14 Februar, 2015

Eppendorfer Landstraße jetzt ohne Radweg: Zu schmal für gute Wege für Radfahrer?

Deconstruction of fake cycle track at Eppendorfer Landstraße
Aktualisiert am 15.02.2015
© hamburgize.com / Stefan Warda
Eppendorfer Landstraße ist zu schmal: Der "Radweg" wurde ersatzlos entfernt. Radfahrer müssen jetzt die Fahrbahn benutzen

Eppendorfer Landstraße ohne Radweg - Straße zu schmal?

Vor sechzehn Jahren klagte ein Radfahrer gegen die "Radweg"-Benutzungspflicht in der Eppendorfer Landstraße. Zum Jahre 2015 erfogte der ersatzlose Rückbau des "Radwegs", der zuvor von den Behörden als absolut sicherheitsrelevant für den Radverkehr eingestuft wurde. Denn damals trieb die Behörde für Inneres den Kläger bis zur dritten Instanz beim Bundesverwaltungsgericht. Vor rund zehn Jahren gab die Behörde klein bei und ließ die meisten Blauschilder entfernen. Jetzt die totale Kehrtwende: Nun erfolgte die ersatzlose Entfernung eines erster "Radweg"-Abschnitts zwischen  Hegestieg und Haynstraße. Am Ende des noch bestehenden "Radwegs" gibt es nicht einmal eine sichere Aufleitung auf die Fahrbahn - ein Sicherheitsrisiko und Regelwerkeverstoß. Viele der Immer-noch-Radwegliebhaber fahren gewohnheitsmäßig am Ende des Radwegs dort weiter, wo zuvor der "Radweg" vorhanden war - als Kampfradler auf dem Gehweg im Dooringbereich und über erweiterte Baumscheiben.


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Eppendorfer Landstraße / Hegestieg: Radfahrer müssen jetzt auf die Fahrbahn ausweichen: Es gibt jedoch keine sichere Aufleitung. Dies führt zu massenhaften Regelverstößen

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Kampfradler auf dem Gehweg

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Gehweg nach dem "Radweg"-Rückbau

Der "Radweg" vor dem Rückbau

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Bis etwa 2005/2006 war der "Radweg" benutzungspflichtig

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2004 war auch noch Platz für ein Dixiklo auf dem benutzungspflichtigem "Radweg"

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So "schmal" ist die Eppendorfer Landstraße im Abschnitt zwischen Hegestieg und Haynstraße. Leider ist diese Straße "zu schmal" im Vergleich mit den "überbreiten" Kopenhagener Straßen. Deshalb finden in der Eppendorfer Landstraße gute und benutzbare Wege für Radfahrer keinen Platz

Unklar ist nun die weitere Existenz der noch vorhandenen "Radweg"-Abschnitte in der Eppendorfer Landstraße.



Der Märchen-Onkel von der Wirtschaftsbehörde

Staatsrat Andreas Rieckhof bediente im Interview mit dem NDR letzten Monat erneut das alte Märchen von den zu schmalen Straßen in Hamburg. Im Vergleich mit der Fahrradstadt Kopenhagen seien in Hamburg die Möglichkeiten begrenzt. Die dänische Hauptstadt sei kleiner und hätte viel breitere Straßen.

Kopenhagen gilt als Vorzeige-Radfahrer-Stadt. Aber die Möglichkeiten sind nicht mit Hamburg vergleichbar.

Angesichts des ersatzlosen Rückbaus des schmalen "Radwegs" in der breiten Eppendorfer Landstraße bleibt die Frage offen, wie breit denn eine Hamburger Straße sein muss, damit sie für den Staatsrat und andere BWVI-Mitarbeiter breit genug für ausreichend breite Radwege oder Radfahrstreifen ist? Wie kann es sein, dass selbst in schmalen Straßen in Kopenhagen gute und benutzbare Radwege existieren, in breiten Straßen in Hamburg dagegen nicht? Was der Märchen-Onkel von der Wirtschaftsbehörde verschweigt, ist die falsche Prioritätensetzung in Hamburg. Hier haben Parkplätze Vorrang vor sicheren und benutzbaren Radwegen. In Kopenhagen gibt es in vielen schmalen oder auch breiten Straßen zwar breite Radwege, aber keine Parkplätze. Das Denken muss sich ändern, nicht die Breite der Straßen. Der Märchen-Onkel sollte erneut nach Kopenhagen fahren und sich die dortigen Straßenprofile sehr genau anschauen und dann erneut bewerten.


Kopenhagener und Hamburger Straßenprofile im Vergleich

Vesterbrogade ./. Lange Reihe, Schulterblatt, Schanzenstraße

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Vesterbrogade in Kopenhagen vor dem Umbau: Im Vergleich mit der Langen Reihe oder dem Schulterblatt oder selbst mit der Schanzenstraße und deren unbenutzbaren Fakeradwege gibt es hier gut benutzbare Radwege, dagegen aber keine Parkplätze. Ist dies nun eine der überbreiten Kopenhagener Straßen?

