20. November 2016

Onlinedialog in Kopenhagen: 10.000 Bürgervorschläge sollen in Radwegeprioritätsplan 2017-2025 einfließen

Kopenhagen: 10,000 inputs from citizens for future cycle track priority plan
Aktualisiert am 21.11.2016

Kopenhagen, Søtorvet - © Stefan Warda


Für den zukünftigen Radwegeprioritätsplan 2017-2025 will die Stadt Kopenhagen Vorschläge aus rund 10.000 Bürgerzuschriften berücksichtigen.
City of Copenhagen proofs around 10,000 inputs from citizens for future cykle track priority plan 2017-2025.

Kopenhagens Bürger haben in einem Onlinedialogverfahren rund 10.000 Verbesserungsvorschläge an die für den Radverkehr zuständige Technikverwaltung gesendet. Die Vorschläge betreffen u.a. die Neuanlage von Radwegen, die Verbreiterung vorhandener Radwege, sowie Optimierung von Ampelanlagen an stauanfälligen Radwegen. Die Technikverwaltung will nun die Bürgereingaben mit Stellungnahmen des Radfahrerverbands und eigener Untersuchungen abgleichen. Die Zusammenfassung aller Ergebnisse soll in den Radwegepriorätsplan einfließen, der im kommenden Frühjahr den Politikern als Beschlußvorlage vorgestellt werden soll.



 

Neue Radwege

Unter den Vorschlägen für die Neuanlage von Radwegen wurden u.a. Kvægtorvsgade, Mimersgade, Strandboulevarden und Tietgensgade genannt.


Tietgensgade / Kvægtorvsgade

Kopenhagen, Tietgensgade / Ingerslevsgade: Ende des Radwegs aus Richtung Tietgensbro. Bürger wünschen sich eine Verlängerung bis Halmtorvet - © Stefan Warda

Kopenhagen, Tietgensgade / Kvægtorvsgade - © Stefan Warda

Kopenhagen, Tietgensgade / DGI-Byen: Neue Radwege würden den Wegfall von Stehzeugeplätzen bedeuten - © Stefan Warda


Verbreiterung vorhandener Radwege

Unter den Vorschlägen für eine Verbreiterung von Radwegen wurden u.a. folgende Straßen genannt:

Gothersgade, Nørrebrogade und Vesterbrogade haben in den letzten Jahren schon abschnittsweise breitere Radwege erhalten, sodass dort seitdem drei- bis vierspuriges Radfahren möglich ist. Für sechs hochbelastete Straßenkorridore hatte die Stadt Kopenhagen letztes Jahr ein Gutachten erstellen lassen. Gegenstand der Untersuchung waren die Korridore Torvegade / Knippelsbro (44.400 Radfahrer), H. C. Andersens Boulevard / Jarmersplads (24.700 Radfahrer), Jagtvejkorridor (21.200 Radfahrer), Korridor Tagensvej / Fredensbro (20.100 Radfahrer), Vesterbrogade (15.700 Radfahrer) und Nørregade (12.300 Radfahrer). Vor allem entlang der Torvegade kann es in der Hauptverkehrszeit zu langen Radlerpulks kommen. Zum Vergleich: Hamburgs Zählstelle an der Außenalster passieren bis zu 11.000 Radfahrer am Tag.

 

Amagerbrogade

Kopenhagen, Amagerbrogade: Bis 2018 soll die geplante Straßenumgestaltung abgeschlossen sein. Zukünftig sollen die Radwege statt 2,2 Meter bis zu drei Meter breit sein, um dreispuriges Radfahren zu ermöglichen - © Stefan Warda

 

Bremerholm 

Kopenhagen, Bremerholm: Bis vor drei Jahren war die Straße eine Einbahnstraße ohne jegliche Radverkehrsanlagen. Seit dem Umbau gibt es weniger Fahrspuren, dafür auf beiden Seiten Radfahrstreifen oder Radwege, die Radfahrern das Befahren der Straße in beide Richtungen ermöglichen - © Stefan Warda

 

