01 Oktober, 2016

Hamburg-Eppendorf: Überdimensionierter Straßenraum soll ganz leicht zurückgebaut werden

Hamburg-Eppendorf: Oversized roads going to be reduced very slightly
Aktualisiert am 3.10.2016

Eppendorfer Baum / Lehmweg: Gedenktafel für die Opfer des Verkehrsunfalls von 2011 - © Stefan Warda


Der östlichste Teil des Eppendorfer Wegs soll leicht umgestaltet werden. Dieser Abschnitt zwischen Lehmweg und Löwenstraße ist derzeit eine Einbahnstraße. Entgegen der Einbahnfahrtrichtung müssen Radfahrer auf einem mehr oder weniger erkennbaren und von Fußgängern kaum wahrgenommen "Radweg" auf dem Hochbord radeln. Kompliziert ist die "regelwidrige" Einfädelung dieses "Radwegs" an der Kreuzung mit dem Lehmweg, wo sich Radfahrer untereinander und Radfahrer und Fußgänger gegenseitig behindern.
 

Eppendorfer Weg / Löwenstraße - © Stefan Warda

Eppendorfer Weg / Lehmweg - der unsichtbare "Radweg" - © Stefan Warda


Anlass des Umbaus war die Forderung nach mehr Verkehrssicherheit an der großen Kreuzung Eppendorfer Baum / Lehmweg / Eppendorfer Weg / Curschmannstraße / Lenhartzstraße / Eppendorfer Landstraße. Bei einem Verkehrsunfall im Jahr 2011 wurden vier Menschen auf der Kreuzung von einem Autofahrer getötet. Nach dem Unfall gab es zahlreiche Vorschläge, wie die autogerecht gestaltete Kreuzung umgebaut werden sollte, u.a. in einen Kreisverkehr. Der nun geplante Umbau des Eppendorfer Wegs ist die einzige bauliche Maßnahme, die nach dem Unfall im Bereich der Kreuzung durchgeführt werden soll, jedoch nur geringe Auswirkungen auf die Gestaltung dieser extrem hässlichen Straßenkreuzung haben wird. Einzig die Aufhebung der Radwegbenutzungspflichten für Lenhartzstraße und Eppendorfer Baum nach dem Unfall hat zu Veränderungen der Verkehrsführungen auf der komplizierten Kreuzung geführt. Dadurch sind die Verpflichtungen zur Benutzung aller überwiegend unbenutzbarer "Radwege" rund um die Kreuzung entfallen.


Lehmweg / Eppendorfer Weg: Laut StVO darf der Radfahrer nur rechts abbiegen in den Lehmweg Richtung Hoheluftchaussee. Kein Verkehrzeichen erlaubt das Linksradeln. Zudem ist der Radweg nur ein Meter breit und reicht somit nicht für den Begegnungsfall - © Stefan Warda

Lehmweg / Eppendorfer Weg: Bei voller Bestuhlung kann es auch eng werden für Fußgänger und Radfahrer. Das Bild wurde aufgenommen, als der "Radweg" noch benutzungspflichtig war. Die rote Einfärbung soll den "Radweg" markieren - © Stefan Warda

Lehmweg / Eppendorfer Weg: Außengastronomie, Radweg und Gehweg auf beengtem Raum führen zu erheblichen Konflikten - © Stefan Warda

Lehmweg / Eppendorfer Weg: Die gelb dargestellten Radwegrouten sind StVO-konform, die rot dargestellte Route ist gemäß der vorhanden Verkehrszeichen regelwidrig. Radfahrer, die vom Eppendorfer Weg kommen und den Lehmweg queren wollen, müssen seit Jahren legal einen Umweg über Lehmweg / Löwenstraße nehmen oder sich in Fußgänger verwandeln - © Stefan Warda

Lehmweg / Eppendorfer Weg: Radfahrer aus dem Eppender Weg fahren jahrzehntelang als Geisterradler bzw. auf dem Gehweg zur Querungsstelle über den Lehmweg - eine Fehlplanung. Da der Autoverkehrsvorrang durch das regelwidrige Verhalten nicht in Frage gestellt wurde, wurde es bislang an dieser Stelle toleriert. An anderen Stellen wird regelabweichendes Verhalten natürlich nicht gern gesehen - © Stefan Warda


Der nun geplante Umbau sieht lediglich Veränderungen im Einmündungsbereich Eppendorfer Weg / Lehmweg und im Kreuzungsbereich Eppendorfer Weg / Löwenstraße vor. Zukünftig sollen Radfahrer in beide Fahrtrichtungen auf der Fahrbahn radeln. Rechtliche Voraussetzung dazu ist die Einrichtung einer Tempo 30-Zone. Zwar mutet die Straße wegen der vielen kreuz und quer, z.T. wild abgestellten Stehzeuge jetzt schon wie ein verkehrsberuhigter Straßenteil an, derzeit gilt dort aber immer noch Tempo 50 als Höchstlimit.


