22 August, 2016

Hagen baut Gefährdungsstreifennetz aus

Hagen: More endangering lanes


Hagen, Enneper Straße / Martinstraße: Der Gefährdungsstreifen hat dort eine Breite von 1,12 Metern - © Stefan Warda



Die Stadt Hagen setzt weiter auf Gefährdungsstreifen. Auf der Enneper Straße wurden im Verlauf der ehemaligen B7, der heutigen L700, die schon bestehenden Gefährdungsstreifen um weitere rund 500 Meter in Richtung Stadtgrenze (Vogelsang / Gevelsberg) verlängert. Die Stadt Hagen begann im letzten Jahr mit der Anlage von Gefährdungsstreifen auf dem Straßenzug Kölner Straße / Enneper Straße. Mittlerweile sind diese nun durchgehend von Niederhaspe bis zum Evangelischen Gemeindehaus Westerbauer (An der Wacht) eingerichtet.


Hagen, Enneper Straße 54: Zwischenzustand nach Auftragung der ersten Teilstrecke der Gefährdungsstreifen 2015 - © Stefan Warda

Hagen, Enneper Straße 54: Zustand nach Verlängerung der Gefährdungsstreifen - © Stefan Warda

Hagen, Enneper Straße 74: Die Breite des Gefährdungsstreifen einschließlich des Sicherheitsstreifens zu den Stehzeugen beträgt 1,76 Meter - © Stefan Warda

Hagen, Enneper Straße 43 vor der Markierung der Gefährdungsstreifen - © Stefan Warda

Hagen, Enneper Straße 43 seit Verlängerung der Gefährdungsstreifen bis Westerbauer Gemeindehaus -  © Stefan Warda

Die vor wenigen Wochen in der Enneper Straße ergänzten Gefährdungsstreifen haben eine Breite von 1,12 bis 1,36 Metern neben dem Hochbord, neben Stehzeugen eine Mindestbreite von 1,26 Metern, bei Stehzeugen jedoch überwiegend eine Breite von 1,75 Metern inklusive eines Sicherheitsstreifens zu den angrenzenden Stehzeugen. Mit den Abweichungen vom Mindestmaß für sog. "Schutzstreifen" gemäß der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 2010) setzt die Stadt Hagen bewußt auf Konfrontation und Gefährdung der Radfahrer durch aggressive Autofahrer. An der Filiale der Stadtsparkasse mit regem Parkwechselverkehr wurde auf einen Sicherheitsstreifen zwischen Stehzeugen und "Schutzstreifen" verzichtet. Laut den ERA sollen "Schutzstreifen" in der Regel 1,50 Meter, mindestens jedoch 1,25 Meter breit sein. Neben Stehzeugen soll der "Schutzstreifen" jedoch mindestens 1,5 Meter breit sein.

Bei angrenzenden Längsparkstreifen soll bei häufigem Parkwechsel ein Sicherheitstrennstreifen von 0,5 Metern erkennbar sein. Dieser soll baulich oder durch Markierung hergestellt werden. Bei wenigern Parkvorgängen und beengten straßenräumlichen Situationen kann der Schutzstreifen einschließlich Sicherheitsraum 1,50 Meter breit sein. Der Sicherheitsraum muss dann nicht baulich oder durch Markierung ausgebildet sein.


Bei einer Gesamtbreite des Hagener Gefährdungsstreifens zwischen Stehzeugen und restlicher Fahrbahn von nur 1,26 Metern werden Radfahrer quasi in die Dooringzone gezwungen. Radfahrer, die der Dooringzone freiwillig ausweichen wollen, weil sie den notwendigen Sicherheitsabstand zu Stehzeugen von wenigstens einem Meter einhalten wollen, werden u.U. von motorisierten Platzhirschen in bekannter Form "begrüßt": Hupen, Drängeln, Überholen ohne ausreichenden Seitenabstand, usw . . .


Hagen, Enneper Straße 86: Der Gefährdungsstreifen hat nur einen Breite von 1,26 Metern - © Stefan Warda

Hagen, Enneper Straße 86: Die Breite des Gefährdungsstreifens inklusive Strichlinie beträgt 1,26 Metern. Radfahrer dürfen dort nur 0,26 Meter breit sein, wenn sie den geforderten Seitenabstand zu den Stehzeugeh einhalten wollen - © Stefan Warda

Hagen, Kreuzung Enneper Straße / Martinstraße vor Umbau - © Stefan Warda

Hagen, Kreuzung Enneper Straße / Martinstraße nach Umbau mit Gefährdungsstreifen - © Stefan Warda

Hagen, Enneper Straße / Martinstraße: Die Breite des Gefährdungsstreifen beträgt statt 1,5 Meter nur 1,12 Meter. selbst das Mindestmaß von 1,25 Metern wird unterschritten - © Stefan Warda



Das größte Problem der "Schutzstreifen" auf der vierspurigen Hauptverkehrsstraße: Gerne werden Radfahrer auf den Gefährdungsstreifen von zwei parallel nebeneinander fahrenden Autos ohne den notwendigen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern überholt. Je höher die Verkehrsbelastung, desto mehr aggressive Überholvorgänge. Leider vermitteln die Gefährdungsstreifen uneinsichtigen Autofahrern Radfahrer ohne ausreichenden Seitenabstand zu passieren.


