2. Februar 2013

Fahrradklima in Hamburg: Radverkehrsstrategie nicht spürbar

Bicycle friendlyness in Hamburg: Cycle strategy not perceptibly




Hamburgs Radfahrer haben abgestimmt: Die "Radverkehrsstrategie für Hamburg" ist noch nicht angekommen. Hamburgs Radfahrer bewerten ihr Radverkehrssystem unverändert mit gleicher Note wie schon 2005. Die bisherigen Bemühungen, die die Politik seit dem desaströsen Ergebnis beim ADFC Fahrradklima-Test vor sieben Jahren ergriffen hat, sind offenbar nicht ausreichend und nicht wahrnehmbar: Hamburg "verbesserte" sich nur um 0,04 Notenpunkte - von 4,44 auf 4,40!

2005 galt Hamburg als fahrradunfreundlichste Großstadt Deutschlands. Nach diesem Tiefpunkt besuchten Delegationen aus Politik und Administration die fahrradfreundliche Stadt Kiel, 2005 bundesweit an zweiter Stelle, sowie Berlin, ebenfalls eine Stadt, die eine Radverkehrsstrategie beschlossen hatte. Die Exkursionen führten später zur "Radverkehrsstrategie für Hamburg", die 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die folgenden beiden Regierungsumbildungen ergaben leider keine kontinuierliche Radverkehrsplanung, obwohl alle drei großen Bürgerschaftsparteien sich 2007 zur Radverkehrsstrategie bekannten. Derzeit ist die Umsetzung der Radverkehrsstrategie ins Stocken geraten. Seit der Verabschiedung vom Ziel, den Radverkehrsanteil bis 2015 auf die festgelegten 18% zu erhöhen, fehlt der Radverkehrsförderung in Hamburg jegliche Perspektive. Zwar gab es 2012 einige neue Radfahr- und Schutzstreifen, das Ausbauprogramm bleibt allerdings weit hinter den früheren Ankündigungen zurück.


Der Klimatest

Einzelergebnisse

Das Hauptärgernis für Hamburgs Radfahrer sind weiterhin unverändert Falschparker auf Radwegen (Note 5,38 - 2005: 5,37; 2003: 5,64). Nur in Wiesbaden (Note 5,41) gibt es dreistere Falschparker oder falschparkerfreundlicher eingestellte Polizisten als in Hamburg, die wenigsten Falschparker oder die beste Parkraumüberwachung hat es in Münster (Note 2,96).

Mangelhaft wurden zudem bewertet die unzureichende Breite der Radwege (5,37), erschütternde Oberflächen der Radwege (5,34), unangepasste Ampelschaltungen (5,26), fehlender Winterdienst auf Radwegen (5,22), seltene Reinigung der Radwege (5,16) und zahlreiche Hindernisse auf Radwegen (5,02).

Die beste Note gab es für das Fahrradleihsystem StadtRAD (1,97). Keine andere Stadt übertrifft Hamburg mit der Bewertung beim öffentlichen Leihfahrrad. Weitere Pluspunkte: Mit der Anzahl bislang geöffneter Einbahnstraßen (3,04) und der Fahrradmitnahme beim HVV (3,31) waren die Hamburger recht zufrieden. Bei der Fahrradmitnahme liegt Hamburg deutlich vor München (Note 4,52), Berlin (Note 4,87) und Köln (Note 4,35) und hat damit unter den Millionenstädten mit großen Schnellbahnnetzen den besten Platz.


Trends

Die Hamburger registrieren, dass in letzter Zeit mehr für den Radverkehr getan wird. 2005 gab es für die Förderung in jüngster Zeit noch die Note 5,26, 2012 konnte sich dies auf 4,81 verbessern. Dennoch gibt es weiterhin viele gravierende Mängel, die das Gesamtergebnis entspechend beeinflussten. Eine Trendwende ist bislang nicht eingetreten, trotz des überaus erfolgreichen Leihradsystems StadtRAD. Die wesentlichen Mängel liegen sowohl in der Unterhaltung der Infrastruktur (zugewachsene Radwege, Winterdienst, Falschparker), wie auch in der veralteten autogerechten Ausrichtung der Infrastruktur: Bonsairadwege, Hindernisse, autogerechte Ampelschaltungen, und die Konflikte mit Fußgängern und Kfz.


Metropolenvergleich

Unter den Millionenstädten liegt München vorn, gefolgt von Berlin, Köln und Hamburg als Schlußlicht. Während bei München und Berlin seit 2003 eine stete Verbesserung erkennbar ist, verharren Köln und Hamburg auf schlechtem Niveau.


Sieger und Verlierer

Gesamtsieger unter den Großstädten bleibt Münster (Note 2,61), wie bislang auch schon bei allen Tests seit 1988. Unter den Städten mit 100.000 - 200.000 Einwohnern führt Erlangen, bei den Kleinstädten wurde Bocholt Sieger mit der Bestnote 2,16.
Neu in die Wertung aufgenommen wurden Freiburg (Platz 2), Lörrach (Platz 6), aber z.B. auch Hagen (Note 4,54). Freiburg und der Aufsteiger Karlsruhe verdrängten Kiel vom zweiten Platz auf den vierten Platz. Den letzten Platz unter den Großstädten belegt nunmehr Wuppertal (Note 4,55).

