30. August 2020

Momentaufnahme in der "Fahrradstadt" Hamburg: Umbau der Veloroute 3 in der Stresemannallee

Hamburg: New design for old cycle route in Lokstedt

Aktualisiert am 31.08.2020
Veloroute 3, Stresemannallee: Baustelle - © Stefan Warda

Entwicklung der Veloroute 3: Schutzstreifen statt Zweirichtungsradweg für die Stresemannallee

Hamburgs älteste Veloroute, die Veloroute 3, erhält derzeit in Lokstedt ein neues Design. Seit ihrer Eröffnung im September 2001 wurden Radfahrende entlang der Stresemannallee auf einem einseitigen Zweirichtungsradweg geführt. Anfangs galt noch die Verpflichtung, den Radweg in beide Richtungen zu benutzen. Später dann wurde die Radwegbenutzungspflicht aufgehoben. Auf dem Zweirichtungsradweg waren Radfahrende mit zahlreichen Konflikten konfrontiert: An zwei Stellen waren Wertstoffcontainer aufgestellt. Im Umfeld lagen entsprechend Glasscherben auf dem Radweg. Zudem wurde der Radweg bei der Anlieferung der Wertstoffe von Stehzeugen genutzt. Desweiteren gab es von Anfang an erhebliche Konflikte mit Stehzeugen. Im nördlichsten Abschnitt der Stresemannallee teilt sich der Zweirichtungsradweg in zwei schmale nur ein Meter breite Streifchen. Genau dazwischen waren Plätze für Stehzeuge ausgewiesen. Radfahrende sollten also in beide Richtungen jeweils unmittelbar im Dooringbereich radeln. Aber auch der restliche Teil des 2,3 Meter breiten Zweirichtungsradegs war nicht efahrlos befahrbar. Denn unmittelbar neben dem Radweg waren Plätze für Stehzeuge ausgewiesen. Radfahrende, die in Fahrtrichtung Norden (stadtauswärts) unterwegs waren und den notwendigen Sicherheitsabstand zu den Stehzeugen einhalten wollten, um der Dooringgefahr entgegenzuwirken, fuhren auf Kollisionskurs mit dem entgegenkommenden Radverkehr. Der Radweg wäre nur dann halbwegs konfliktfrei benutzbar gewesen, wenn keine Plätze für Stehzeuge am Radwegrand ausgewiesen gewesen wären. Ganz besonders kritisch war es allerdings im Bereich zwischen der Gärtnerei und dem Lebensmittelmarkt, weil dort zusätzlich auch noch in zweiter Reihe halb auf dem Radweg wildgeparkt wurde - leider jahnrzehntelang geduldet. Radfahrende hätten dort eingerahmt von zwei Reihen Stehzeugen den Radweg befahren müssen, ohne dass sie zur rechten oder zur linken Seite ausreichend Dooringabstand hätten einhalten können. Für Radgegenverkehr war dort kein Platz mehr unter Wahrung der notwendigen Abstände.


Veloroute 3, Stresemannallee: Links gstattete Stehzeugplätze, rechts jahrzehntelang dauerhaft geduldetes Wildparken am bisherigen Zweirichtungsradweg - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: Der frühere Zweirichtungsradweg, links die dauerhaft geduldeten Wildparkenden. Ein ausreichender Abstand zu den Autotüren zur Abwendung des Dooring bei gleichzeitigem Gegenverkehr war absolut unmöglich - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: Der bislang noch vorhandene Zweirichtungsradwegabschnitt während der Bauarbeiten - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: Baustelle mit Rest des Zweirichtungsradwegs - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: Situation im Jahr 2009 - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee, Situation 1999 bei damals benutzungspflichtigem Zweirichtungsradweg - © Stefan Warda
Veloroute 3, Stresemannallee, Situation 1999 bei damals benutzungspflichtigem Zweirichtungsradweg - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: 1999 war der Zweirichtungsradweg (mit den Wildparkenden) noch in beide Richtungen benutzungspflichtig - © Stefan Warda



Schon bei der Eröffnungsfahrt vor neunzehn Jahren war der damals noch benutzungspflichtige Radweg in Teilen unbenutzbar durch unterlassene Grünpflege. Der Mangel an Grünpflege blieb bis zum jetzigen Umbau bestehen.


