28. April 2015

Altonas kuriose Fußgängerzonen

New pedestrian zone in Altona
Aktualisiert um 23:18

© hamburgize.com / Stefan Warda
Fußgängerzone Altonaer Poststraße

Altonaer Poststraße und Bugdahnstraße

Vor wenigen Monaten wurde Altonas Zentrum durch eine neue Fußgängerzone bereichert. Ein Abschnitt der Altonaer Poststraße, eben genau vor der Altonaer Post, und ein kurzes Stück der Bugdahnstraße wurden mit Zeichen 242 ausgestattet. Der Straßenraum war zuvor umgestaltet worden. Mittig gibt es eine Fahrgasse, auf Bordsteine wurde aber verzichtet. Die Gestaltung erinnert an das bekannte Shard-Space-Beispiel aus Bohmte in Niedersachen. Nur in Altona soll es irgendwie als Fußgängerzone dienen. Aus Richtung Jessenstraße gab es eine Freigabe für Lieferverkehr von 23 Uhr bis 11 Uhr freigegeben, dagegen war der Radverkehr nicht einmal im Zeitraum der gestatteten Belieferungen freigegeben. Für eine "Fahrradstadt", wie Hamburg es derzeit werden möchte, war diese Regelung eher unverständlich.


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Mittlerweile keine Fußgängerzone

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Aus Richtung Bugdahnstraße gilt hier immer noch endlos weiter die Fußgängerzone . . .


Aus Richtung Bugdahnstraße gilt bis heute eindeutig Fußgängerzone ohne jegliche Ausnahmen. Da aber an der Ecke Lawaetzweg / Altonaer Poststraße die Verkehrszeichen 242 vor einigen Tagen entfernt wurden, handelt es sich aus dieser Fahrtrichtung nicht mehr um eine Fußgängerzone. Aus Richtung Bugdahnstraße kommend gilt die Fußgängerzone aber unverändert und wird nirgends mehr aufgehoben. Zumindest Fußgänger müssten demnach darauf vertrauen können, dass auch in den übrigen Straßen rund um die Altonaer Post unverändert eine Fußgängerzone besteht, auch wenn die Straßenraumgestaltung dies nicht unbedingt vermittelt. Andererseits gibt es in Deutschland auch Beispiele für Fußgängerzonen, die Bordsteine haben und eher wie übliche Straßenräume mit Trennung für Fahrverkehr und Fußverkehr gestaltet sind. Als Beispiel die Dienerstraße und Residenzstraße in München.


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Bugdahnstraße: Weiterhin Fußgängerzone


Mit der Akzeptanz der neuen Fußgängerzone haperte es allerdings von Anfang an. Sowohl fand dort Lieferverkehr außerhalb des gestatteten Lieferzeitraums statt, Radfahrer nahmen die Fußgängerzone auch nicht vollkommen ernst, aber vor allem fuhren und fahren immer noch Autos von der Bugdahnstraße in die Altonaer Poststraße durch die Fußgängerzone.

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Regelwidriger Lieferverkehr in der Fußgängerzone zwischen 11 und 23 Uhr, regelwidriger Radverkehr

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Autofahrer haben die Fußgängerzone von Anfang bis heute sehr frei interpretiert

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Bugdahnstraße: Immer noch Fußgängerzone!

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Neue Große Bergstraße

Gleich um die Ecke befindet sich die Neue Große Bergstraße, die in der Wiederaufbauzeit entstandene neue Fußgängerzone Altonas. Aus Richtung Max-Brauer-Allee (Bahnhof Altona) gilt die Straße als Fußgängerzone mit Freigabe für den Radverkehr, aus Richtung Altonaer Poststraße / IKEA gilt die Straße als Gehweg. Für Radler kommt es hier also auf die Fahrtrichtung an. Vor dem Umbau der Ecke mit IKEA und dem Eckgebäude gegenüber war die Zufahrt zur Altonaer Straße und Neuen Großen Bergstraße aus Richtung Große Bergstraße allerdings eindeutig geregelt - mit Fußgängerzone und Freigabe für den Radverkehr. Heute fehlen dort Verkehrszeichen.