Kopenhagen, Bremerholm: Trotz des 2014 neu hinzugewonnenen Raums für den Radverkehr wünschen sich Radfahrer eine Verbreiterung der Radwege - © Stefan Warda

Frederiksborggade

 
Kopenhagen, Frederiksborggade: Die notwendige Verbreiterung dieses Radwegs würde zum Nachteil der Bäume oder der Abstellmöglichkeiten auf dem Gehweg führen - © Stefan Warda

 

Kopenhagen, Frederiksborggade: Sowohl für Fußgänger, als auch für Radfahrer ist die heutige Situation unbefriedigend - © Stefan Warda

Kopenhagen, Frederiksborggade / Nørre Farimagsgade - © Stefan Warda

Gothersgade

Kopenhagen, Gothersgade / Kongens Have: Dieser Radwegabschnitt soll noch verbreitert werden - © Stefan Warda

 

Kopenhagen, Gothersgade / Botanisk Have: Dieser Radwegabschnitt ist schon verbreitert worden - © Stefan Warda

 

Kopenhagen, Gothersgade / Nansensgade: Dieser Radwegabschnitt ist schon verbreitert worden - © Stefan Warda

 

Hans Christian Andersens Boulevard

Kopenhagen, Hans Christian Andersens Boulevard - © Stefan Warda

 

 Jagtvej

Jagtvej / Assistens Kirkegård: Der Jagtvej-Straßenkorridor wurde bezüglich Radwegeverbreiterungen letztes Jahr gutachterlich untersucht - © Stefan Warda

 

Nørrebrogade

Kopenhagen, Nørrebrogade: Der Nordast vor dem Umbau - © Stefan Warda


Kopenhagen, Nørrebrogade: Der Nordast vor dem Umbau - © Stefan Warda


Kopenhagen, Nørrebrogade: Die im nördlichen Ast bis letztes Jahr verbreiterten Radwege - © Stefan Warda



Nyhavn
 

Kopenhagen, Nyhavn: Vor der Umgestaltung ohne Radweg - © Stefan Warda


Kopenhagen, Nyhavn: Seit der Umgestaltung für den Anschluß an die neue Inderhavnsbroen gibt es einen Radweg entgegen der Einbahnrichtung. Dafür wurden Stehzeugflächen geopfert. Dennoch steht dieser neue Radweg in der Kritik der Radfahrer - © Stefan Warda

Kopenhagen, Nyhavn: Vor der Ummarkierung viel Platz für Stehzeuge - © Stefan Warda


Kopenhagen Nyhavn: Nach der Ummarkierung mehr Platz für Radfahrer - © Stefan Warda


 Østerbrogade

Kopenhagen, Østerbrogade: Auch für diesen Straßenzug wird eine Radwegeverbreiterung gewünscht - © Stefan Warda

 

 Stormgade

Kopenhagen, Stormgade: Vor dem Umbau 2010 gab es vier Fahrspuren und keine Radverkehrsanlagen - © Stefan Warda


Kopenhagen, Stormgade: Nach dem Umbau 2010 gab es beidseitig Radwege und nur noch drei Fahrspuren - © Stefan Warda


Kopenhagen, Sormgade / Vester Voldgade: Vor dem Umbau 2010 - © Stefan Warda


Kopenhagen, Stormgade / Vester Voldgade: Nach dem Umbau 2010 - © Stefan Warda


Kopenhagen, Stormgade / Vester Voldgade: Vor dem Umbau 2010 - © Stefan Warda


Kopenhagen, Stormgade / Vester Voldgade: Nach dem Umbau 2010 - © Stefan Warda


Kopenhagen, Stormgade / Hans Christian Andersens Boulevard: Vor dem Umbau 2010 - © Stefan Warda


Kopenhagen, Stormgade / Hans Christian Andersens Boulevard: Nach dem Umbau 2010 - © Stefan Warda

 

 Tietgensgade

Kopenhagen, Tietgensgade: Radwegeverbreiterung gewünscht - © Stefan Warda

Torvegade

Kopenhagen, Torvegade: Derzeit je Fahrtrichtung ein Radweg, eine Busspur, eine Spur für den MIV - © Stefan Warda


