26. Juli 2013

"Baustellenkontrollteam" in München angedacht

Road Works Control Team Planned in Munich

Aktualisiert am 29.07.2013

München, Karlstraße / Ottostraße - Baustelle


Jeder Radfahrer kennt fragwürdige Schilder, die die Mitteilung "Radfahrer absteigen" oder ähnlichen Unsinn enthalten, oder Radwege, die vor Baustellen im Nichts enden. Das soll allerdings so nicht sein. Es gibt Regelwerke für Baustellen, die ganz andere Anforderungen vorsehen. Aber nicht nur in Hamburg hat es Probleme mit Radverkehrsführungen an Baustellen. In München soll es nach Wunsch des Kreisverwaltungsreferatsleiters Wilfried Blume-Beyerle zukünftig ein zusätzliches "Baustellenkontrollteam" geben, welches Baustellen überprüfen soll und Missstände schnell beseitigen kann.

Warum ist in Hamburg noch keiner auf die Idee gekommen?


Aktuelle Baustellen in Hamburg

Schanzenstraße / Sternschanze - Baustelle
Schanzenstraße / Sternschanze: Eigentlich ist schon vor mehreren Jahren die Radwegbenutzungspflicht an dieser Stelle aufgehoben worden, doch wie in Hamburg üblich wird im Zuge einer Baumaßnahme von einem Unqualifizierten der Radwegzwang wieder eingeführt. Interessant ist hier das ungewöhnliche Verbot für Fußgänger, an das sich die "Kampfgänger" allerdings nicht halten

Veloroute 8 - Beim Strohhause / Berliner Tor: Der benutzungspflichtige Radweg ist abgesperrt, eine Umleitung fehlt. Radler müssen hier also mal wieder auf die Fahrbahn . . .


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Basel erlaubt Velofahrern Rechstabbiegen bei Rot

Basel Allows Cyclists to Turn Right on a Red Light


Basel, Kanonengasse / Steinengraben - Verkehrsversuch
"Grünpfeilregelung" für Velofahrer in Basel


Seit etwa fünf Wochen läuft in Basel ein Forschungsprojekt für velofreundliche Lichtsignalanlagen. Der Kanton Basel-Stadt beteiligt sich an einem Forschungsauftrag „Langsamverkehrsfreundliche Lichtsignalanlagen“ der Schweizerischen Vereinigung der Verkehrsingenieure (SVI) und führt als erste und einzige Schweizer Stadt einen Pilotversuch durch. Radfahrer dürfen an vier beampelten Kreuzungen trotz Rotlicht rechts abbiegen. Für die Durchführung des achtzehn Monate dauernden Pilotprojekts war eine Sondergenehmigung des Bundes nötig, da es den bestehenden Verkehrsregeln widerspricht. Ziel ist es die Verkehrsführung zu verbessern und die Wartezeiten für Velofahrende an den Versuchsanlagen zu verringern. Kritisch begleitet wird das Projekt von Fussverkehr Schweiz. Es wird befürchtet, dass es vermehrt zu Kollisionen zwischen Radlern und Fussgängern käme.


Basel, Kanonengasse / Steinengraben - Verkehrsversuch


Für das Pilotprojekt wurden vier unterschiedliche Kreuzungen ausgewählt, um Erfahrungen mit unterschiedlichen Verkehrsabläufen und Anforderungen zu sammeln:
  • Steinengraben / Kanonengasse
  • Steinengraben / Leonhardsstraße
  • Klingelbergstraße / Schanzenstraße
  • Mülhäuserstraße / Elsässerstraße


Für den eineinhalbjährigen Pilotversuch stehen 60.000 Schweizer Franken zur Verfügung. Nach der Auswertung der aus dem Pilotversuch gewonnen Erkenntnisse durch die Schweizerische Vereinigung der Verkehrsingenieure entscheidet das Bundesamt für Straßen, ob diese neuen Verkehrsregeln bei Lichtsignalanlagen in der Schweiz dauerhaft eingeführt werden sollen. Dazu bedarf es einer Änderung der Signalisationsverordnung durch den Bundesrat. 

hamburgize besichtigte die Kreuzung Kanonengasse / Steinengraben. Die dort angewandte Lösung entspricht in etwa dem Grünpfeil nach Deutscher Straßenverkehrs-Ordnung.