Hagen, Kölner Straße / Rundturnhalle - © Stefan Warda

Hagen, Kölner Straße / Niederhaspe: Ungeniert wurde dort der Testfahrer ohne ausreichenden Seitenabstand überholt - © Stefan Warda

Auf Gevelsberger Seite der L700 entstehen unmittelbar hinter der Stadtgrenze neue Radwege. Dort hat die Straße allerdings keinen vierspurigen Ausbau wie auf der Hagener Seite.


Gevelsberg, Hagener Straße kurz vor der Stadtgrenze vor dem Umbau - © Stefan Warda

Gevelsberg, Hagener Straße kurz vor der Stadtgrenze während des noch andauernden Umbaus. Ein Radweg ist schon erkennbar - © Stefan Warda

Für die Stadt Hagen sollen Gefährdungsstreifen ein wichtiger Baustein sein, um das in Hagen bislang vollkommen unpopuläre Radfahren attraktiver zu machen.




Mehr . . . / More . . . :
.

Kommentare:

  1. Das... Ich... Da finde ich keine Worte. In Hagen müssen Fahrrad-Hasser am Werk sein.

    AntwortenLöschen
  2. Sehr guter Beitrag.

    Ich verstehe nicht das Bedürfnis auf vierspurigen Hauptverkehrsstraßen zusätzlich noch das Parken ermöglichen zu müssen. Entweder man verzichtet auf eine Fahrspur für den Kraftverkehr oder es müssen eben die Parkstreifen verschwinden. Wenn ausreichend Platz vorhanden ist, dann kann man ja gerne auch noch geparkt werden. Ist hier aber nicht.

    Und auch meine eigene Erfahrung ist, dass man hier als Radfahrer ohne den Schutzstreifen sicherer unterwegs ist. Viele Kraftfahrer halten diesen für einen eigenen Fahrstreifen, den der Radfahrer auf keinen Fall verlassen darf. Tut man es dennoch, ist man quasi zum Abschuss frei gegeben. Ohne den Streifen wird es eher toleriert, wenn man "mal weiter vom Bordstein entfernt fährt".

    Christoph

    AntwortenLöschen
  3. Das ist hier in der Region etablierter Standard, genauso wie die Verwunderung etabliert ist, warum der Radverkehrsanteil nicht steigt, obwohl man Schutzstreifen und gepflasterte, kurvenreiche Gehwegradwege baut. Gegen alle regionalen Konventionen ist, dass in Gevelsberg eine visuelle und haptische Trennung vorgesehen ist zwischen Gehweg und Holperpiste.

    AntwortenLöschen
  4. Manchmal frag ich mich, was sich die "Planer" dabei denken.(Meine Vermutung: Fördergelder). Den Planern sollte auferlegt werden, diese "Radwege" regelmäßig selbst zu benutzen.
    in der Zwischenzeit muss man sich halt dadurch behelfen, dass man Besenstiele (natürlich mit entsprechender Kennzeichnung) quer auf dem Gepäckträger transportiert. [url]http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/597169/osnabrucks-autofahrer-halten-abstand-zu-radfahrern-nicht-ein#gallery&0&1&597169[/url]

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Diese "Schutz"-streifen sind gemeingefährlich und zeugen entweder von Verkehrsplanern, die keine Ahnung von ihrem Beruf haben oder davon, dass sie Verletzte und Tote billigend in Kauf nehmen! Würde ich Hagen wohnen und diese Straße benutzen, hätte die Behörde umgehend eine Klage am Hals!

      Die Rechtsprechung fordert von Radfahrenden einen Abstand zu parkenden Fahrzeugen, der so bemessen sit, dass sie sich durch plötzlich geöffnete Autotüren nicht in Gefahr begeben. Als Richtwert gilt ein Meter.

      Löschen
  5. Michael Schröder25 August, 2016 21:10

    Es ist ein treffender Bericht, der die Problematik solch enger Streifen gut beschreibt. Auch der Hagener Blog Doppelwacholder hat auf deinen Artikel hingewiesen.
    Leider ist zu befürchten, dass noch weitere Straßen verschlimmbessert werden. Leider!

    AntwortenLöschen