Vesterbrogade

Kopenhagen, Vesterbrogade / Trommesalen: Vor dem Umbau 2014 - © Stefan Warda

Kopenhagen, Vesterbrogade / Trommesalen: Nach dem Umbau 2014 - © Stefan Warda

Kopenhagen, Vesterbrogade / Viktoriagade: Nach dem Umbau 2014 - © Stefan Warda

Kopenhagen, Vesterbrogade / Viktoriagade: Nach dem Umbau 2014 - © Stefan Warda

Kopenhagen, Vesterbrogade / Bagerstræde: Dieser Straßenabschnitt soll noch umgestaltet werden - © Stefan Warda

 

In der Nachbarkommune Frederiksberg wurden die Radwege des Gammel Kongevej als zu eng benannt. Dort sind die Radwege eindeutig schmaler als das in Kopenhagen übliche Standardmaß von 2,2 Metern und schon seit vielen Jahren der Radverkehrsbelastung nicht mehr gewachsen.

 

Frederiksberg, Gammel Kongevej

Frederiksberg, Gammel Kongevej - © Stefan Warda

Frederiksberg, Gammel Kongevej - © Stefan Warda

 

 

Radverkehrsgerechtere Ampelschaltungen

Für einen gleichmäßigeren Radverkehrsfluss mit weniger Staus wurden zahlreiche Ampelkreuzungen benannt, u.a.:
  • Søtorvet
  • Tietgensgade / H. C. Andersens Boulevard
  • Torvegade


Kopenhagen, Dronning Louises Bro / Søtorvet: An dieser Kreuzung müssen Radfahrer morgens in der Hauptverkehrszeit zum Teil zwei Rotphasen abwarten, bis sie über die kreuzung kommen - © Stefan Warda



Kopenhagens Radverkehrsförderung geht zulasten des MIV

Die endgültige Entscheidung für die Aufnahme der jeweiligen Strecken für Radwegeneubau, Radwegeausbau und Ampeloptmierungen in den Radwegeprioritätsplan wird sicherlich mit Spannung erwartet. Schon die bisherigen Straßenumgestaltungen zur Einbettung neuer oder breiterer Radwege waren sehr ambitioniert. Deutsche Kommunen, Bürgermeister und Lokalpolitiker sollten sich ein Beispiel daran nehmen. Gerne erzählen deutsche Amtsleiter und Politiker das Märchen von den überaus breiten Straßen in Kopenhagen, die den Bau besserer Radwege als in Deutschland ermöglichten. Dabei sind die Straßen Kopenhagens nicht breiter, sondern in Kopenhagen werden andere Prioritäten gesetzt: Weniger Flächen für Stehzeuge, weniger Fahrspuren, mehr und breitere echte Radwege.

Auch Kopenhagens Straßen sind relativ eng, zum Teil sogar sehr eng. Insbesondere das Beispiel um den Einbau von Radwegen in der Stormgarde im Jahr 2010 zeigt, dass auch in Kopenhagen der MIV Flächen abtreten muss, wenn der Radverkehr gefördert werden soll. Von zuvor vier Fahrspuren ohne Radverkehrsanlagen wurde damals eine Fahrspur aufgelöst, dafür je Fahrtrichtung ein Radweg angelegt. Heute wünschen sich die Bürger eine Verbreiterung dieser Radwege. Wird die Stadt Kopenhagen diesem Wunsch entsprechen? Wie würde der zukünftige Straßenquerschnitt bei noch breiteren Radwegen aussehen? Schon vor dem Umbau 2010 staute sich der Verkehr in der Stormgarde weite bis zur Schloßkirche in der Vindebrogade zurück. Durch den Umbau hat sich die Situation für den MIV nicht vereinfacht. Radfahrer können jedoch in der Hauptverkehrszeit relativ bequem am Stau vorbeifahren. Immerhin könnte die im Bau befindliche Ringlinie der Metro eine Entlastung für die Stormgade schaffen. Die zukünftige Metrolinie würde einige der Buslinien entlasten, die derzeit noch gebündelt durch die Stormgade geführt werden und durch den alltäglichen Stau betroffen sind.