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30. Januar 2013

Inflationsausgleich bei Bußgeldern

Inflation compensation with higher fines



Das Fehlverhalten der Radfahrer soll zukünftig teurer werden. Laut BILD soll der Bußgeldkatalog überarbeitet werden. Radfahrer hätten nach dem Entwurf fünf bis zehn Euro mehr für die meisten Vergehen zu begleichen. Bettina Cibulski, Sprecherin des ADFC, wertete die Erhöhung bei N24 als Inflationsausgleich. Seit 1989 seien die Bußgelder für Radfahrer nicht erhöht worden. Der heutige BILD-Artikel wirkt wieder sehr reisserisch mit den üblichen Schlagworten "Rad-Rambos" und "Rad-Rüpel", garniert mit einem entsprechend inszenierten Foto.




 Im Einzelnen sollen Radfahrer mit folgenden Verwarngeldern rechnen müssen:
  • Fahren auf dem Fußweg (je nach Situation): 10–20 statt bisher 5–20 Euro​
  • Nichtbenutzen der rechten Fahrbahn: 15–40 statt 10–35 Euro​
  • Nichtbenutzen des Radwegs: 20–35 statt 15–30 Euro​
  • Falsches Einbiegen in Einbahnstraße: 20–35 statt 15–30 Euro​
  • Fahren in Fußgängerzone: 15–30 statt 10–25 Euro​
  • Fahren ohne Licht: 20 statt 15 Euro.​

Autofahrer, die Radfahrer gefährden oder behindern, sollen künftig auch härter bestraft werden:
  • Auf Geh- oder Radwegen parken: 20–30 statt bisher 15–25 Euro​
  • Beim Ein- und Aussteigen nicht auf Radfahrer achten: 20 statt 10 Euro​
  • Auf einer Fahrradstraße/einem Radweg fahren: 15 statt 10 Euro.​





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27. Januar 2013

Fahrradstraße Chemnitzstraße?

Cycle street Chemnitzstraße?


Chemnitzstraße 2006
Chemnitzstraße zukünftig Fahrradstraße?


Erneut soll die Chemnitzstraße zu einer Fahrradstraße umgestaltet werden. Schon im Juli 2001 wurden die Gelder dafür bewilligt.

Im September wird mit dem Ausbau der Route von der Thadenstraße bis zum Othmarscher Kirchweg begonnen. Anschließend wird die Chemnitzstraße zu einer Fahrradstraße umfunktioniert. Schließlich wird an der Eulenstraße der Radweg auf die Straße verlegt. Für den Ausbau der Velorouten hat der Senat dem Bezirk Altona 3,5 Millionen Mark bewilligt. (Hamburger Abendblatt, 2001)

Der September 2001 läutete in Hamburg eine einschneidende Zäsur ein. Nach der Landtagswahl wurde die Verkehrspolitik komplett um 180° gedreht, der Autoverkehr war wieder der Maßstab alles Handelns unter der von SCHILL-Senator Mettbach regierten Baubehörde. Die Veloroute 1 wurde lediglich im Abschnitt Rathaus - Johannes-Brahms-Platz - Neuer Pferdemarkt 2002 fertiggestellt. Der Veloroutenbau wurde "qualifiziert" beendet. Auf Altonaer Gebiet bedeutete es das Aus für die Veloroute 1, trotz der vorab schon bewilligten Mittel. In der Chemnitzstraße blieb zunächst alles wie gehabt. Im April 2004 veröffentlichte die Baubehörde unter Senator Dr. Freytag (CDU) das Kartenwerk "Hamburgs Fahrradrouten", das das Veloroutennetzkonzept der rot-grünen Landesregierung als Alltagroutennetz in Kartenform weiterleben ließ. Entgegen Veloroutenstandards war jedoch die Fahrbahn der weiterhin angedachten Veloroute im Bereich der Schule zwischen Holstenstraße und Karl-Wollf-Straße zuvor gepflastert worden. Später wurde ein Teil der für Radfahrer unbequemen Aufplasterungskissen im Abschnitt zwischen Max-Brauer-Allee und Warmholtzstraße ausgebaut.

2013 wird erneut in Erwägung gezogen die Chemnitzstraße in eine Fahrradstraße umzuwandeln. Schafft Hamburg es beim zweiten Anlauf tatsächlich?