Eppendorfer Weg / Löwenstraße: Schon jetzt radeln vereinzelt Geisterradler auf der Fahrbahn. Das Wildparken in zweiter Reihe ist nicht gestattet. Für den Begegnungsfall zwischen Fahrrad und Auto wäre zukünftig ausreichend Platz vorhanden - © Stefan Warda

Eppendorfer Weg / Lehmweg: Die Fahrbahn ist ausreichend breit für den Radgegenverkehr - © Stefan Warda


Mit Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit ist es möglich das Radfahren auf der Fahrbahn entgegen der Einbahnrichtung zuzulassen. Prinzipiell ist die Fahrgasse breit genug für den Begegnungsfall zwischen Autos und Radfahrern, wenn nicht Wildparker im Weg stehen würden. Vom Wegfall des auf den Gehwegplatten markierten "Radwegs", dessen Markierung immer wieder schnell verblasst, würden vor allem Fußgänger und Geschäftsleute profitieren. Außengastronomien und Geschäftsauslagen hätten weniger Konfliktpotential. Der "Radweg" wirkte ohnehin wie eine provisorische Einrichtung, da er kaum erkennbar war und am Ende an der Kreuzung mit dem Lehmweg ungeschickt eingefädelt war. Prinzipiell dürfen Radfahrer dort nur rechts abbiegen in Richtung Hoheluftchaussee. Um aber auf die andere Straßenseite zu gelangen in Richtung Eppendorfer Baum oder Eppendorfer Landstraße betätigen sich dort alle Radfahrer für einen kurzen Abschnitt als Geisterradler auf dem nur ein Meter breiten Radweg auf der linken Straßenseite, oder fahren regelwidrig auf dem Gehweg bis zur signalgestützten Querungsstelle. In diesem Bereich kommen sich Radfahrer untereinander bzw. Radfahrer und Fußgänger in die Quere, da für den Radgegenverkehr bislang kein Platz ist. Auch sind keine ausreichend dimensionierten Wartebereiche an der Kreuzung eingerichtet.

Mit dem Umbau soll dieser Missstand abgemildert werden. Radfahrer sollen zukünftig von der Fahrbahn direkter zu der Querungsstelle geführt werden. Eine regelwidrige Führung über Gehwege oder auf einem zu schmalen Radweg entgegen der Fahrtrichtung soll somit weitgehend entgegengewirkt werden.


Eppendorfer Weg / Lehmweg: Radfahrer sollen zukünftig am Ende des Eppendorfer Wegs von der Fahrbahn auf einen neuen Radwegstummel in Richtung der Querungsstelle über den Lehweg geführt werden - © Stefan Warda


Radfahrer, die aus Richtung Curschmannstraße, Lenhartzstraße oder Eppendorfer Landstraße in den Eppendorfer Weg oder Lehmweg einfahren, sollen eine neue Führung erhalten. Der unbenutzbare sehr schmale Fakeradweg, der derzeit ausschließlich zum Abstellen von Fahrrädern dient, soll entfallen. Zukünftig soll dort ein 1,5 Meter breiter Radweg ohne Umweg in den Lehmweg führen, auf den dort vorhanden ein Meter schmalen "Radweg". Der Radwegstummel mit Aufleitung auf die Fahrbahn am Eingang zum Eppendorfer Weg ist bislang häufig durch Wildparker blockiert. Zukünftig soll die Einfahrt in den Eppendorfer Weg einfacher sein. Die Ampel am Eingang zum Eppendorfer Weg soll entfallen. Radfahrer sollen zukünftig vom neuen Radweg jederzeit ohne Warten in den Eppendorfer Weg abbiegen können.


Radfahrer aus Richtung Eppendorfer Landstraße in Richtung Eppendorfer Weg und Lehmweg - © Stefan Warda

Eppendorfer Weg / Lehmweg: Dieser unbenutzbare "Radweg" soll baulich verändert werden - © Stefan Warda

Eüpendorfer Weg 283/281, Radwege: Gerne blockieren Wildparker die Überleitung vom "Radweg" auf die Fahrbahn - © Stefan Warda



Stadt für Menschen statt für Autos

Die geplante Maßnahme wird nur geringfügige Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger rund um die große Kreuzung bewirken. Die Straßenräume der Kreuzung und des Lehmwegs verbleiben weiterhin vollkommen überdimensioniert. Die Radverkehrsflächen sind angesichts der Breite der Straßenräume geradezu lächerlich dimensioniert. Die Belange der Radfahrer und Fußgänger müssen sich dem Raumansprüchen für Stehzeuge und MIV unterordnen. Die Gestaltung des Lehmwegs und der großen Kreuzung mit dem Eppendorfer Baum bleiben somit weiterhin noch Zeichen einer Stadt für Autos statt für Menschen. Es ist Zeit für einen Wandel hin zu einer Stadt für Menschen statt für Autos.


Lehmweg / Eppendorfer Weg - © Stefan Warda

Lehmweg / Eppendorfer Weg - © Stefan Warda

Lehmweg / Eppendorfer Weg - © Stefan Warda

Lehmweg: Trotz des breiten Straßenraums sind die "Radwege" sehr schmal - © Stefan Warda

Lehmweg 35 vor sechs Jahren - © Stefan Warda

Lehmweg 35 im Jahr 2016 nach Verbreiterung des "Radwegs" um 0,2 Meter - © Stefan Warda


Beispielhaft dazu auch die Kreuzung Lehmweg / Löwenstraße. Zwar ist die Löwenstraße eine Tempo 30-Zone mit Radgegenverkehr in der Einbahnstraße. Vom Lehmweg ist es jedoch schwierig in die Löwenstraße abzubiegen, weil kein Platz für einfahrende Radfahrer bei wartendem Autoverkehr vorgesehen ist. Zudem ist Radfahrer nicht erlaubt vom lehmweg in die Löwenstraße abzubiegen. Die Einbahnstraßenfreigabe wirkt wie eine Scheinlösung und führt zu regelwidrigem Verkehrsverhalten, wie z.B. Gehwegradeln, Geisterradeln, Missachtung der vorgeschrieben Fahrtrichtungen.


Löwenstraße / Lehmweg: Prinzipiell ist die Löwenstraße für Radfahrer in Gegenrichtung freigegeben. Es ist aber ein Kunststück als Radfahrer in die Straße hineinzugelangen - © Stefan Warda

Lehmweg / Löwenstraße: Trotz Freigabe der Löwenstraße für den Radgegenverkehr dürfen Radfahrer von Lehmweg nicht in die Löwenstraße abbiegen - © Stefan Warda




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