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5. August 2015

Fakeradweg Beim Schlump beseitigt - Aufregung beim Blatt mit den großen Buchstaben

Fake cycle track eliminated


Beim Schlump: Aufregung wegen Entfernung eines Fakeradwegs


Der Fakeradweg in der Straße Beim Schlump zwischen Bundesstraße und Gustav-Falke-Straße soll laut einer Meldung der Journallie mit den großen Buchstaben entfernt worden sein. Von einem "Schildbürgerstreich" ist nun die Rede. Worum geht es? Bislang gab es einen nur einen Meter breiten "Radweg" zwischen legal abgestellten Stehzeugen und dem Gehweg. Aufgrund der Dooringgefahr war dieser Fakeradweg aber nicht benutzbar. Das PK17 hatte vor fünf Jahren das Gehwegradeln neben dem Fakeradweg erlaubt. 2005 war die Fakeradwegbenutzungspflicht entfallen. Ohnehin bevorzugten wegen der Baumwurzelschäden im Radwegbereich fast alle Radler die Benutzung des Gehwegs neben dem Fakeradweg - auch schon vor Freigabe des Gehwegs für den Radverkehr. Fußgänger mussten sich also schon seit vielen Jahren mit Radlern arrangieren, weil die Stadt Hamburg dem Autoverkehr den absoluten Vorrang einräumte.

Laut Journallie kämen an der Bushaltestelle Bundesstraße wegen des Fakeradwegrückbaus nun Radler, Passanten und Fußgänger ins Gehege. Doch auch bei Haltestellen mit Radwegen gibt es immer wieder mächtig Ärger zwischen den Verkehrsteilnehmern, weil z.B. wartende Fahrgäste den Radweg blockieren. Im betroffenen Fall hat sich die Journallie darüber aber ausgeschwiegen. Auch hatte sie unerwähnt gelassen, dass das Radeln in der Dooringzone gefährlich ist. Ein Schilderbürgerstreich war es vielmehr das Parken unmittelbar neben dem "Radweg" anzuordnen. Aber das hätte das Weltbild der Journallie ins wanken gebracht, denn der Autoverkehr müsse schließlich Vorrang haben gegenüber den Radfahrern, die überwiegend keine Kfz-Steuern bezahlen.

Übrigens war im Rahmen der Busbeschleunigung entlang der Grindelallee schon der Radweg in der Straße Beim Schlump zwischen Grindelberg und Bundesstraße entfernt worden. Bleibt noch die hoffnung, dass der begonnene Radfahrstreifen bis zum U-Bahnhof Schlump verlängert wird. Bislang aber wird ab Bogenstraße auf der rechten Fahrspur immer noch Platz für Stehzeuge vorgehalten.


Radspur Beim Schlump / Grindelallee

Radspur Beim Schlump / Bogenstraße

Beim Schlump / Geomatikum: Hier fehlt eine Radspur


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26. Juli 2015

Bergedorfer Zeitung: Radweg Holtenklinker Straße soll angeblich 5,1 Meter breit sein

Bergedorfer Zeitung: Cycle track along Holtenklinker Straße should hae a width of 5.1 meter
Aktualisiert um 15:04

© hamburgize.com / Stefan Warda
Laut Bergedorfer Zeitung soll dieser ein Meter breite Radweg 5,1 Meter breit sein.


Bergedorfer Zeitung kann nicht rechnen

Kommt Hamburgs erster Radschnellweg bald nach Bergedorf? Nein, noch nicht. Die Bergedorfer Zeitung macht sich lediglich zum Anwalt gegen den Rad- und Fußverkehr. In einem Artikel "Mega-Radweg verhindert Hausumbau" macht die Zeitung aus einem ein Meter breiten einen 5,1 Meter breiten Radweg. Damit verfünffacht die BGZ die tatsächliche Radwegbreite. Laut BGZ solle nach einem noch gültigen Bebauungsplan dieser Radweg gar noch auf eine Breite von 9,6 Meter ausgebaut werden.

Das dürfte Hamburgs breiteste Fahrrad-Autobahn werden.

