21 August, 2011

Trotz Radverkehrsstrategie: "Umwelthauptstadt" kann keine Baustellen

Despite cycling strategy: "European Green Capital" cannot do construction sites

hamburgize.com / Stefan Warda
Schanzenstraße: Eigentlich ist die Radwegbenutzungspflicht hier dank meiner Eingaben schon vor Jahren aufgehoben worden, doch wurde sie nun wieder wegen einer Baustelle auf dem Gehweg wieder eingeführt.

Wie schön, wenn Radfahrer in Hamburg nicht die erschütternden Bonsai-"Radwege" benutzen müssen. Die blauen Radwegschilder wurden an vielen "Radwegen" vor einigen Jahren entfernt und es fährt sich angenehm und komfortabel auf der Fahrbahn. Doch schön wär´s: Da ist mal wieder eine Baustelle auf dem Gehweg oder "Radweg", und es gibt dann regelmäßig wieder die noch altbekannte Radwegbenutzungspflicht. Weil es so schön eng ist auf dem Rad- und Gehweg, sollen zusätzlich auch noch die Radfahrer mit drauf. Doch das ist verboten. Ist die Radwegbenutzungspflicht einmal aufgehoben muss sie wegen einer Baustelle auf dem Gehweg oder Radweg nicht wieder angeordnet werden.

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Gleiche Baustelle wie oben aus der Gegenrichtung: Zusätzlich zur Einführung der Benutzungspflicht wird standardmäßig in Hamburg auch gleichzeitig fast immer das Geisterradeln an Baustellen angeordnet, auch wenn es ansonsten nicht erlaubt ist.

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Gleiche Stelle wie oben vor einem Monat: Die Beliebigkeit der Verkehrsanordnungen in Hamburg . . .

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Gleiche Baustelle wie oben, nur um die Hausecke herum in der Seitenstraße: Dort wurde anstelle VZ240 (Gemeinsamer Geh- und Radweg) das VZ239 (Gehweg) aufgestellt. Macht das alles noch irgendwelchen Sinn?
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Eppendorfer Landstraße: Die Benutzungspflicht wurde hier vor Jahren durch einen Rechtsstreit zwischen Radfahrern und der Innenbehörde aufgehoben, durch die Baustelle aber wieder eingeführt. Grober Unfug!
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Vorsetzen: Am Elberadweg bzw. dem Nordseeküstenradweg beginnt die Radwegbenutzungspflicht dort wo sie auch endet.
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Vor den St. Pauli Landungsbrücken, Veloroute 12, Elberadweg und Nordseeküstenradweg: Für wenige Meter gilt ein gemeinsamer Geh- und Radweg, anschließend gilt nur noch der Radweg ohne Gehweg. Füßgänger müssen entweder auf die Fahrbahn oder die linke Straßenseite. Dass überhaupt wieder an dieser Stelle wieder blaue Schilder stehen ist auch überraschend, hatte die örtlich zuständige Straßenverkehrsbehörde hier die Radwegbenutzungspflicht generell vor einigen Jahren aufgehoben wegen der Unverträglichkeit mit der Doppeldeckertouristenbushaltestelle direkt am Radweg unmittelbar hinter dieser Baustelle, und die Verkehrsdirektion beabsichtigte für den gesamten Straßenzug Palmaille - Berghstraße -St. Pauli Fischmarkt - Bei den St. Pauli Landungsbrücken - Johannisbollwerk - Vorsetzen - Otto-Sill-Brücke - Kajem - Beim Neuen Krahn - Bei den Mühren - Dovenfleet alle blauen Schilder abzuräumen.
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Neuer Pferdemarkt: Zwar haben hier die Radfahrer die Wahlfreiheit zwischen Benutzung der parallelen Nebenfahrbahn und dieses Radweges, aber wegen der Baustelle auf dem Gehweg neben diesem Radweg dürfen Radfahrer nicht mehr die von Bauarbeiten unberührte Nebenfahrbahn benutzen.
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Beim grünen Jäger: Nicht ernst zu nehmen der sogenannte "Radweg" für den Zweirichtungsverkehr in der Nebenfahrbahn Beim grünen Jäger neben der Hauptfahrbahn Neuer Pferdemarkt, wo der eigentliche Radweg verläuft, der zum Parkplatz umfunktioniert wurde. Siehe auch Die gemeine Hamburger Radwegbaustelle

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Gleiche Baustelle wie oben aus der Gegenrichtung mit "Radweg"

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Gleiche Baustelle: Der eigentliche Radweg rechts neben der Fahrbahn ist aus unerklärlichen Gründen abgesperrt, das Dauerparken wird dort von der Polizei geduldet.

