17 März, 2011

Radverkehr jetzt Wirtschaftsverkehr

Neuer Verkehrssenator: Sehen Hamburgs Radfahrer demnächst mehr ROT?
Hamburgs Verkehrsressort ist unter der neuen Scholz-Regierung dem Wirtschaftssenator unterstellt worden. Zuvor waren Verkehr, Stadtentwicklung und Umwelt in einer Behörde zusammengefasst. Angesichts der Auszeichnung als Umwelthauptstadt, die vor allem auch wegen des Versprechens den Stadtverkehr mittels Stadtbahn und einem zu stärkendem Radverkehr zu verbessern verdient wurde,  scheint die Neuausrichtung des Verkehrs sonderbar. Der Gedanke der Umwelthauptstadt scheint mit der Neuorientierung des Verkehrs weniger ernsthaft verfolgt zu werden. Geleitet wird die Verkehrs- und Wirtschaftsbehörde von Frank Horch, von 2008 bis 2011 Präses der Handelskammer.

Radfahrer haben es bislang oft nicht gerade einfach . . .

Im Dezember 2010 stellte die Handelskammer unter Präses Horch ihr Leitbild "Hamburg 2030 - Ein Projekt der Handelskammer Hamburg" vor. Hamburg soll demnach 2030 "umweltfreundlichste Stadt Europas" sein, Transrapidstrecken werden Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet verbinden. Es soll aber auch mehr Radwege geben: "Hamburg hat das dichteste Radwegenetz in Europa nach den Niederlanden." Wie Kenner der Hamburger Radwege wissen sagt die nackte Zahl der Radwegkilometer gar nichts aus über die Qualität und Benutzbarkeit. Schon für die Bewerbung um den Titel "Umwelthauptstadt" durfte Hamburg mit 1800 km eher schlechten und überwiegend unbenutzbaren Radwegen punkten, die sich wohl kein EU-Experte aus Brüssel je angesehen hatte. Weiterhin soll der Ring 3 durchgehend vierspurig ausgebaut sein, das Ampelnetz vollständig verkehrsabhängig gesteuert sein (autoverkehrsabhängig mit den bekannten Bettelampeln?). Der Anteil des ÖVs im Stadtgebiet soll von 18% in 2008 auf 23% in 2030 gesteigert werden.


Mehr Bettelampeln für Hamburgs Radfahrer?
Soweit die Handelskammervisionen. Bleibt die Radverkehrsstrategie zukünftig nur ein Lippenbekenntnis und geraten Radfahrstreifenplanungen fortan unter die Containerlaster-Räder? Gibt es mehr Zwangsradwege wegen mehr Räumzeitenvorteilen für den Kfz-Verkehr an Kreuzungen? Muss sich der Radverkehr noch mehr als bisher dem Autoverkehrsfluss anpassen? Hamburg ist schließlich dafür bekannt bis zur ersten rot-grünen Landesregierung 30 Jahre lang konsequent autogerechte Radwegeinfrastruktur gebaut zu haben.   

Andererseits könnte jetzt endlich mal neu definiert werden, was in Hamburg als Wirtschaftsverkehr zählt. Für die Handelskammer galt der Einkauf einer Tüte Milch mit dem Auto vor einigen Jahren noch grundsätzlich als Wirtschaftsverkehr, der Milchtüteneinkauf mit dem Fahrrad allerdings nur als Freizeitverkehr, und der galt als unbedeutend und durfte keinen Platz in dieser Stadt haben. Der Streit um das erste Veloroutennetzkonzept vor dem Jahre 2001 ist einigen Insidern sicherlich noch bekannt.

Wirtschaftsförderung: Mehr Drive-In-Stationen für Radfahrer?
Wirtschaftsförderung: Mehr Drive-In-Stationen für Radfahrer?

Wirtschaftsförderung: Mehr Drive-In-Stationen für Radfahrer?
Wirtschaftsförderung: Mehr Drive-In-Stationen für Radfahrer?


Wirtschaftsförderung: Mehr Drive-In-Stationen für Radfahrer? 

1 Kommentar:

  1. Für alle Radwege, die ich auf den Bildern sehen kann, dürfte die Anordnung der Benutzungspflicht rechtswidrig sein. Warum also sollte man sich diese "Radwege" als Radfahrer antun?
    Diese Art der Zuteilung von Verkehrswegen erinnert an eine Armenspeisung: Wenn alle "wichtigen" Menschen satt sind, wird was übrig ist an die Armen verteilt.
    Fazit: Radverkehr gehört grundsätzlich auf die Fahrbahn! Weg mit diesen albernen roten Pflastersteinen auf/neben dem Gehweg!

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