Auch der Fall des Bremerholm-Umbaus zeigt, dass neue Radverkehrsinfrastruktur angenommen wird. Noch vor drei Jahren gab es in der Einbahnstraße keinerlei Radverkehrsanlagen. Seit dem Umbau hat die Straße für beide Fahrtrichtungen Radwege oder Radfahrstreifen. Der MIV musste Flächen abtreten. Auch für Bremerhom wurde nun eine Radwegeverbreiterung gewünscht.

Die Bemühungen um den Ausbau Kopenhagens zu einer der weltbesten Fahrradstädte würden von manchen deutschen Politikern oder Lobbyisten - sei es derzeit in Berlin, oder ansonsten auch in Hamburg - sicherlich mit Bevormundung, Fahrradwahn, Ideologisierung oder Schikanierung beschimpft. Wer das Radfahren jedoch ernsthaft fördern will, muss Flächen des MIV dem Radverkehr zuführen, damit die Bürger gerne Fahrrad fahren. Die Straßenräume sind endlich.




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19. November 2016

Norderstedt: Vorerst doch keine Gebührengleichheit beim Parken

Norderstedt: For now no charge equalization for parking cars and cycles


© Stefan Warda


Keine Mehrheit für Parkraumbewirtschaftungskonzept in Norderstedts Verkehrsausschuss

Laut eines Berichts des Abendblatts fand sich in dieser Woche doch keine Mehrheit für das in Norderstedt ausgearbeitete Parkraumbewirtschaftungskonzept. Stattdessen soll nun eine Parkscheibenregelung entwickelt werden, die das Dauerparken unterbinden soll. Welche Regelung für die P+R-Anlagen getroffen werden soll, blieb wohl offen.

Radfahrer müssen jedoch weiterhin für das Parken in der Radstation Gebühren entrichten. Eine Parkscheibenregelung für die Radstation stand nicht zur Debatte.


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18. November 2016

Hamburg-Harburg: Velorouten 10 und 11 sollen 2017 wegen Abriss der Hannoverschen Brücke unterbrochen werden

Hamburg-Harburg: Cycle routes to be interrupted due to demolition of Hannoversche Brücke in 2017
Aktualisiert um 11:11 Uhr

Velorouten 10 und 11, Hannoversche Brücke - © Stefan Warda


Laut eines Berichts des Abendblatts sollen im nächsten Jahr die Velorouten 10 und 11 in Harburg unterbrochen werden. Die baufällige Hannoversche Brücke soll frühestens im zweiten Halbjahr abgebrochen werden. Zwar soll zuvor eine Behelfsbrücke aufgebaut werden. Diese soll laut dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) aber eine reine Fußgängerbrücke werden und dem Radverkehr nicht zur Verfügung stehen. Somit wären die Velorouten 10 und 11 zwischen Wilhelmsburg und Harburg Zentrum unterbrochen.

Die Brücke ist nur für Fußgänger geeignet, denn sie wird an der schmalsten Stelle nur 2,20 Meter breit sein. Fahrradfahrer können die Brücke passieren, wenn sie ihr Rad schieben.


Velorouten 10 und 11, Hannoversche Straße: Baustelle - © Stefan Warda

Velorouten 10 und 11, Hannoversche Straße / Seevestraße: Baustelle - © Stefan Warda


Als Umfahrungen würden sich eine östliche Route über Walter-Dudek-Brücke, Schlachthofstaße und Neuländer Straße anbieten, sowie eine westliche Umfahrung über Seevestraße, Karnapp, der Unterfühung unter der Buxtehuder Straße und Neue Straße.