"9,6 Meter breite Fahrrad-Autobahn"

Höchstwahrscheinlich aber soll die südliche Nebenfläche der Straße verbreitert werden, um zusätzlich zum vorhandenen schmalen Radweg und Gehweg auch noch Platz für Stehzeuge vorzuhalten. Denn im Bereich des angeblichen "Mega-Radwegs" ist bislang kein Platz für Stehzeuge vorhanden. Daher ist die Holtenklinker Straße bei Kampfparkern besondern beliebt. Auf der Südseite wird auf dem Gehweg geparkt, wodurch Fußgänger auf den schmalen Radweg ausweichen. Auf der Nordseite wird der schmale Radweg dauerhaft blockiert, weswegen Kampfradler auf den Gehweg vor den Hauseingängen ausweichen. Mit dem populisitschen Artikel biedert sich die BGZ sehr dem Journaillennstil billiger Boulevardzeitungen an.


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6. Februar 2015

CDU gegen Radfahrstreifen in der Grindelallee - Abschied von der Radverkehrsstrategie

CDU and boulevard press against cycle lanes along Grindelallee in favour of old fake cycle tracks
Aktualisiert
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Grindelallee: Hier sollen Radfahrstreifen entstehen. Bislang gibt es rechts von den Stehzeugen einen sehr schmalen Fakeradweg - mittlerweile überwiegend ohne Fakeradwegbenutzungspflicht

CDU gegen Hamburgs Radfahrer

Die CDU hat den Radfahrern den Kampf angesagt. Vor der Bürgerschaftswahl hat sie sich gegen alle Radverkehrsprojekte des Senats oder der rot-regierten Bezirke gestemmt. Die CDU ist gegen die Fahrradstraße am Harvestehuder Weg und gegen weitere Fahrradstraßen rund um die Außenalster. Lieber sollen bestehende Fakeradwege ausgebessert werden - wie auch immer das funktionieren soll. Die CDU ist gegen Schutzstreifen als Ersatz für unbenutzbare Fakeradwege in der Papenhuder Straße. Eine Lösung für die Verbesserung der dortigen Situation hat die CDU aber nicht geboten.

Die CDU ist gegen Radfahrstreifen in der Sierichstraße. Eine Alternative für die überwiegend unbenutzbaren, durch Kampfparker blockierten "Radwege" bietet die CDU aber nicht. Vermutlich soll aus Sicht der CDU die Sierichstraße exklusiv dem Autoverkehr vorbehalten bleiben, obwohl das Radfahren dort weder verboten ist, noch eine Gehweg- oder Radwegbenutzungspflicht vorliegt.

2011 war Herr Ploß (CDU) noch für Radfahrstreifen in der Sierichstraße

Besonders pikant ist der Aufschrei des Herrn Ploß gegen die erwogenen Radfahrstreifen, weil er sich selbst in der Regionalausschußsitzung vom 22.08.2011 für ein Verkehrskonzept mit Radfahrstreifen in der Sierichstraße stark machte. Warum nun die totale Kehrtwendung? Alles nur Show wegen der bevorstehenden Wahl auf dem Rücken der Radfahrer?

Die CDU unterstützt am Wiesendamm die Einrichtung einer Pseudo-"Fahrradstraße", die sich eigentlich als Parkplatz für bislang illegale Stehzeuge entpuppt, und den Erhalt von illegalem Parkraum, um damit Radfahrstreifen als Ersatz für unbenutzbare Fakeradwege zu verhindern. CDU-Sprecher Christoph Ploß sieht in Fahrradstaßen eine "Schikanierung der Autofahrer" und wirft dem Senat "ideologische Verkehrspoltik" vor.

Unfassbar. Das geht überhaupt nicht. (Michael Westenberger zu Radfahrstreifen in der Grindelallee)

Fakeradwege in der Grindelallee

© hamburgize.com / Stefan Warda
Grindelallee - Fakeradweg

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Grindelallee: Überholen langsamer Radler nicht möglich, fortwährend Konflikte mit Fußgängern

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Grindelallee: Häufig Kampfparker auf dem Radweg, regelmäßig auch Mülltonnen oder Werbebanner einzelner Geschäfte

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Grindelallee: Radler sollen durch illegal aufgestellte Werbebanner hindurchhuschen