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Neue Große Bergstraße aus Richtung Max-Brauer-Allee: Fußgängerzone mit uneingeschränkter Freigabe für den Radverkehr

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Neue Große Bergstraße aus Richtung IKEA: Reiner Gehweg, kein Radverkehr zugelassen

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Neue Große Bergstraße / Große Bergstraße: Vor dem Abriss des Frappant-Komplex war der Radverkehr im Bereich der Kreuzung Neue Große Bergstraße / Bergstraße / Altonaer Poststraße eindeutig geregelt. Heute fehlen an dieser Stelle jegliche Verkehrszeichen

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Seitdem IKEA an der Kreuzung sitzt, fehlen die Verkehrszeichen

Paul-Nevermann-Platz

Nicht ganz eindeutig ist ebenfalls die Regelung am Paul-Nevermann-Platz südlich des Altonaer Bahnhofsgebäudes. Aus Richtung Max-Brauer-Allee gilt Gehweg mit Freigabe für Radler, aus Richtung der Busspur am Hahnenkamp fehlen jegliche Verkehrszeichen. Also gilt hier ebenfalls Einbahnverkehr für Radler. Diese Verkehrsführung ist derzeit ohnehin umstritten. Die Straßenverkehrsbehörde möchte die Freigabe für Radler hier komplett aufheben, ganz im Gegensatz zu Bezirkspolitikern. Noch aber hängt das Schild für Radlerfreigabe.


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Zu Hauptverkehrszeiten ist auf diesem Abschnitt recht viel Verkehr


Ottenser Hauptstraße

Ab Hahnenkamp schließt sich westlich die Ottenser Hauptstraße an. Auch hier möchte die Straßenverkehrsbehörde entgegen der Bezirksverwaltung die Radler aus dieser Fußgängerzone verbannen. Noch aber gilt die Radlerfreigabe ab Hahnenkamp. Aus anderern Fahrtrichtungen fehlen allerdings entsprechende Verkehrszeichen, z.B. ab Am Felde, Stangestraße und Bahrenfelder Straße. Geduldet wird das Radeln aber weiterhin.


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Noch ist das Radeln in der Fußgängerzone Ottenser Hauptstraße erlaubt

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Während der "altonale" war Radeln in der Fußgängerzone erlaubt

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Während des letzten Weihnachtsmarktes war das Radeln nicht erlaubt

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Fußgängerzone Ottenser Hauptstraße während der "altonale" mit Radlerfreigabe


Sicherlich täte es gut, für Rechtssicherheit zu sorgen, und fehlende Verkehrszeichen nachzurüsten. Somit wären Irritationen mit anderen Verkehrsteilnehmern ausgeschlossen.


Ob auf die Radverkehrsverbindung entlang des Paul-Nevermann-Platzes verzichtet werden kann, darüber machen sich derzeit wohl Politiker und Behördenvertreter Gedanken. Den Stein ins Rollen brachte die Straßenverkehrsbehörde. Grundsätzlich ist diese Verbindung Bestandteil des Altonaer Radwegekonzepts. Somit dürfte für einen Erhalt gesorgt werden, auch wenn in Spitzenstunden das Gedränge zwischen südlichem Bahnhofsausgang und dem Taxenstand recht dicht wird. Die Verbindung wird von zahlreichen Radlern genutzt. Würde diese Verbindung gesperrt, blieben  Umwege über Lessingtunnel und Scheel-Plessen-Straße oder Lobuschstraße, Klausstraße und Bahrenfelder Straße bzw. in Gegenrichtung Große Brunnenstraße, Keplerstraße, Arnoldstraße und Lobuschstraße. Leider sind in Ottensen nicht alle Einbahnstraßen für Radgegenverkehr frei. Somit würden sich relativ großräumige Umwege bei Sperrung von Paul-Nevermann-Platz und der Fußgängerzone der Ottenser Hauptstraße ergeben. Bei zahlreichen Veranstaltungen in der Fußgängerzone, wie dem Weihnachtsmarkt, Altonale usw. wird die Fußgängerzone teilweise für Radler gesperrt. Eine dauerhafte Alternativverkehrsführung wäre sicherlich sinnvoll, z.B. die Freigabe der Bahrenfelder Straße für Radgegenverkehr zwischen Spritzenplatz und Lobuschstraße.