Fahrradstraßen in Hamburg

1997 ließ Bausenator Wagner (SPD) unter Bürgermeister Voscherau werbewirksam die erste Fahrradstraße Hamburgs wenige Wochen vor der bevorstehenden Wahl in der Bornstraße einrichten. 1998 folgte unter dem rot-grünen Senat der heftig umstrittene Umbau des Grindelhofs - heute redet niemand mehr darüber. Weitere Fahrradstraßenabschnitte folgten ab 1999 in der Rutschbahn und Heinrich-Barth-Straße im Verlauf der heutigen Veloroute 3 (Rathaus - Uni - Eimsbüttel - Lokstedt). Heute ist die Bornstraße nicht mehr Teil der Veloroute 3, diese wurde 2001 verlegt über Schlüterstraße zum Rathaus.

2012 wurde ein längerer Fahrradstraßenabschnitt im Verlauf der zukünftigen Veloroute 6 am Eilbekkanal in Barmbek Süd entlang der Uferstraße, Von-Essen-Straße und Lortzingstraße vorbildlich eingerichtet. Ein weiterer Abschnitt am Leinpfad entlang der geplanten Veloroute 4 (Rathaus - Harvestehuder Weg - Krugkoppel) wurde 2012 von den Bezirkspolitikern zunächst zurückgestellt. Der Autoverkehr sollte dort nicht benachteiligt werden.



Fahrradstraße Lortzingstraße
2012: Fahrradstraße Lortzingstraße
Fahrradstraße Rutschbahn
2001: Fahrradstraße Rutschbahn
Fahrradstraße Bornstraße
1999: Fahrradstraße Bornstraße wird Veloroute 3
Fahrradstraße Bornstraße
1997: Erste Fahrradstraße in der Bornatraße



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26. Januar 2013

Eine reale Gefahr auf der Straße: Aggressive Autofahrer

Real danger on street: Aggressive car drivers


Aggression
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Radfahrer erleben recht häufig unangenehme und zum Teil auch gefährliche Situationen mit anderen Verkehrsteilnehmern. Gefährlich vor allem, weil Radfahrer keine Schutzhülle um sich herum mitführen. Unfallforscher vom Gesamtverband der Versicherer (GDV) haben sich mit aggressiven Autofahrern beschäftigt.

Denn was aggressive Fahrer so gefährlich macht: „Sie verfügen zur Durchsetzung eigener Interessen eine frei zugängliche Tatwaffe mit erheblicher Masse und Bewegungsenergie“, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann vom GDV. 

Besonders gefährlich können gehemmte Autofahrer werden, die ihren Frust am Steuer kompensieren.

Wer sich über sein Auto definiere, neige zu aggressivem Verhalten im Straßenverkehr, sagt Karl-Friedrich Voss vom Vorstand des Bundesverbandes niedergelassener Verkehrspsychologen. Das Auto sei für sie eine Art Kompensationsmittel, weil in anderen Bereichen Erfolge fehlten.

Sicherlich läßt sich das gleiche Verhaltensmuster auch auf Radfahrer übertragen, nur hat der Radfahrer nicht die durchschnittlich 1,5 Tonnen Masse zur Verfügung, die andere Verkehrsteilnehmer als Waffe einsetzen und Menschen real gefährden.


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25. Januar 2013

Verkehrsgerichtstag - Tag der Radfahrerverunglimpfung


Konfliktfeld "Radweg"


In Deutschland ist es leider sehr populär Radfahrer als die absolut Bösen im Straßenverkehr an den Pranger zu stellen. In Goslar gab es mal wieder den Verkehrsgerichtstag, und wie üblich wurde dort wie nahezu jedes Jahr eine Radfahrerhasswelle losgetreten. Verursacher war dieses Jahr nicht Herr Ramsauer, sondern Kay Nehm, der Präsident der Veranstaltung.

Die Hasswelle brandete nun auch in Hamburg an. Wer sich den Tag nicht vermiesen will angesichts der vielen populistischen Hassartikel, dem seien zwei ausgewogene und realitätstreue Artikel aus dem Hamburger Abendblatt und der ZEIT empfohlen.

Nicht die Radfahrer sind das Problem im Straßenverkehr, sondern die Schikanen, mit denen Radfahrer (und auch Fußgänger) im Straßenverkehr leben sollen. Die Infrastruktur ist nicht an Rad-"Verkehr" ausgerichtet, die "Radwege" sind auf Konflikte mit Fußgängern programmiert. Unsichtbare "Radwege", fehlende Aufstellflächen für Radfahrer und Fußgänger vor den Ampeln, Slalomradwege, Radwege als Mülllagerflächen, Bonsai-"Radwege", "Radwege", die urplötzlich im Nichts enden, zudem Parkplätze, Geschäftsauslagen und Straßencafés auf den Gehwegen neben den "Radwegen" führen zwangsläufig zu Konflikten, die nicht Radfahrer verursachen, sondern Rüpel-Planer und Rüpel-Politiker. Geschürt wird der Populismus zudem von Autofahrern mit einer fragwürdigen Doppelmoral, die die eigenen Verkehrsregeln selbst nicht einmal so genau kennen oder genau nehmen.


Konfliktfeld "Radweg"
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Konfliktfeld "Radweg"
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Konfilktfeld "Radweg"
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Konfliktfeld "Radweg"
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