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Grindelallee: Bislang kein Platz für geparkte Fahrräder, aber viel Platz für geparkte Autos


Nun wettert Michael Westenberger (CDU) gegen die geplanten Radfahrstreifen in der Grindelallee, die die winzigen Fakeradwege ersetzen sollen, auf denen es regelmäßig Konflikte mit Fußgängern, Mülltonnen und Autofahrern gibt. Letztere queren häufig gedankenlos den Mini-Radweg zu den angrenzenden Parkplätzen. Als wenn es bislang keine Radfahrstreifen entlang von Hauptstraßen in Hamburg gäbe: Hat Herr Westenberger sich die St. Pauli Landungsbrücken, die Fuhlsbütteler Straße noch nicht angeschaut oder den westlichen Ast der Grindelallee zwischen Stabi und Grindelhof, wo es Radfahrstreifen hat?


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Dieser Radstreifen soll bis Hallerstraße verlängert werden als Ersatz für den bisherigen schmalen Fakeradweg im Konfliktfeld mit dem Fußgängerverkehr


Das Boulevardblatt, das sich für einen reißerischen Artikel ("Verkehrs-Schwachsinn", "Unfug") hergibt, bildet dazu zwei Radler ab, von denen jedoch einer als Kampfradler auf dem Gehweg radelt. Dort seien sie "geschützt". Und die Fußgänger?


Fakeradwege in der Sierichstraße

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Sierichstraße: Gefährlicher Fakeradweg in Dooringzone (VZ315)  mit zusätzlichen Kampfparkern

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Sierichstraße mit gefährlichem Fakeradweg und Kampfparkern

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Fakeradweg in der Sierichstraße in der Dooringzone (VZ315)

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Zweirichtungs-Fakeradweg in der Sierichstraße in der Dooringzone (VZ315)

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Zweirichtungs-Fakeradweg in der Sierichstraße in der Dooringzone (VZ315). Gegenverkehr und Sicherheitsabstand zu den Autotüren ist unmöglich. Laut Andreas Wankum (CDU) soll dies ein funktionierender Radweg sein, der nicht aus ideologischen Gründen kaputt gemacht werden dürfe

© hamburgize.com / Stefan Warda
Zweirichtungs-Fakeradweg in der Sierichstraße (VZ315). Welche Alternative hat die CDU für diesen gefährlichen Fakeradweg?

CDU stellt sich gegen die eigene Radverkehrsstrategie

Merkwürdig am Gebaren der CDU-Politiker ist allerdings die Zustimmung der CDU zur Radverkehrsstrategie für Hamburg, die den Ausbau der Velorouten vorsieht, wie auch den Ersatz schlechter "Radwege" durch regelkonforme Radfahrstreifen. Der CDU-Sprecher Klaus-Peter Hesse, der heute im Zusammenhang von Radverkehrsprojekten im Sinne der "Radverkehrsstrategie für Hamburg von "Autoverachtung" spricht, war 2008 im Fahrradforum bei der Baubehörde an der Ausarbeitung der Radverkehrsstrategie beteiligt und hatte sogar in der Bürgerschaft per Antrag die Initiative für das Fahrradforum ergriffen. Heute stellen er und seine Mannen sich komplett gegen jegliche Radverkehrsprojekte, stempeln sie als "Verkehrsschikanen" dar.

Es muss gewährleistet werden, dass nicht schon wieder aus rein ideologischen Gründen eine funktionierende Straße mit Steuermitteln kaputt gemacht wird. (Andreas Wankum zur Radfahstreifenplanung in der Sierichstraße)