Basel, Kanonengasse / Steinengraben


Basel, Leonhardsgasse / Steinengraben - Verkehrsversuch
© Kanton Basel-Stadt, Mediensammlung


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24. Juli 2013

Schutzstreifen außerorts - Forschungsprojekt in Stormarn

Suburban Cycle Lanes - Pilot at Stormarn


Siek - Schutzstreifen außerorts



Drei Kreisstraßenabschnitte in Stormarn haben versuchsweise Schutzstreifenmarkierungen erhalten. Es betrifft die K98 zwischen Lütjensee und Oetjendorf, die K97 zwischen Siek und Hoisdorf und die K79 zwischen Eichede und Barkhorst. Auf den Strecken gilt Tempo 70, die Mittelleitlinien wurde entfernt, beidseitig hat es nun Schutzstreifen von 1,3 bis 1,5 Metern Breite.

Es verbleibt eine Kernfahrbahn mit einer Breite von ca. 3,00 m. In dieser Kernfahrbahn sind dann die Kfz in beiden Richtungen zu führen. Nur bei Bedarf, z.B. bei Gegenverkehr durch andere Kfz, darf auf den Schutzstreifen ausgewichen werden. Befindet sich auf gleicher Höhe ein Radfahrer auf dem Schutzstreifen, hat der Kfz-Fahrer sich hinter dem Radfahrer einzuordnen und darf diesen erst überholen, wenn der Gegenverkehr vorbei ist.
Ziel des Projektes ist die Erhöhung der Sicherheit des Radverkehrs. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung der Rechtsvorschriften zur Verkehrsführung einfließen.
Bei einer Besichtungsfahrt auf zwei der Strecken fuhren nahezu alle Pkw wie gewohnt mittig auf der jeweiligen Straßenhälfte, so als wenn die Mittelleitlinie noch vorhanden wäre. Nur vereinzelt wurde das Tempolimit deutlich überschritten. Das Fahren im mittigen Kernfahrbahnbereich scheuen sicherlich die meisten Autofahrer, weil die befahrenen Abschnitte relativ kurvig und hügelig waren, so dass die Straßen nicht allzuweit einsehbar waren, um den Gegenverkehr rechtzeitig zu erkennen.










Die Schutzstreifen haben zumindest das Tempo von 100 auf 70 abgesenkt und zeigen deutlich auf ganzer Länge, dass jederzeit mit Radfahrern zu rechnen ist. Der örtliche ADFC ist sechs Wochen nach Einführung der Streifen offensichtlich zufrieden mit dem Forschungsprojekt:
Wir sehen das Projekt durchaus positiv, denn es führt offensichtlich zu einer erhöhten Sicherheit.
Ähnliche Schutzstreifen hat es z.B. in den Niederlanden. In der Schweiz gibt es außerorts ebenfalls Streifenmarkierungen, die allerdings quasi wie vollwertige Radfahrstreifen zusätzlich zur vollen Fahrstreifenbreite markiert sind, aber auch Schutzstreifenmarkierungen unter Verzicht der Mittelleitlinie.


Schutzstreifen außerorts in den Niederlanden


Beuningen - Schutzstreifen


Beuningen - Schutzstreifen



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22. Juli 2013

Kopenhagen erneut als lebenswerteste Stadt ausgezeichnet

Copenhagen Awarded as Most Liveable City




Das Magazin Monocle hat Kopenhagen erneut als lebenswerteste Stadt ausgezeichnet. Ausschlaggebend für die Auszeichnung ist neben Sicherheit und Lagegunst am Wasser insbesondere die konsequente Verkehrspolitik mit Vorrang für Radfahrer und Fußgänger.

Wieviel Radverkehr hat es in Europas Städten?

Proportion of Cycling in European Citys


modal-split - Millionenstädte


Der Verkehrs-Club Österreich (VCÖ) veröffentlichte eine Untersuchung über den Anteil der Alltagswege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, in zahlreichen europäischen Städten. Spitzenreiter ist Houten in den Niederlanden mit 44%. Beste deutsche Stadt ist Oldenburg mit 43%. Unter den Städten mit mehr als eine Million Einwohner führt München mit 17% das Feld an, gefolgt von Köln, Berlin, Hamburg, Wien, Brüssel und Paris auf dem letzten Platz mit lediglich 3% Radverkehrsanteil.


