14 Dezember, 2014

Fehlplanung Veloroute: Radler am Harvestehuder Weg werden ausgebremst

"Improved" cycle route: Cyclists along Harvestehuder Weg have to slow down

© hamburgize.com / Stefan Warda
Große Aufmerksamkeit erregt der Umbau des Harvestehuders Weg


Enttäuschend ist das Ergebnis der neuen "Fahrradstraße" am Harvestehuder Weg im Verlauf der Veloroute 4 ausgefallen. Anstelle dort den Radverkehr zu beschleunigen wurde dieser nun ausgebremst. Der Harvestehuder Weg, auf dem vor dem Umbau regelär Tempo 50 galt, wurde zu einer verkehrsberuhigten Tempo 30-Zone mit zahlreichen Einengungen und Autoparkplätzen auf der "Fahrradstraße" umgebaut. An den in dichter Folge eingerichteten einengenden Parkbuchten auf der Fahrbahn staut sich der gesamte Verkehr. Selbst Radler müssen nun absteigen und den entgegenkommenden Verkehr passieren lassen, während sie zuvor auf dem Radweg freie Fahrt hatten. Dass Fahrradstraßen nicht durch Parkplätze auf der Fahrbahn verkehrsberuhigt oder blockiert werden müssen, zeigen andere Städte.


Autostraße oder Fahrradstraße?

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Rechts neben der Fahrbahn war vor dem Umbau Platz für Stehzeuge. Das Gehwegparken wurde komplett aufgehoben und auf die Fahrbahn verlegt, um den Verkehr auszubremsen - leider auch den Radverkehr

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Die Stehzeugfelder in dichter Folge zwingen bei stetem Gegenverkehr zu Slalomfahren und Stop and Go

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Starke Nerven brauchen Radler auch beim Passieren der Stehzeuge Richtung Süden. Wer nicht mittig auf der Restfahrbahn fährt riskiert ohne ausreichenden Abstand von Autos überholt zu werden. Und wer Richtung Norden nicht mittig fährt muss sich entgegenkommende Drängler gefallen lassen. Ein entspanntes Radeln auf einer Hauptroute für Radler geht anders.


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Unangenehmes knappes Überholen neben den Stehzeugen

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Drängeln an den Stehzeugfeldern
 

Göttingen: Die Fahrradstraßenabschnitte im Verlauf des E-Radschnellwegs zwischen dem Hauptcampus und dem Campus Nord sind nicht durch Parkplätze blockiert.


Freie Fahrt auf der Fahrradstraße

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Nijmegen: Die Fahrradstraße im Verlauf des Radwegs Arnhem - Nijmegen im Ortsteil Nijmegen-Lent ist ohne behindernde Parkplätze auf der Fahrbahn eingerichtet. Selbst der Buslinienverkehr stört den Radverkehrsfluss nicht.


Freie Fahrt auf der Fahrradstraße

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Fietsstraat: Entspanntes Radeln ohne Engpässe für Radler jeden Alters



Hamburg: Die Fahrradstraße entlang Uferstraße, Von-Essen-Straße und Lortzingstraße für die zukünftige Veloroute 6 hat eine ausreichend breite Fahrgasse, die für den dortigen Verkehr - im Gegensatz zum Harvestehuder Weg ohne regelmäßigen Buslinienverkehr - angemessen breit ist.


Freie Fahrt auf der Fahrradstraße

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Der frühere Radweg neben dem Harvestehuder Weg im Alstervorland ist derzeit gesperrt und soll noch diesen Monat zurückgebaut werden. Radler sind fortan gezwungen sich ihre neue "Fahrradstraße" mit stauenden Autos zu teilen. Gelegenheitsradler, die ihr Fahrrad ab und an bei Schönwetter mal aus dem Keller für eine Runde um die Alster holen, werden nicht begeistert sein. Hoffentlich sehen die Planer diesen Fehler ein und korrigieren den Harvestehuder Weg zu einer echten Fahrradstraße, die diese Bezeichnung wahrhaft verdient.



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1 Kommentar:

  1. Menschenjagd auf der Fahrradstraße

    Erschütterndes ist mir heute auf der neuen Fahrradstraße widerfahren. Ich war per Fahrrad mit knapp Tempo 30 Richtung Norden unterwegs, als hinter mir ein ungeduldiger Autofahrer auftauchte. Durch ständiges Drängeln und dichtes Auffahren versuchte der Fahrer Platz für ein Überholmanöver an dieser viel zu engen Stelle zu erpressen. Doch ich behielt zunächst die Ruhe und fuhr ungebremst mit 1m Sicherheitsabstand zum Bordstein (meiner Knautschzone) weiter. Als ich sah, dass aus der Gegenrichtung andere Radfahrer kamen und der Drängler hinter mir zum Überholen ansetzen wollte (was eventuell einen Frontalzusammenstoß verursacht hätte), schloss ich die Lücke, um das Überholmanöver zu unterbinden und damit die mir entgegenkommenden Radfahrer zu schützen.

    10 Meter später auf Höhe einer der vielen Parkbuchten quetschte sich der Drängler dann doch zwischen mir, den parkenden Autos und den bedrohlich näher kommenden Bordstein durch. Zwischen meinem Lenker und seinen Außenspiegel blieb keine Handbreit Platz. Aus Wut, Panik und Verzweiflung stieß ich mit meinem Fuß an dessen Beifahrertür. Die Hände brauchte ich in diesem Moment, um mein Rad unter Kontrolle zu halten.
    Dies brachte die Raserei des Dränglers auf einen Höhepunkt. In seiner wütenden Reaktion konnte ich erkennen, dass er es "ernst mein". Ich floh über eine Einbahnstraße (die für Radfahrer in Gegenrichtung freigegeben ist) - er folgte mir. In der Nähe ist meine Arbeitsstätte, also floh ich in die Tiefgarage - doch er folgte mir weiter. Durch einen glücklichen Zufall war die Zufahrt in diesem Moment für PKW durch einen Falschparker versperrt, daher wähnte ich mich in Sicherheit. Doch der Drängler verschaffte sich Zugang zum Treppenhaus und folgte mir zu Fuss in die Tiefgarage.
    Als er mich schließlich stellte, pochte mein Herz meine Hände zitterten. Ich ließ es mir nicht anmerken und versuchte tonbandgleich Mindestabstände und Gefährdungen wiederzugeben.

    Auf einmal ließ der Mann ab. Vielleicht lag es an den Kollegen, die durch das Treppenhaus zu hören waren. Vielleicht wurde dem Mann sein Fehler bewusst. Vielleicht ließ er sich durch meine gespielte Selbstsicherheit beeindrucken. Auf jeden Fall bin ich dankbar, dass ich nicht zum ersten Märtyrer der neuen Fahrradstraße geworden bin.

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