Wer die Kritiken der CDU-Riege aneinanderreiht, kommt zum Schluß, dass die ehemals von der CDU geförderte Radverkehrsstrategie für Hamburg umgedeutet werden soll. Radverkehrsstrategie aus CDU-Perspektive kann aufgrund der Kritiken nur bedeuten, die Oberfläche bestehender zu schmaler Fakeradwege im Dooringbereich auszutauschen oder den Radverkehr fernab von zahlreichen Hauptstraßen, die dem Autoverkehr vorbehalten bleiben sollen, umzuleiten. Damit werden aber keine regelkonformen Radverkehrsanlagen geschaffen, Radfahren wird dadurch nicht gerade attraktiver oder sicherer, und der Radverkehr wird wieder auf den Status der 1980er Jahre zurückgeworfen. Hesse wirft dem jetzigen Senat "Autoverachtung" vor, aber Hesses Verkehrspolitik für Autofahrer ist menschenverachtend. Zudem macht sich die CDU bei Radfahrern und den Hamburgern vollkommen unglaubwürdig: Die Radverkehrsstrategie wurde 2007 unter einem CDU-Verkehrssenator entwickelt, 2007 mit den Stimmen der CDU-Abgeordneten in der Bürgerschaft beschlossen und 2008 vom CDU-Verkehrssenator Axel Gedaschko der Öffentlichkeit vorgestellt. 2015 hat sich die CDU von ihrer eigenen Radverkehrsstrategie vollkommen verabschiedet.

Zur Geschichte

Unter Bausenator Eugen Wagner (SPD) wurde 1996 der erste Radfahrstreifen in der Grindelallee zwischen Stabi und Grindelhof eingerichtet. Die im rot-grün-regierten Bezirk geforderte Verlängerung bis Rutschbahn wurde 2004 unter Bausenator Mario Mettbach ("Schill-Partei") gekippt. 2014 wurde der begonnene Radfahstreifen ab Grindelhof um wenige Hauslängen verlängert, sowie um ein kurzes Stück kurz vor der Hallerstraße ergänzt. In diesem Jahr soll der Lückenschluß zwischen den bestehenden Abschnitten erfolgen, sowie stadteinwärts zwischen Schlump (Bogenstraße) und Bundesstraße die noch vorhandenen schmalen Fakeradwege ersetzen. Radfahstreifen an breiten Hauptverkehrsstraßen hat es in Hamburg unter anderem vor den St. Pauli Landungsbrücken oder auch an Bushaltestellen entlang der Bramfelder Chaussee. Für die Umsetzung von Radfahstreifen in der Grindelallee wird es demnächst neunzehn Jahre gebraucht haben - ein langer Atem für Radler und Fußgänger, sowie viel Zeit für die Erkenntnisbildung bei Politikern.


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16. April 2014

Mopo wiederholt schlecht informiert - Radwegbenutzungspflicht

Bad Press

http://www.mopo.de/motor/radfahrer-aufgepasst-darf-ich-eine-rote-ampel-ueber-den-fussweg-umfahren-,5066778,26849812,item,3.html


Die Hamburger Morgenpost bietet aggressiven Atuofahrern mal wieder eine Vorlage Radfahrer in gefährliche Situationen zu bringen. Gestern wartete die Mopo erneut mit einer Falschmeldung auf. Es ging mal wieder um das delikate Thema Radwegbenutzungspflicht.

Wer einen vorhandenen Radweg nicht nutzt oder entgegen der Fahrtrichtung befährt, muss jeweils mit 20 Euro Verwarngeld rechnen.

Im gleichen Block steht jedoch eine dazu widersprüchliche Passage.

Den Radweg müssen Radler nur benutzen, wenn er ausdrücklich durch ein blaues Radwegschild gekennzeichnet ist.

Der letzte Satz wurde jedoch erst auf Hinweis eines Lesers aufgenommen. Dennoch steht er im Widerspruch zur obigen Aussage.


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11. Mai 2013

Kölner Straßenkämpfe

Fighting on Cologne Streets


Beispiel Deutscher Verkehrskultur: MoPo und die "Rad-Rambos"