Abriss der Hannoverschen Brücke im nächsten Jahr: Alternative Ausweichrouten für die Velorouten 10 und 11 orange dargestellt

 

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15. November 2016

2 Räder - 200 Jahre: Mannheim feiert 200 Jahre Fahrrad

2 wheels - 200 years: Mannheim presents 200 years of cycling





Das Technoseum in Mannheim startete am 11. November die Ausstellung "2 Räder - 200 Jahre"

Die Große Landesausstellung „2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades“ im TECHNOSEUM zeichnet die technische Entwicklungsgeschichte des Fahrrades ebenso nach wie seine gesellschaftliche Rolle und Relevanz im Wandel der Zeit. Gezeigt werden auf einer 800 Quadratmeter großen Sonderausstellungsfläche knapp 100 Fahrräder – vom frühen Laufmaschinenmodell bis zum Singlespeed, das heute trendig ist. Deutlich wird am Ende: Das Fahrrad ist eine genial einfache und dabei höchst energieeffiziente und umweltfreundliche Konstruktion.

„Das Fahrrad wird auch dann noch ein wichtiges Fortbewegungsmittel sein, wenn das Auto mit Verbrennungsmotor längst ausgedient hat“, so Dr. Thomas Kosche, Projektleiter der Ausstellung, bei der Präsentation.  „Auch abseits der Wohlstandsregionen ist das Fahrrad erschwinglich, effizient und benötigt zudem keinen Treibstoff, dessen Preis schwankt und dessen Verfügbarkeit begrenzt ist.“ Durch die chronologisch angelegte Schau führt ein in bunten Farben gehaltener Pfad. „Der Rundgang ist einem Fahrradweg nachempfunden, der gewunden ist. Das spiegelt die Entwicklung wider, denn auch die Geschichte des Fahrrades ist alles andere als geradlinig verlaufen“, sagte Rebecca Schröder  von res d Design und Architektur GmbH, die die Gestaltung der Ausstellung übernommen hat.


Bildquelle: Technoseum, Mannheim


Geschichte mit vielen Wendungen

So verkaufte Drais zu seinen Lebzeiten nur wenige Exemplare der Laufmaschine. Erst rund 50 Jahre später gewann die Weiterentwicklung des Fahrrades mit dem Tretkurbel-Velociped wieder an Fahrt, es wurde im Zuge der Weltausstellung 1867 in Paris zum Verkaufsschlager. Da sich das Gefährt nur schwerfällig und langsam fahren ließ, vergrößerte man sukzessive den Durchmesser des Vorderrades. Beim in den 1870er und 80er Jahren populären Hochrad betrug er schließlich um die anderthalb Meter – damit ließ es sich zwar flott vorankommen, doch auch die Gefahr schwerer Stürze war groß. Es folgte das Sicherheitsniederrad, bei dem der Schwerpunkt tiefer und weiter hinten lag. Zwei gleich große Räder und die Übersetzung der Kurbeldrehung mit einer Kette auf das Hinterrad garantierten eine sichere und schnelle Fahrt. Mit diesem Modell war die Fahrradform gefunden, die bis heute zum Einsatz kommt.



 

Spielzeug, Massenartikel und Mode-Accessoire

Nach 1900 wurde das Fahrrad zu einem Verkehrsmittel für die breite Bevölkerung: Anfangs noch ein Spielzeug des Adels und des gehobenen Bürgertums, machte es als Massenprodukt um die Jahrhundertwende die Arbeiterschaft mobil und beflügelte die Frauenbewegung. Mit dem Boom von Autos und Motorrädern ab den 1950er Jahren kam das Fahrrad wieder aus der Mode, erst in den letzten Jahrzehnten gab es eine Renaissance: In westlichen Metropolen ist das Fahrrad derzeit nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Ausdruck eines Lebensgefühls und modisches Accessoire.

