27. Oktober 2018

Hamburg: Kreuzung Landwehr / Wartenau deutlich verbessert

Hamburg: Redesign of cross roads at Landwehr / Wartenau


Landwehr - © Stefan Warda


Radfahrende und Gehende wurden in Hamburg bislang an vielen Kreuzungen als Restverkehr betrachtet und dem Autoverkehr absoluter Vorrang eingeräumt. Unter diesem Leitbild war unter dem CDU-geführten Senat die Kreuzung Landwehr / Wandsbeker Chaussee / Wartenau / Lübecker Straße vor einigen Jahren umgebaut worden. Für Radfahrende und Gehende blieben zum Warten minimale Restflächen. Querende Rad- und Fußverkehre behinderten sich gegenseitig. Zudem wurde Radfahrenden im Verlauf der B5 auferlegt, sich das Grünlicht über die Kreuzjng zu erbetteln. Während der Fahrbahnverkehr auf der B5 das Grün automatisch erhält, mussten Radfahrende in die gleiche Fahrrichtung Bettelampeln betätigen, damit der Autoverkehr jederzeit absoluten Vorrang behält und Radfahren an der Kreuzung länger dauert als nötig und somit keinen Spaß macht. Dieses Verkehrsregime mit den autoverkehrsmengenabhängig geschalteten Ampeln wurde von der CDU irreführenderweise mit "intelligenten Ampeln" bezeichnet. Doch leider reichte die "Intelligenz" der Ampeln nur soweit, die autogerechte Stadt an der Kreuzung zu manifestieren. Im Fortschrittsbericht von 2010 "Radverkehrsstrategie für Hamburg" wurde der Ausbau der bettelampelgestützen Kreuzung unter dem Kapitel "Gute Wege für den Radverkehr" verbucht. Der Umbau des Straßenzugs im Verlauf der B5 soll im Jahr 2007 abgeschlossen gewesen sein.


Landwehr 5, vor Umbau - © Stefan Eli

Landwehr / Wandsbeker Chaussee, vor Umbau mit Bettelampel - © Stefan Warda

Landwehr / Wandsbeker Chaussee, vor Umbau mit Bettelampel - © Stefan Warda

Landwehr 7-5, nach Umbau - © Stefan Warda

Landwehr 5, nach Umbau - © Stefan Warda

Landwehr / Wandsbeker Chaussee, nach Umbau - © Stefan Warda


Die autoverkehrsgerchte Bushaltestelle

Die Kreuzung selbst war 2004 umgestaltet worden, inklusive der autoverkehrsgerchten Bushaltestelle an der Ecke Wartenau / Wandsbeker Chaussee. Damit der Autoverkehr immer ungehindert fließen konnte, wurde dem haltenden Busverkehr eine Busbucht so "intelligent" eingerichtet, dass es dauerhaft zu Konflikten zwischen Radfahrenden und Fußverkehr kam. Durch die Busbucht entfiel Fläche für den Radverkehr. Auf der restlich verbliebenen Gehwegfläche wurde die Benutzungspflicht für Radfahrende angeordnet, die sich dort mit wartenden Busfahrgästen und dem restlichen Fußverkehr arrangieren sollten. Der Autoverkehr wurde weder behindert, wenn ein Bus gerade zum Ein- und Ausstieg der Fahrgäste hielt, noch, wenn Fahrgäste auf einen Bus warteten. Radfahrende waren jedoch in beiden Fällen arg betroffen. Beim Ein- und Ausstieg der Fahrgäste mussten Radfahrende warten, beim Warten von Fahrgästen ohne Halt eines Busses sollten Radfahrende um die Wartenden herumkurven. Letzters führte zu großem Verdruss - sowohl bei Wartenden wie auch bei Radfahrenden. Nicht so bei den Autofahrenden.


Wartenau 2, Bushaltestelle und Verkehrszeichen 240 vor Umbau (Gemeinsamer Geh- und Radweg) - © Stefan Warda

Wartenau 2, Bushaltestelle und Verkehrszeichen 240 vor Umbau (Gemeinsamer Geh- und Radweg) - © Stefan Warda

Wartenau 2, Bushaltestelle und Verkehrszeichen 240 vor Umbau (Gemeinsamer Geh- und Radweg) - © Stefan Warda

Wartenau 4-2, Bushaltestelle und Verkehrszeichen 240 vor Umbau (Gemeinsamer Geh- und Radweg) - © Stefan Warda

Landwehr / Wartena, direkte Führung über die Kreuzung und ohne Bettelampel - © Stefan Warda

Wartenau / Wandsbeker Chaussee, Umfahrung der Busbucht - © Stefan Warda

Wartenau 2, Umfahrung der Busbucht - © Stefan Warda

Wartenau 2-4, Umfahrung der Busbucht - © Stefan Warda



Abbau der Bettelampel und direkte Radverkehrsführung

Im Rahmen des noch laufenden Umbaus werden Radfahrende Richtung Norden in der Landwehr vom vorhandenen Radweg ausgefädelt und vor der Kreuzung mit der Wandsbeker Chaussee auf die Fahrbahn geleitet. Damit entfällt zukünftig die Notwendigkeit, sich für die Fahrt über die Kreuzung mittels Bettelampeltaster Grün anzufordern. Radfahrende sind dem restlichen Fahrbahnverkehr gleichgestellt statt wie zuvor benachteiligt. Die an der Haltelinie wartenden Radfahrenden blockieren nun auch nicht mehr den querenden Radverkehr, wie es noch vor Umbau der Kreuzung war. Nach Queren der Wandsbeker Chausse werden Radfahrende nicht mehr auf Kollionskurs mit wartenden Busfahrgästen geführt, sondern auf eigener Spur links an der Busbucht vorbei. Gehende werden also von der Trennung von Rad- und Fußverkehr profitieren.


Wartenau / Wandsbeker Chaussee: Sich kreuzende Radverkehre blockierten sich vor dem Umbau gegenseitig mangels Aufstellflächen - © Stefan Warda

Hoheluftchaussee / Gärtnerstraße: Beispiel für den Konflikt sich kreuzender Radverkehre nach altem Hamburger Kreuzungsmodell - © Stefan Warda



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Kommentare:

  1. Bild 15: Verwirrenderweise sieht das Gepinsel auf der Straße so aus, als könne man sich aussuchen, ob man sich lieber in dem Mischverkehr einfädelt oder rechts den (benutzungspflichtigen) Radweg nimmt (natürlich mit Stehzeug drauf)?!

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    1. Radweg bedeutet in Hamburg ja auch meistens Mischverkehr...
      Ich würde weiter auf der Fahrbahn fahren, ist wohl die konfliktärmere Variante, denn vom Radweg wird man vermutlich auch wieder irgendwo auf die Fahrbahn zurückgeleitet, das birgt dann neue Überraschungen ...

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    2. Interessant ist auch, dass hinter der Umfahrung der Bushaltestelle eine Ausleitung auf die Fahrbahn besteht, gleichzeitig aber rechts die RWBP per Blauschild angeordnet wird.

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