Seitdem der Bundeskampfminister vor zwei Jahren offiziell den Straßenkrieg erklärt hat haben sich auf Deutschlands Straßen Fronten gebildet. Um Einschalt- und Auflagenquoten bemüht hecheln viele Medien dem in Gang gesetzten Phänomen Aggression im Straßenverkehr hinterher und bedienen das Thema mit schlecht recherchierten Beiträgen, damit der Straßenkrieg weiter am köcheln bleibt. Deutschland steht mit "Kampfradlern" ganz allein im europäischen Vergleich. Unsere Nachbarn in Dänemark, den Niederlanden oder der Schweiz haben von Kampfradlern noch nie etwas gehört. Der Begriff exisiert dort gar nicht.  Das liegt nicht an Radlern, die einzig in Deutschland grundsätzlich aggressiv sind, sondern am Zusammenspiel aus schlechter Infrastruktur, unangepassten Verkehrsregeln, einer Verkehrssicherheitsarbeit, die oftmals nur das Tragen von Helmen und Warnwesten zum Schutz vor Unfällen auf dem Rad empfiehlt, einem Verkehrsminister, der schlicht kein Gespür und wenig Ahnung für und von Radverkehr hat und dem Echo in den seichten Medien. Ja selbst die um Qualitätsjournalismus bemühte Tagesschau fachte den Straßenkampf zur Einführung der neuen Straßenverkehrs-Ordnung wieder an, indem sie mit einer Falschmeldung berichtete, dass Radfahrer ab dem 1. April immerzu Radwege benutzten müssten, falls welche vorhanden wären.


Beispiel Deutscher Verkehrskultur: BILD und die "Rad-Rüpel"

Der für seichte Unterhaltung bekannte und um Einschaltqouten bemühte Sender RTL hat sich kürzlich in Köln dem Thema Straßenkampf angenommen. Die Folgen: Ein Blogger, der sich dem Radverkehr in Köln widmet, wurde an der Sendung beteiligt und erlebte - wie auch ein völlig unbeteiligter weiterer Blogger - unmittelbar nach der Sendung einen wahren Shitstorm mit Mordandrohungen. Autofahrer rüsten auf mit Reizgasspray zum Kampf gegen regeltreue Fahrbahnradler. Braucht Deutschland nun einen Bundesdeeskalationsminister? Auf jeden Fall funktioniert es nicht mit dem Verkehrsklima in Deutschland.


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  • Fanpost! (Mit dem Fahrrad in und um Köln)
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1. April 2013

Einführung der neuen Straßenverkehrs-Ordnung beginnt mit zahlreichen Falschinformationen

April Joke in Tagesschau to New Cyclists Rules




Zum 1. April wurden eine überarbeitete Fassung der Straßenverkehrs-Ordnung und ein neuer Bußgeldkatalog eingeführt. Leider haben zahlreiche Medien die Neuerung mit Falschinformationen angekündigt. So wurde gestern abend in der Tagesschau verbreitet, dass Radfahrer seit heute nicht mehr auf der Fahrbahn fahren dürften, wenn Radwege vorhanden sind. Ein womöglich folgenreicher und zugleich auch gefahrenreicher Aprilscherz der ARD. In einem Bericht von Griet von Petersdorff in der Tagesschau:

Das Verwarngeld ist um fünf bis zehn Euro höher, wenn die Radfahrer zum Beispiel neben einem Radfahrweg auf der Straße fahren . . .


Auch andere Medien berichteten von Bußgeldern wegen Befahren der Fahrbahn neben Radwegen. Die Regelungen zur Radwegbenutzungspflicht ändern sich jedoch nicht im Vergleich zur vorherigen Fassung. Weiterhin müssen Radfahrer nur dann Radwege benutzen, wenn diese erstens mit einem blauen Verkehrszeichen (VZ237, VZ240, VZ241) gekennzeichnet sind, und zweitens benutzbar und zumutbar sind (Radwegbenutzungspflicht). Sind Radwege wie derzeit immer noch vereist, dann dürfen Radfahrer trotz einer Radwegbenutzungspflicht auf die Fahrbahnen ausweichen. Zugeparkte, zugewachsene, abgesperrte oder vereiste Radwege können nicht benutzt werden und müssen daher auch nicht benutzt werden. In solchen und anderen Fällen gibt als Rückfallebene weiterhin die Möglichkeit auf der Fahrbahn zu fahren, oder aber das Rad wie auch sonst zu nahezu jeder Gelegenheit möglich auf den Gehwegen zu schieben.

Weiterhin sind die Kommunen in der Pflicht ihre Radwege in einem sicheren Zustand zu halten, denn die Radwege sind in aller Regel zur Erhöherung der Verkehrssicherheit für Radfahrer angelegt worden. Unbenutzbare Radwege oder aber schlecht angelegte Radwege, deren Benutzung mit erhöhten Gefahren verbunden ist, helfen kaum einem Radfahrer und sind Geldverschwendung.