Schläuche flicken und Draisinen reiten

An interaktiven Stationen können die Besucherinnen und Besucher herausfinden, wie Übersetzung und Lenkung funktionieren und wie Kerzen- und Karbidlampen sowie die elektrische Beleuchtung an einem Fahrrad arbeiten. Diverse Fahrradmodelle stehen bereit, die die Besucher ausprobieren können – so darf man beispielsweise auf einem Hochrad Probe sitzen, mit dem Nachbau einer Drais’schen Laufmaschine eine Runde drehen oder Fahrräder mit Hartgummi- bzw. Luftbereifung testen. In einer Werkstatt inmitten der Ausstellung gibt es zudem konkrete Tipps, wie man beispielsweise einen Reifen flickt, die Bremse richtig einstellt oder die Kette korrekt ölt. Denn schließlich soll die Ausstellung die Besucher auch inspirieren, sich öfter selbst in den Sattel zu schwingen und dieses ebenso einfache wie geniale Verkehrsmittel zu nutzen.

Volles Programm rund ums Rad

Begleitend zur Ausstellung gibt es ein reichhaltiges Rahmenprogramm unter anderem mit einer Podiumsdiskussion zur Fahrradfreundlichkeit in Mannheim, mit Vorträgen etwa zur Bedeutung des Fahrrades für die Frauenbewegung oder mit dem Bericht eines Globetrotters, der über 150 Länder mit dem Rad bereist hat. Es werden Führungen auf Deutsch, Englisch und Französisch sowie für Hör- und Sehgeschädigte angeboten. Darüber hinaus gibt es einen Erfinderwettbewerb zur Mobilität der Zukunft, und in den Weihnachtsferien können junge und erwachsene Tüftler aus Fahrradkomponenten individuelle Lampen konstruieren. Das Cinema Quadrat in Mannheim widmet dem Fahrrad eine Filmreihe, bei der ein Klassiker wie „Tatis Schützenfest“ ebenso gezeigt wird wie der Animationsfilm „Das große Rennen von Belleville“. Zur Ausstellung erscheint ein 322-seitiger Katalog, der im Buchhandel für 29,95 Euro erhältlich ist (ISBN 978-3-8062-3374-2). Während der Laufzeit der Ausstellung kann man ihn vergünstigt für 24,95 Euro im Museumsshop des TECHNOSEUM kaufen.






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Wirtschaftsstandort Innenstadt: Hamburgs Handelskammer möchte den autoverkehrsgerechten Radverkehr

Hamburg: Chamber of Commerce wants car-friendly cycling
Aktualisiert am 19.11.2016

Willy-Brandt-Straße / Meßberg - © Stefan Warda

Vision Willy-Brandt-Tunnel

Hamburgs Handelskammer hatte vor wenigen Wochen ein Standpunktepapier vorgestellt, mit dem sie Einfluss auf Hamburgs Innenstadtentwicklung nehmen möchte. Spektakulärster Vorschlag aus dem Papier ist die Verlegung des Autoverkehrs im Verlauf der Willy-Brandt-Straße in einen Tunnel. Zwischen Rödingsmarkt / Hopfenmarkt und Deichtorplatz / Amsinckstraße soll ein 1,3 Kilometer langer Tunnel den Durchgangsverkehr aufnehmen. Im Tunnel soll es zwei signalgestützte Kreuzungen geben, die Verknüpfungen zum Wallringtunnel und zum Dovenfleet herstellen. Ein Tunnelmund soll im Dovenfleet zwischen Brandstwiete und Meßberg liegen, der andere in der Willy-Brandt-Straße zwischen Kleiner Burstah und Rödingsmarkt, im Osten soll der dritte Tunnelmund in der Amsinckstraße unter den Bahngleisen liegen. Unterirdische Verkehrsknoten sollen unter dem Deichtorplatz und unter dem Meßberg entstehen. Die Handelskammer forderte den Senat auf basierend auf dieser kühnen Idee ein verkehrliches Gutachten über die Machbarkeit eines Willy-Brandt-Tunnels in Auftrag zu geben. Gleichwohl räumte sie ein, dass die vorgeschlagene Tunnelvariante weniger leistungsfähig sei als die heutige bestehende Verkehrsführung.

Für den Bereich rund um die Ludwig-Erhard-Straße soll die Zäsur durch die breite Straße aus Sicht der Handelskammer bestehen bleiben. Aus städtebaulicher Sicht stellt die Ost-West-Verbindung dort eine ähnliche Katastrophe wie die Willy-Brandt-Straße dar.