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Kein Wunder: Radfahrer fahren dort lieber auf der Fahrbahn, wegen des "Radweges"

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Radweg als Parkplatz - Radfahrer notgedrungen auf der Fahrbahn

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Radweg wegen Baustelle als Parkplatz

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Bei dem "Radweg" ist es schließlich vollkommen egal, ob da nun noch ein Auto direkt davor steht. Unverständlich: Trotz meiner Eingabe bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde wurde die Absperrung auf dem eigentlichen fahrbahnnahen asphaltierten Radweg (links) nicht aufgehoben.

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Gleiche Stelle wie oben vor einigen Wochen noch mit dem nicht eingetütetem Radwegzeichen

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Baustelle auf dem beliebtem Radweg durch den Schanzenpark. Es gab keine Ausweichführung, kein Umleitung! Pech für Radler . . .

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Nachteilig für Fußgänger: Es gibt an der Baustelle keinen Gehweg!

Zwar verspricht die Hansestadt in der Radverkehrsstrategie von 2008 an Baustellen Radfahrer zukünftig besser zu behandeln, doch dieses Ziel hat Hamburg noch lange nicht erreicht. Den zuständigen Behörden und Sachbearbeitern wurde zwar eine gute Broschüre mit Handlungsempfehlungen für Baustellen an Geh- und Radwegen verteilt, aber offensichtlich wird diese Broschüre selten benutzt, oder aber die ausführenden Baufirmen werden nicht überwacht. Für die zuständigen Bauleiter der Baufirmen kann es jedoch Punkte im Flensburger Zentralregister geben, wenn sie andere Verkehrsteilnehmer mit unsinnigen und falschen Anordnungen gefährden.


Aus dem Fortschrittsbericht 2010 zur Radverkehrsstrategie für Hamburg:

Berücksichtigung des Radverkehrs an Baustellen
Hinsichtlich einer besseren Berücksichtigung des Radverkehrs an Baustellen und einer stärkeren
Kontrolle der Einhaltung von Regelplänen durch die Baufirmen hat die Zentrale Straßenverkehrsbehörde
der Verkehrsdirektion darauf hingewirkt, dass die örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörden
im Rahmen ihrer Zuständigkeit auf die Einhaltung der straßenverkehrsbehördlichen
Genehmigungen achten. Die Broschüre des Landes Nordrhein-Westfalen
„Baustellenabsicherung im Bereich von Geh- und Radwegen“ wurde den örtlichen
Straßenverkehrsbehörden zur Verfügung gestellt. (Seite 26)


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Kommentare:

  1. Und da dachte ich schon, die furchtbare Situation für Radfahrer an Großstadtbaustellen sei in Köln an Unfähigkeit, Unkenntnis und Gefährlichkeit nicht zu überbieten. Hamburg steht da ja auch ganz gut da. Wobei ich mich beim Betrachten dieser komforteinschränkenden und sinnlosen Baustellensicherungen immer frage, welchen Anteil die genehmigende Behörde und die ausführende Baufirma jeweils hat. Manche Beschilderungen wirken so, als ob man den Schilderrest mal eben vom Wagen nimmt.

    Eine Broschüre (oh, die kommt ja aus NRW) bedeutet noch keine gute Baustellensicherung. Und die Frage ist darüber hinaus noch, inwieweit überhaupt Kontrollen von Baustellen durch die Behörde durchgeführt werden. Wahrscheinlich ist das Verhältnis Personal:Baustellen nicht sehr gut. So muss man sich leider neben der Möglichkeit, Eingaben zu machen, mit den Sonntagsreden von Politikern und Behördenvertretern zur Anhebung des Radverkehrs zufrieden geben... Obwohl ich den Eindruck habe, dass die diversen Blogbeiträge zum Radverkehr doch von Verantwortlichen gelesen werden.

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