Deutsche Städte unter den Metropelen führend


Das Feld der Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern wird von Kopenhagen mit 35% angeführt, gefolgt von Amsterdam (30%) und Bremen (25%). Die Hafenstadt Antwerpen mit 502.000 Einwohner belegt mit 23% einen guten vierten Platz. Helsinki im hohen norden mit langen kalten Wintern hat immerhin noch einen Radverkehranteil von 7% und liegt noch vor Wien und Breslau.


modal-split - Groß- und Fahrradstädte


Unter den Städten mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern nimmt Münster den Spitzenplatz mit 38% ein. Den zweiten Platz belegt Uppsala mit 28%, gefolgt von Freiburg mit 27%. In dieser Vergleichsgruppe dominieren vor allem die mittelgroßen Universitätsstädte. Bochum mit der Ruhr-Universität, die erst in den 1960er Jahren vor der Stadt auf der grünen Wiese quasi an die Autobahn gebaut wurde, erreicht lediglich einen Radverkehrsanteil von 6%. Die größere Nachbarstadt Dortmund, auch eine Universitätsstadt, schneidet mit 10% deutlich besser ab.


modal-split - Fahrradstädte


Das Fahrrad ist besonders auf kürzeren Distanzen dem Auto überlegen. Daher überwiegen besonders hohe Radverkehrsanteile in kleineren Städten. Unter den Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern ist die  gesamtbeste Stadt Houten mit 48.000 Einwohner mit 44% Radverkehrsanteil an der Spitze, gefolgt von Oldenburg mit 43% und Leiden mit 33%. Die bestplazierte italienische Stadt ist Bozen in Südtirol mit 29%. In Österreich ist Innsbruck die erfolgreichste Stadt mit 23%. Die fahrradfreundlichste Stadt der Schweiz ist Basel mit 20%.


Niederlande sind das Fahrradland 


modal-split - Fahrradstädte


Die Niederlande sind weltweit das Fahrradland. Dies deckt sich auch mit den Städteergebnissen der VCÖ-Studie. Laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission von 2011 soll Ungarn (19,1%) noch vor Dänemark (19%) an zweiter Stelle beim Fahrrad als Verkehrsmittel der täglichen Wege sein. Die Niederlande erreichen sogar 31,2%. Deutschland soll mit 13,1% noch hinter Schweden (17,1%) und Belgien (13,4%) an sechster Stelle liegen. Malta soll mit 0,0% Radverkehrsanteil den letzten Platz unter den EU-Ländern belegen. Auf den maltesischen Inseln liegt viel Potenzial brach und große Steigerungsraten sind möglich. Der durchschnittliche Radverkehrsanteil in der EU liegt bei 7,4%. In früheren EU-Studien galt Deutschland als drittbestes Fahrradland in der EU hinter den Niederlanden und Dänemark.


modal-split - EU-Länder


Der ECF hat 2013 einen eigenen Index entwickelt zur Bewertung der Fahrradfreundlichkeit in den 27 europäischen Ländern. Als Kriterien dienten der Radverkehrsanteil, Verkehrssicherheit, Anzahl verkaufter Fahrräder, Radtourismus und Fahrradlobby. Laut diesem Index liegen Dänemark und die Niederlande punktgleich an erster Stelle, gefolgt von Schweden, Finnland - und Deutschland an fünfter Stelle. Ungarn folgt erst auf Platz 8 - im Gegensatz zur Radverkehrsanteilstudie der EU (Platz 2), Malta ist auch nach diesem Index europäisches Schlußlicht.

Der Copenhagenize Index 2013 der fahrradfreundlichen Städte bewertete überraschend einige Städte mit relativ geringem Radverkehrsanteil weitaus besser als andere. Nach der dänischen Studie liegt Paris mit 3% Radverkehranteil noch vor Hamburg mit 12%, wie auch Dublin mit 8% und Bordeaux mit 10%. Stärkere Berücksichtigung als der vorhandene Radverkehrsanteil fanden bei den Kopenhagener Experten insbesondere die jüngste Steigerung des Radverkehrsanteils oder das Vorhandensein eines Fahrradleihsystems, und einige weitere Kriterien.



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