Aus Sicht der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation wurden Bedenken am Handelskammer-Projekt geäußert. Staatsrat Andreas Rieckhof äußerte sich gegenüber dem NDR kritisch zu den geplanten Ampelkreuzungen im Tunnel.
In einem Tunnel muss alles vermieden werden, was zu einer erhöhten Unfallgefahr führt.

Die Handelskammer fürchtet die Konkurrenz des geplanten großen Geschäftszentrums am Überseequartier in der Hafencity für die bestehenden Geschäfte in der Innenstadt. Mit dem vorgeschlagenen Willy-Brandt-Tunnel soll den Besuchern der neuen Shoppingwelt im Überseequartier der Weg in die Geschäfte der Innenstadt erleichtert werden, indem die Trennung zwischen Hafencity und Mönckebergstraße aufgehoben würde. Die Handelskammer glaubt mit den Grundstücksverkäufen über dem geplanten Tunnel das aufwendige Projekt gegenfinanzieren zu können.


Rasende Radfahrer auf der Mönckebergstraße?

Die Handelskammer fordert die Erreichbarkeit der Innenstadt für Radfahrer zu verbessern. Jedoch müsse sich der Radverkehr dem MIV unterordnen.
Bei einem weiteren Ausbau der Radverkehrswege kommt es darauf an, dass die Belange des Wirtschafts- und des motorisierten Individualverkehrs nicht beeinträchtigt werden. Dazu gehört, dass alle Mobilitätsteilnehmer stets mit einbezogen werden und mit der Stadt Hamburg eine Vereinbarung mit verbindlichen Grundsätzen für die Radverkehrspolitik schließen.
Kritisch äußert sich die Handelskammer zur Kommunaltrasse in der Mönckebergstraße. In letzter Zeit habe die Zahl der Radfahrer deutlich zugenommen, die schneller als mit dem zugelassenem Tempo 25 durch die Mönckebergstraße gen Rathaus fahren würden. Fußgängern würde dadurch das Queren der Einkaufsstraße erschwert.


Velorouten 7 / 8, Mönckebergstraße - © Stefan Warda



Umgehungsrouten für die Mönckebergstraße

Die Handelskammer schlägt deshalb vor, attraktive Parallelrouten zu entwickeln, damit die Mönckebergstraße vom Radverkehr entlastet werden könnte. Dazu empfiehlt die Handelskammer drei Routen: Ballindamm, Steinstraße und eine Route durchs Kontorhausviertel über den Straßenzug Große Reichenstraße – Kleine Reichenstraße – Hopfensack – Klingberg – Pumpen – Burchardstraße – Deichtorplatz. Beim Ausbau der Entlastungsrouten sollen die Interessen der Fußgänger, des Wirtschaftsverkehrs und des restlichen MIV berücksichtigt werden
Bei der Verbesserung der Erreichbarkeit im Radverkehr müssen die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden – die der Pkw-Kunden, des Wirtschaftsverkehrs und der Fußgänger.
Im Verlauf der drei Parallelrouten, die für den Radverkehr ausgebaut werden sollen, soll allerdings die Zahl der Stellplätze einschließlich der Kurzzeitparkplätze vollumfänglich erhalten bleiben.
Zudem sollen die Fakeradwege in der Steinstraße erhalten bleiben, die jedoch nur rudimentär vorhanden sind und erheblich im Konfikt mit dem Fußgängerverkehr stehen.


Bestehende Velorouten sind schwarz dargestellt, darunter die Mönckebergstraße als Strichlinie. Die von der Handelskammer vorgeschlagenen Ausweichstrecken zur Mönckebergstraße sind rot dargestellt.


Kritik am unsichtbarem Radweg am Jungfernstieg

Kritik übt die Handelskammer an den vor zehn Jahren eingerichteten unsichtbaren "Radwegen" rund um den Jungfernstieg, die zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern führen. Eine für Fußgänger und Radfahrer leicht erkennbare pragmatische Lösung sei zur Lösung des Konflikts zu finden. Daraus kann gefolgert werden, dass dort Radfahrstreifen angelegt werden sollten, die die bestmögliche Trennung zwischen Fußgängern und Radfahrern ermöglichen.