In zahlreichen Medien wurde verbreitet, dass Parkgebühren für Autofahrer erhöht würden. Richtig ist aber, dass "Rüpel-Autofahrer", die falsch oder ohne Parkticket parken, mit höheren Bußgeldern rechnen müssen. Mit Schlagzeilen wie "Teurer Parken" oder "So schröpft der Staat die deutschen Autofahrer" suggerieren Journalisten den Lesern, dass Falschparken der Normalfall für regeltreue Autofahrer sei. In den gleichen Artikeln werden aber regeluntreue Radfahrer als "Rüpel" bezeichnet. Das hat wenig mit Journalismus zu tun, sondern ist das eigene Bekenntnis zum "Verkehrs-Rüpel" oder eine Kampfansage an die schwächeren Verkehrsteilnehmer ohne Knautschzone.

Von der ARD wäre eine Richtigstellung zur Aussage in der Tagesschau notwendig, bevor Autofahrer in Selbstjustiz Radfahrer auf Deutschlands Fahrbahnen schikanieren, drangsalieren oder gefährden.
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30. Januar 2013

Inflationsausgleich bei Bußgeldern

Inflation compensation with higher fines



Das Fehlverhalten der Radfahrer soll zukünftig teurer werden. Laut BILD soll der Bußgeldkatalog überarbeitet werden. Radfahrer hätten nach dem Entwurf fünf bis zehn Euro mehr für die meisten Vergehen zu begleichen. Bettina Cibulski, Sprecherin des ADFC, wertete die Erhöhung bei N24 als Inflationsausgleich. Seit 1989 seien die Bußgelder für Radfahrer nicht erhöht worden. Der heutige BILD-Artikel wirkt wieder sehr reisserisch mit den üblichen Schlagworten "Rad-Rambos" und "Rad-Rüpel", garniert mit einem entsprechend inszenierten Foto.




 Im Einzelnen sollen Radfahrer mit folgenden Verwarngeldern rechnen müssen:
  • Fahren auf dem Fußweg (je nach Situation): 10–20 statt bisher 5–20 Euro​
  • Nichtbenutzen der rechten Fahrbahn: 15–40 statt 10–35 Euro​
  • Nichtbenutzen des Radwegs: 20–35 statt 15–30 Euro​
  • Falsches Einbiegen in Einbahnstraße: 20–35 statt 15–30 Euro​
  • Fahren in Fußgängerzone: 15–30 statt 10–25 Euro​
  • Fahren ohne Licht: 20 statt 15 Euro.​

Autofahrer, die Radfahrer gefährden oder behindern, sollen künftig auch härter bestraft werden:
  • Auf Geh- oder Radwegen parken: 20–30 statt bisher 15–25 Euro​
  • Beim Ein- und Aussteigen nicht auf Radfahrer achten: 20 statt 10 Euro​
  • Auf einer Fahrradstraße/einem Radweg fahren: 15 statt 10 Euro.​





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25. Januar 2013

Verkehrsgerichtstag - Tag der Radfahrerverunglimpfung


Konfliktfeld "Radweg"


In Deutschland ist es leider sehr populär Radfahrer als die absolut Bösen im Straßenverkehr an den Pranger zu stellen. In Goslar gab es mal wieder den Verkehrsgerichtstag, und wie üblich wurde dort wie nahezu jedes Jahr eine Radfahrerhasswelle losgetreten. Verursacher war dieses Jahr nicht Herr Ramsauer, sondern Kay Nehm, der Präsident der Veranstaltung.

Die Hasswelle brandete nun auch in Hamburg an. Wer sich den Tag nicht vermiesen will angesichts der vielen populistischen Hassartikel, dem seien zwei ausgewogene und realitätstreue Artikel aus dem Hamburger Abendblatt und der ZEIT empfohlen.

