburgize.com / Stefan Warda
Göttingen: Fahrradstraße mit Buslinienverkehr im Verlauf des "eRadschnellweg"

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Göttingen: Fahrradstraße mit Buslinienverkehr im Verlauf des "eRadschnellweg"

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Nijmegen: Fahrradstraße mit Buslinienverkehr

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Nijmegen: Fahrradstraße mit Buslinienverkehr

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Nijmegen: Fahrradstraße mit Buslinienverkehr

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Nijmegen: Fahrradstraße mit Buslinienverkehr

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Nijmegen: Fahrradstraße mit Buslinienverkehr

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Venlo: Radschnellweg "Greenportbikeway" neben einem Gewerbegebiet als Fahrradstraße


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2006 Gehwegradelzwang

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2016 Fahrbahnradelzwang bei Tempo 50 (30)

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2018 Fahrradstraße?





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