Velorouten 3 /4, Jungfernstieg: Regelwidriges Verhalten auf dem Design-"Radweg" - © Stefan Warda


Fahrradstation

Für den Hauptbahnhof fordert die Handelskammer eine Fahrradstation. Bei Erfolg dieser Station könnte auch der Bahnhof Dammtor mit einer Fahrradstation ergänzt werden, so die Handelskammer.


Nijmegen, eines von mehreren Fahrradparkhäusern am dortigen Bahnhof - © Stefan Warda


Außengastronomie am Steintorwall

Ein besonderes Schmankerl hat sich die Handelskammer für den Steintorwall am Hauptbahnhof ausgedacht. Außengastronomie soll den Bereich um den Hauptbahnhof beleben. Als geeignet sieht die Handelskammer den Bereich um die jetzige Bahnhofsmission. Umso mehr müsste dann an eine andere Radverkehrsführung gedacht werden, denn auch entlang des Hauptbahnhofs im Verlauf von Steintorwall und Glockengießerwall hatte Hamburg unsichtbare "Radwege" anlegen lassen, die zu dauerhaften Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern und regelwidrigem Verhalten führen. Dauerkonfliktpunkt ist die Querung des Fußgängerstroms von der Wandelhalle zur Spitalerstraße über die beiden Radwege. Radfahrer haben dort höchstens bei Nacht freie Fahrt, denn ansonsten stellen sich wartende Fußgänger auf die unsichtbaren Design-"Radwege".


Steintorwall / Hauptahnhof: Entlang des Bahngebäudes soll Außengastronomie den Fußgängerstrom auf den Design-"Radweg" lenken - © Stefan Warda

Steintorwall / Hauptahnhof: Bei Grün haben Radfahrer keine Chance dem "Radweg" zu folgen, ebensowenig bei Rot, wenn Fußgänger Fahrbahn und "Radweg" queren - © Stefan Warda


Der fußgänger- und autoverkehrsgerechte Radverkehr nach Art der Handelskammer

Abgesehen von der Empfehlung, am Hauptbahnhof die ohnehin geplante Fahrradstation einzurichten, wirken die Standpunkte zum Radverkehr in der Innenstadt immer noch wie aus dem letzten Jahrhundert. Radfahrer stören nach Auffassung der Handelskammer die Kundschaft in der Mönckebergstraße. Deswegen sollten Alternativrouten her, die jedoch keinen Platz für Radfahrer hergeben. Wenn in der Steinstraße die Belange der Fußgänger ausreichend berücksichtigt werden, alle Parkplätze erhalten bleiben sollen und möglicherweise auch noch alle Fahrspuren der Fahrbahn für den Wirtschaftsverkehr und MIV unangetastet bleiben sollen, dann bleibt kein Platz für Radwege. Dennoch fordert die Handelskammer den Erhalt der restlichen noch vorhandenen "Radwege", die einerseits viel zu schmal sind, nur bruchstückhaft vorhanden sind, und auf denen sich regelmäßig Fußgänger aufhalten. Zudem knüpfen die beiden südlich der Möckebergstraße gelegenen Ausweichrouten nicht an die bestehenden Velorouten an. Somit stellen beide Routen keine geeignete Alternative zur Querverbindung durch die Innenstadt im Hamburger Veloroutennetz dar.


Steinstraße / Mohlenhofstraße: Startpunkt des "Radwegs" in Richtung Osten. Zwischen Domplatz und Mohlenhofstraße im Verlauf von Speerort und Steinstraße ist keine gesonderte Radverkehrsanlage vorhanden - © Stefan Warda

Steinstraße / Mohlenhofstraße: Startpunkt des "Radwegs" in Richtung Osten - © Stefan Warda

Steinstraße / Johanniswall: Kampfgänger, Kampfsteher, Kampfradler oder Rüpelplaner? - © Stefan Warda



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