Nicht die Radfahrer sind das Problem im Straßenverkehr, sondern die Schikanen, mit denen Radfahrer (und auch Fußgänger) im Straßenverkehr leben sollen. Die Infrastruktur ist nicht an Rad-"Verkehr" ausgerichtet, die "Radwege" sind auf Konflikte mit Fußgängern programmiert. Unsichtbare "Radwege", fehlende Aufstellflächen für Radfahrer und Fußgänger vor den Ampeln, Slalomradwege, Radwege als Mülllagerflächen, Bonsai-"Radwege", "Radwege", die urplötzlich im Nichts enden, zudem Parkplätze, Geschäftsauslagen und Straßencafés auf den Gehwegen neben den "Radwegen" führen zwangsläufig zu Konflikten, die nicht Radfahrer verursachen, sondern Rüpel-Planer und Rüpel-Politiker. Geschürt wird der Populismus zudem von Autofahrern mit einer fragwürdigen Doppelmoral, die die eigenen Verkehrsregeln selbst nicht einmal so genau kennen oder genau nehmen.


Konfliktfeld "Radweg"
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Konfliktfeld "Radweg"
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Konfilktfeld "Radweg"
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Konfliktfeld "Radweg"
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12. April 2011

Populismus: Medien entdecken mal wieder "Rad-Rambos" und "Kampfradler"

hamburgize.com
Kampfjournalismus

Von 1609 befragten Autofahrern, die bei der DEKRA eine Hauptuntersuchung an ihren Fahrzeugen durchführen ließen, gaben 77% an, dass sich Radfahrer häufig über Verkehrsregeln hinwegsetzen würden. Die Befragung wurde an 32 DEKRA-Stationen im gesamten Bundesgebiet in den Monaten Januar und Februar durchgeführt. 68% der Befragten waren männlich, 32% weiblich. Das Ergebnis dieser Befragung wurde am 8. April von der DEKRA veröffentlich.

Am 9. April berichteten zahlreiche Medien, Verkehrsminister Ramsauer drohe mit Kontrollen für "Kampfradler".

Am 11. April berichtete die Hamburger Morgenpost auf der Titelseite mit der Schlagzeile "Rote Karte für Rad-Rambos", dass "77% der Deutschen von ungehobelten Radfahrern genervt" seien. Kein Hinweis darauf, dass ausschließlich Autofahrer befragt wurden. Sind denn mittlerweile alle Deutschen Autofahrer? Sicherlich würde das Ergebnis anders ausfallen, wenn auch Nicht-Autofahrer, wie z.B. Radfahrer, Fußgänger und ÖV-Nutzer befragt worden wären, sowie Frauen nicht unterrepräsentiert wären. Interessant wäre bei natürlich auch, wie Radfahrer über Autofahrer denken, oder auch wie Fußgänger / ÖV-Nutzer über Autofahrer denken. Sicherlich wäre dabei auch interessant zu wissen, was Radfahrer über Autofahrer denken.

Autofahrer, die zu einem großem Teil nicht einmal begriffen haben, welche Verkehrsregeln für Radfahrer gelten, zu Richtern über das Verkehrsverhalten von Radfahrern zu machen, ist absolut unseriös. Bekanntlich wissen viele Autofahrer ja immer noch nicht, dass seit 1998 Radfahrer auf innerstädtischen Straßen auf der Fahrbahn fahren dürfen und nur bei den blauen Radwegzeichen Radwege benutzen müssen, und das auch nur, wenn diese Radwege  überhaupt benutzbar sind. Gerne begrüßen Autofahrer Radfahrer auf der Fahrbahn mit Dauerkampfhupen und gefährlichem Ausbremsen oder waghalsig dichtem Überholen, wem die Fahrbahn vermeintlich gehört. Doch haben diese "Auto-Rambos" ebenfalls laut der MoPo-Interpretation zugestimmt, dass "Radfahrer sich häufig über Verkehrsregeln hinwegsetzen"?

Es ist ja so einfach Klischees zu bedienen. Die Hamburger Morgenpost hat mal wieder ins Klo gegriffen. Die Rambo-Radler-Nummer packt sie regelmäßig aus, man kennt das schon.


Mehr zu Autofahrern und deren Kenntnisse über die Radwegbenutzungspflicht und deren Selbstjustiz: Die Polizei: Dein Freund und Helfer? 

Was Autofahrer kaum wissen - bei unbenutzbaren Radwegen müssen Radfahrer auf die Fahrbahn: