Mainz: "Deutscher Fahrradpreis 2017" awards sharrows
Aktualisiert am 09.04.2017
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| Georg-Wilhelm Straße mit Piktogrammkette - © Stefan Warda |
Vorgestern wurden die Gewinner des "Deutschen Fahrradpreises" 2017 gekürt. In der Kategorie Infrastruktur wurde überraschend die
Mainzer Piktogrammkette mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Die Piktogrammkette entspricht den aus dem englischsprachigen Raum bekannten "Sharrows", also Piktogrammen, die das Radfahren auf der Fahrbahn verdeutlichen sollen. In Mainz soll die Piktogrammkette dort zum Einsatz kommen, wo die
Radwegbenutzungspflicht aufgehoben wurde. Die Piktogramme soll Autofahrern verdeutlichen, dass Radfahrer trotz "Radwegen" vollkommen legal auf der Fahrbahn unterwegs sind, aber auch Radfahrern verdeutlichen, dass sie nicht mehr die oftmals unzumutbaren oder gar unbenutzbaren "Radwege" benutzen müssen.
Bislang hat die Stadt Mainz nur für einen sehr geringen Anteil der unzumutbaren oder unbenutzbaren "Radwege" die Benutzungspflicht aufgehoben. Die überwiegende Mehrzahl der mit einer Radwegbenutzungspflicht gekennzeichneten Wege sind Fakeradwege. Die Benutzung ist zumeist mit erheblichen Gefahren verbunden, z.B. weil diese Fakeradwege sich in voller Breite in Dooringzonen befinden, Ampel- und Laternenmasten mitten auf den "Radwegen" stehen, "Radwege" durch Baumscheiben unterbrochen sind oder weil Zweirichtungsradwege nicht die erforderliche Breite für den Begegnungsfall zweier Radfahrer haben oder deren Benutzung wegen extrem unübersichtlicher Linienführung mit besonderen Gefahren verbunden ist.
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| Mainz, Untere Zahlbacher Straße: Fakeradweg im Dooringbereich - © Stefan Warda |
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| Mainz, Untere Zahlbacher Straße: Fakeradweg über Baumscheiben - © Stefan Warda |
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| Mainz, Untere Zahlbacher Straße: Fakeradweg im Dooringbereich und über Baumscheiben - © Stefan Warda |
Die Mainzer Piktogrammkette ist keine neue Erfindung. Sie wird auch von anderen Kommunen verwendet, z.B. in Hamburg auf der Georg-Wilhelm-Straße. Mainz hatte wohl als erste Stadt die Idee, den Begriff Piktogrammkette zu prägen und sich damit für den "Deutschen Fahrradpreis" anzumelden. Die Piktogrammkette auf der König-Wilhelm-Straße ist ein Überbleibsel eines früheren Schutzstreifens, gegen den erfolgreich geklagt worden war. Die Strichlinie wurde daraufhin entfernt, die Piktogramme mit den Pfeilen sind jedoch geblieben. Die Jury des "Deutschen Fahrradpreises" hebt jedoch hervor, dass die Farbe der Fahrradpiktogramme bei einer solchen Piktogrammkette weder weiß noch gelb sein dürfe, da diese Farben nur offiziellen Verkehrszeichen vorbehalten blieben. Die Piktogrammkette entspreche aber nicht der Straßenverkehrs-Ordnung, sondern hätte rein informativen Charakter. Die Piktogramme könnten dementsprechend in blauer Tarnfarbe gehalten werden, wie es beispielsweise in Essen praktiziert wird.
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| Essen, Frankenstraße: Blau getarntes "informatives" Fahrradpiktogramm - © Stefan Warda |
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| Essen, Frankenstraße: Blau getarntes "informatives" Fahrradpiktogramm - © Stefan Warda |
Hamburg setzt wie einige andere Städte auch als Hinweis zur Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht
Hinweisschilder mit einem kurzen Text ein. Welche Lösung würde sich als effektiver erweisen und gleichermaßen Radfahrer und Autofahrer informieren: Hinweisschilder, die zeitlich befristet aufgestellt werden, oder aber Piktogramme, die weder weiß noch gelb sind?
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| Lokstedter Weg, Hinweisschild zur aufgehobenen Radwegbenutzungspflicht - © Stefan Warda |
Grundsätzlich bleibt aber im Raum stehen, ob die Piktogrammkette tatsächlich einen ersten Platz als vorbildliche Infrastruktur deutschlandweit verdient. Immerhin bleiben in Mainz trotz der ausgezeichneten Piktogrammkette weiterhin unsichere oder gar unbenutzbare Fakeradwege neben der mit der Piktogrammkette versehenen Fahrbahn bestehen, deren Benutzung weiterhin von möglicherweise ängstlichen Radfahrern versucht werden wird. In Berlin werden dagegen konsequent unsichere Radwege mit Verkehrszeichen 600 abgesperrt, jedoch stößt dies bei einigen Menschen auf
Unverständnis. Zwar scheint in Berlin die sichere Aufleitung auf die Fahrbahn vor der jeweiligen Absperrung eines unbenutzbaren oder unsicheren Fakeradwegabschnitts zu fehlen, doch allein bunte Fahrradpiktogramme als preiswerte und innovative Lösung anzupreisen, scheint angesichts der Weigerung der Stadt Mainz, sichere Radverkehrsanlagen anzulegen, um möglichst viel Raum für Stehzeuge zu erhalten, sehr fragwürdig. Zudem weigert sich die Stadt Mainz weiterhin standhaft, die
unrechtmäßig angeordneten Radwegbenutzungspflichten aufzuheben. Wie schon erwähnt genügt die überwiegende Zahl der mit einer Benutzungspflicht versehenen Radverkehrsanlagen nicht den Anforderungen an eine Benutzungspflicht. Die Radverkehrsanlagen verlaufen oftmals in Dooringbereichen, sind nicht für den Zweirichtungsverkehr geeignet, obwohl angeordnet, verlaufen über Baumscheiben, sind zu schmal oder enden im Nichts.
Die Mahnung der Jury, die Piktogramme in bunten Farben (nur nicht in weiß oder gelb) aufzutragen, hängt vermutlich mit der angekündigten Beseitigung der mit dem "Deutschen Fahrradpreis" ausgezeichneten
Soester Schutzstreifen zusammen. Nicht noch einmal mag die Jury riskieren nicht regelkonforme Lösungen auszuzeichnen.
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