10. Juli 2016

Seltsam: "Radschnellweg" Ruhr soll in Mülheim Langsamfahrstrecke erhalten

Strange: High speed cycle track to be slowed down in Mülheim


Mülheim, Rheinische Bahn: Vorlaufbetrieb für den RS1 - © Stefan Warda


Die Fachwelt und das gesamte Ruhrgebiet erwarten sehnsüchtig den Eröffnungstermin des ersten städteverbindenden Radschnellwegs in Deutschland. Der Radschnellweg Ruhr, so der offizielle Titel, soll mehrere Großstädte im größten Ballungsraum Deutschlands miteinander verbinden. Auf einer Strecke von rund einhundert Kilometern sollen die Städte Duisburg, Mülheim, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Kamen, Unna, Bergkamen und Hamm miteinander verbunden werden. Ein erster Abschnitt zwischen Mülheim und Essen wurde schon im Vorlaufbetrieb eröffnet. Seitdem pilgern Radverkehrsexperten und Kommunalvertreter aus aller Welt ins Ruhrgebiet, um zu stauen und sich zu informieren.


Mülheim, Rheinische Bahn: Vorlaufbetrieb für den RS1 - © Stefan Warda


Mülheim, Rheinische Bahn: Vorlaufbetrieb für den RS1 - © Stefan Warda


Ansonsten hat das Ruhrgebeit wenig Erbauliches zum Thema Alltagsradverkehr zu bieten, abgesehen von Radverbindungen auf ehemaligen Bahntrassen, die jedoch eher auf touristische bzw. Freizeit-Bedürfnisse zugeschnitten sind. Auch der "Radschnellweg Ruhr" soll weitgehend auf der Trasse einer ehemals zweigleisig ausgebauten Bahnlinie entstehen, jedoch den Bedürfnissen des Alltagsradverkehrs angepasst werden. Er soll Pendler, die die parallele Autobahn A40 ("Ruhrschnellweg"), die täglich verstopft ist, nutzen, zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad bewegen.  Und er soll den Menschen im Ruhrgebiet die Augen öffnen und zeigen, welche Potentiale der Radverkehr haben kann. Vorbilder aus den Niederlanden oder auch der Metropolregion um Kopenhagen zeigen, wie erfolgreich Radschnellwegeverbindungen sein können.


Mülheim, Rheinische Bahn: Derzeitiges Ende der Ausbaustrecke nahe des Hauptbahnhofs - © Stefan Warda


Mülheim, Rheinische Bahn: Rampe am Ausbauende zur Max-Kölges-Straße - © Stefan Warda


Eine Besonderheit wird der "Radschnellweg" jedoch in Mülheim aufweisen. Auf den Bahnbögen zwischen Hauptbahnhof und der Ruhr soll es keinen Radschnellweg auf der Radschnellwegtrasse geben, sondern eine "Promenade". Laut eines NRZ-Berichtes steht für den Promenadenabschnitt im Verlauf des geplanten Radschnellwegs das Verweilen und Genießen im Vordergrund.
Obwohl sie Teil des Radschnellweges ist, wird dieser Abschnitt als Langsamfahrstrecke angelegt. Das war die Voraussetzung, für das Projekt Zuschüsse aus dem Topf der Städtebauförderung zu bekommen. „Durchbrettern ist auf der Promenade nicht erwünscht“, erläuterte Roland Jansen bereits letztes Jahr in der Bezirksvertretung 1.
„Der Radschnellweg hört an der Rampe am Hauptbahnhof auf. Die exzellente Lage auf dem Viadukt hat im Bereich der Innenstadt Promenadencharakter“, betonte der Abteilungsleiter für Straßen und Verkehrsplanung. „Man soll dort auch verweilen und den Ausblick in die Stadt genießen können“, fügte Felix Blasch, stellvertretender Leiter im Planungsamt, hinzu.
Weil Radler auf der Promenade langsam fahren müssen, gibt es in regelmäßigen Abständen Markierungen auf der Fahrbahn, die zum Abbremsen anhalten sollen. Beteiligte Architekten und Planer setzen „in dem sensiblen Bereich auf gegenseitiges Rücksichtnehmen“.
Einige Ortspolitiker befürchten Konflikte neben den Sitzbänken zwischen rasenden Radlern und Fußgängern, „weil es doch ein Radschnellweg ist“. Aufeinander Rücksicht zu nehmen, wird zu den Lernprozessen auf der neuen Promenade gehören, ergänzen die Planer.


Die Fahrradschlange (Cykelslangen), Kopenhagens Radschnellverbindung über dem Gaswerkshafen, die einen spektakulären Ausblick über den Hafen Richtung Altstadt bietet, bleibt dagegen einzig den Radfahrern vorbehalten. Für Fußgänger gibt es dort alternative Wegeverbindungen. So bleibt die Fahrradschlange von Konflikten mit Fußgängern, die sich auf der Brücke aufhalten wollen, um die Aussicht zu geniessen oder sich selbst dort fotografieren wollen, verschont. Zusätzlich zu den Radwegzeichen wurden einige Zeit später Fußgängerverbotszeichen angebracht.


Kopenhagen, Cykelslangen - © Stefan Warda



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Kommentare:

  1. Man stelle sich mal vor: Auf dem RS1 gilt an den Auffahrten rechts vor links.

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  2. Ziemlich dämlich.. das ist ja so als ob man auf der A3 auf der linken Spur Parkplätze einrichten möchte und sich dann wundert wenn es zu Unfällen kommt! Der zügige Rad-Verkehr muss natürlich von den Sitzbänken getrennt werden. Das wird nie funktionieren. So wie am Baldeneysee, da klappt das mit der Rücksicht auch nur mäßig.

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  3. Ruhrgebiet bekommt es einfach nicht hin ... schade

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  4. Kommunalpolitiker sind häufig einfach Diebe. Da sollen auch 'mal Mittel zur Neugestaltung von Innenstädten für Parkplätze zweckentfremdet werden, wenn die Bezirksregierung das ablehnt, wird doch zumindest dafür gesorgt, dass am Sonntag in der Fußgängerzone vor der Kirche geparkt werden kann.

    Am Rheinufer in Düsseldorf gibt es auch einen "Radweg". Der ist unterbrochen durch eine Fußgängerzone "Fahrrad frei" und häufiger Ort für Veranstaltung als Radweg. Und wenn gerade kein Trödel/Büchermarkt/Whatever ist laufen dort Fußgänger. Der Radweg sieht ja auch genauso aus wie der Gehweg. Es verläuft auch kein durchgehender Radweg parallel. Wahrscheinlich Landesmittel abgegriffen um sich 'ne nette Uferpromenade zu gönnen. Ein paar hundert Meter weiter ist das Rheinufer ein Parkplatz ...
    Im Park südlich des Landtages herrscht reger Kraftverkehr. Wasserschutzpolizisten parken ihre privaten KFZ im Park, jeder der ein Nummernschild am Fahrzeug hat, scheint irgendeine Ausnahmegenehmigung zu haben.

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