Veloroute 3, Stresemannallee: Im nördlichen Abschnitt der Straße teilt sich der Zweirichtungsradweg in zwei ein Meter schmale Hälften, die durch Bäume und unverträglich angeordnete Stehzeugplätze (Dooringzone) getrennt sind. Die Grünpflege hat dort seit der Eröffnung der Veloroute noch nie funktioniert - © Stefan Warda


"Fahrradstadt" Hamburg: Gefährdungsstreifen sollen Autofahrende und andere zum Umstieg auf das Rad bewegen

Mit dem Umbau entfällt der Zweirichtungsradweg. Stattdessen wird es beidseitig eher unscheinbare Schutzstreifen geben. Noch ist der Umbau nicht abgeschlossen. Die Straße ist derzeit eine Sackgasse, der Radverkehr im Verlauf der Veloroute wird umgeleitet. Erst mit der Freigabe der gesamten Baumaßnahme erhält das neue Konzept die Möglichkeit sich ggf. zu bewähren.




Der jetzige Straßenquerschnitt soll demnach das beste Mittel sein, welches die "Fahrradstadt" Hamburg im 21. Jahrhundert aufzubeiten hat, um den Radverkehrsanteil weiterhin deutlich anzuheben und Autofahrende und andere zum Umstieg auf das Rad zu bewegen. Ob das gelingen wird? Die neuen Schutzstreifen bieten jedenfalls beste Voraussetzungen, um von rücksichtslosen Autofahrenden ohne den notwendigen Seitenabstand von 1,5 bis zwei Metern selbst bei Gegenverkehr eng überholt zu werden. Rückblickend auf 21 Jahre Veloroute 3 waren die verantwortlichen Behörden bislang konsequent inkonsequent: Es wurde jeweils der Versuch unternommen, eine möglichst autoverkehrsgerechte, aber keine radverkehrsgerechte Veloroute einzurichten.


Veloroute 3, Stresemannallee: Vor Umbau mit einseitigem Zweirichtungsradweg neben Stehzeugen und Wertstoffcontainern - © Stefan Warda

Veloroute 3. Stresemannallee, nach Umbau mit beidseitig angelegten "Schutzstreifen" neben Stehzeugen und Wertstoffcontainern - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: Nach Umbau mit "Schutzstreifen" - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: So fährt es sich mit Anhänger oder auch Cargobike - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: Der "Schutzstreifen hat eine Breite von ca 1,34 Metern - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: Schutzstreifenbreite 1,34 Meter - © Stefan Warda

Veloroute 3, Stresemannallee: Der "Schutzstreifen" hat inklusive der Sicherheitsstreifens zu den Stehzeugen eine Breite von 1,8 Metern - © Stefan Warda


Während die Schutzstreifen in der Stresemannstraße eher zurückhaltend und unauffällig gehalten sind, werden in den Niederlanden Schutzstreifen mittlerweile sehr deutlich hervorgehoben. Die unterschiedlichen Planungsrichtlinien lassen dies zu. Zumindest signalisieren die in den Niederlanden farblich hervorgehobenen und breiteren Schutzstreifen den Radfahrenden mehr Platz im Straßenraum, in dem sich Autofahrende unterordnen müssen. In Utrecht wurde vor wenigen Jahren eine Straße entlang des Wallgrabens (Tolsteegsingel, Maliesingel) um die Innenstadt umgebaut. Die Fahrbahnbreite wurde reduziert, Schutzstreifen jedoch beibehalten und deutlich hervorgehoben. Seit dem Umbau ist das Engüberholtwerden bei Gegenverkehr nicht mehr möglich.


Schutzstreifen früher und heute in den Niederlanden

Utrecht, Tolsteegsingel: Vor Umbau - © Stefan Warda

Utrecht, Tolsteegsingel: Nach Umbau - © Stefan Warda

Utrecht, Tolsteegsingel: Vor Umbau - © Stefan Warda

Utrecht, Tolsteegsingel: Nach Umbau - © Stefan Warda

Utrecht, Maliesingel: Vor Umbau - © Stefan Warda

Utrecht, Maliesingel: Nach Umbau - © Stefan Warda

Utrecht, Maliesingel: Nach Umbau - © Stefan Warda

Utrecht, Maliesingel: Nach Umbau - © Stefan Warda



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