Mehr . . . / More . . . :
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Kommentare:

  1. Wieder ein schönes Beispiel, wie u.a. Radfahrer zu Kreativität erzogen werden. Uneindeutige Regelungen und unsinnige Anordnungen erzeugen ein wunderbares Chaos durch das sich alle Beteiligten irgendwie durchwuseln. Und das ist von Verwaltung und Polizei offensichtlich auch so gedacht bzw. wird es toleriert. Woanders soll ich mich dann aber natürlich an Regeln halten, sonst ist man ja sofort ein Rüpelradler.
    Kinder würde man nie so widersprüchlich erziehen. Mittags zuhause mit Klein-Alexander voller Freude den Spinat durch die Küche werfen und den Kleinen abends im Restaurant zusammenfalten, weil er sich nicht richtig benehmen kann.
    Kinder und Radler erzieht man sich selbst ;-)

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  2. In meine Heimatstadt MG gibt es seit ca. 40 Jahren eine Fußgängerzone, in der mittig auf einer eigenen Fahrbahn (zumindest wird eine solche optisch suggeriert) Busse fahren. Viele Busse.

    http://www.bz-mg.de/wp-content/uploads/P1090182-small.jpg

    Leider dürfen dort seit ebenfalls 40 Jahren keine Radfahrer fahren. Interessant ist auch, dass sich das Schild "Fußgängerzone" ja auf den gesamten Straßenraum bezieht, ich kann aber nicht empfehlen dieses Schild als Passant allzu korrekt zu interpretieren, wenn man nicht als Kühlerfigur eines Busses enden möchte. Schroittgeschwindigkeit fährt da nämlich keiner und das Revierverhalten der Busfahrer ist recht stark ausgeprägt.

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    1. An der Radverkehrsführung in den Innenstädten (Fußgängerzonen, Kommunaltrassen, usw.) oder Geschäftszentren / Stadtteilzentren kann man gut ablesen, welchen Stellenwert der Radverkehr in der jeweiligen Stadt hat. In Städten mit geringem Radverkehrsanteil überwiegt die Tendenz, Fußgängerzonen nicht für Radler freizugeben, in Städten mit hohem Radverkehrsanteil sind die Innenstädte dagegen besser erreichbar für Radler - bei oftmals gleichen oder ähnlichen Rahmenbedingungen, wie Straßenraumaufteilung, Breite, Fußgängerfrequenz, usw. Es ist eine Frage der Mobilitätskultur, weniger der Verkehrssicherheit. Radverkehr kann aber u.U. sicherer durch Fußgängerzonen geführt werden anstatt über Hauptverkehrsstraßen ohne Radverkehrsanlagen rund um weitläufige Fußgängerzonenbereiche. Oft bilden weitläufige Fußgängerzonenbereiche, die nicht für den Radverkehr geöffnet sind, starke Barrieren für den Radverkehr - mit entsprechenden Auswirkungen auf den Radverkehrsanteil.

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  3. Man koennte mit zeit gesteuerten automatisch ausfahrenden pollern dehn regelwidrigen verkehr verhindern. 23-11 uhr
    Jedoch mueste man fuer die rettungskraefte im notfall eine entsperrung ermoeglichen.


    BlaBlaBla :-)

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