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Vesterborgade vor dem Umbau: Die Radwege waren sehr stark ausgelastet

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Vesterbrogade 2014 während des Umbaus: Die Radwege wurden auf 2,8 bis 3 Meter je Straßenseite verbreitert. Von solchen Radwegen können Hamburgs Radler in der Schanzenstraße nur träumen. Leider muss die Schanzenstraße wohl viel schmaler sein als die Vesterbrogade in Kopenhagen. Zum Vergleich: 2010 gab es an der abgebildeten Kreuzung 14.300 Kfz und 10.900 Radfahrer am Tag. Am Neuen Pferdemarkt hatte es 2009 beim Zusammenfluß von Schulterblatt und Schanzenstraße 15.000 Kfz am Werktag. In der Schanzenstraße sind es also deutlich weniger als 15.000 Kfz. Auf der Langenzugbrücke im Straßenzug Sierichstraße / Herbert-Weichmann-Straße waren es 2009 15.000 Kfz am Werktag.


 Ågade ./. Fruchtallee

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"Überbreite" Ågade: Trotz der sechs Fahrspuren hat es beiderseits breite und gut nutzbare Radwege. Hier hatte es 2007 57.000 Kfz und 4.000 Radler, in der Fruchtallee waren es in Höhe Emilienstraße 2009 55.000 Kfz

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"Viel zu schmale" Fruchtallee: Kein Platz für angemessene Wege für Radler, weil Parkplätze und sonstiges Vorrang genießen. Radler können die Fakeradwege nicht benutzen und müssen trotz Fakeradwege-Benutzungspflicht auf der Fahrbahn radeln. Fakeradweg, Fahrradparkplätze und Autoparkplätze zusamenn sind etwa so breit wie der Radweg mit Sicherheitsstreifen in der Ågade


Stormgade ./. Lehmweg

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Stormgade vor dem Umbau mit vier Fahrspuren, 12.500 Kfz und 7.500 Radlern am Tag

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"Überbreite" Stormgade nach dem Umbau mit nur noch drei Fahrspuren, aber beidseitig Radwegen von 2 Metern Breite

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Stormgade vor Umbau

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Stormgade nach Umbau

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"Sehr schmaler" Lehmweg mit 11.000 Kfz am Werktag (2009), daher müssen die Fakeradwege unbenutzbar bleiben. Hier hat es viele Kampfradler auf den Gehwegen, weil Hamburg keine Fahrradstadt werden will

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Der Lehmweg ist leider "zu schmal" für gute Wege für Radler - Hamburg will eben keine Fahrradstadt wie Kopenhagen werden, sondern eine Autostadt bleiben



Tagensvej ./. Habichtstraße

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Tagensvej: Klinkergeschosswohnungsbau und vierspurige Hauptstraße, dennoch Platz für breite Radwege

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Habichtstraße: Etwa gleiche Straßenbreite, allerdings wird der Straßenraum anders genutzt, zum Nachteil der Radfahrer

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Eppendorfer Landstraße - wegen "zu geringer Straßenbreite" kein Platz für gute und benutzbare Wege für Radfahrer

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Hier verlief vormals ein "Radweg"

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Hier verlief vormals ein "Radweg"

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Hier verlief vormals ein "Radweg"

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Hier verlief vormals ein "Radweg"

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Hier verlief vormals ein "Radweg"

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Vor dem Umbau: Der "Radweg"

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"Zu schmale" Eppendorfer Landstraße: Wegen Fahrradparkplatz unbenutzbarer "Radweg"

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"Zu schmale" Eppendorfer Landstraße: Wegen Fahrradparkplatz unbenutzbarer "Radweg"

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"Zu schmale" Eppendorfer Landstraße: Ein Baum wächst aus dem unbenutzbaren "Radweg"

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"Zu schmale" Eppendorfer Landstraße: Wegen Fahrradparkplatz unbenutzbarer "Radweg"

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"Zu schmale" Eppendorfer Landstraße: Wegen Fahrradparkplatz unbenutzbarer "Radweg". Platz für einen breiten Radweg ist allerdings reichlich vorhanden, er wird nur falsch genutzt . . .



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Kommentare:

  1. Auch wenn ich ein Fan der Radverkehrsführung in Kopenhagen bin: Gerade in der Vesterbrogade haben die breiten Radwege leider den Nachteil, dass die Fusswege sehr eng sind. An manchen Stellen kommt man kaum aneinander vorbei, an den Bushaltestellen muss man sich durch die Wartenden hindurchdrängeln. Aber nun...Platz kann man halt nicht herzaubern.

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  2. Wie kann das denn sein? Kopenhagens Straßen sind doch viel breiter als in Hamburg ;-)

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  3. Ich begrüße das Radfahren auf der Fahrbahn. Aber wenn in dieser Stadt nicht mehr dafür getan wird, dass Radler diese Möglichkeit ungefährdet nutzen, bzw. die Pflicht einfordern können, werden das nur die fitten Radler tun. Und die anderen werden auf gefährlichen Fake-Radwegen oder den Gehwegen weiterfahren, was ich durchaus verstehen kann. Auch wenn die Gefährdung auf der Fahrbahn eher subjektiver Art ist, fühle ich mich oft gestresst. Ohne ordentliches Konzeptin HH wird das alles nur eine halbe Sache.
    Paul

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  4. Wird der Radweg in der Gegenrichtung in Richtung Eppendorfer Baum auch entfernt? Das ist ein absoluter Kultradweg, mein Lieblingstrail. Ist zwar nicht gefahrlos befahrbar, aber 60cm Radweg mit 90 Grad Kurven muss man live gesehen haben.

    Michael S.

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    1. Beantrage doch Denkmalschutz ;-) Die lustigen Radwege am Erdkampsweg sind ja nun leider schon zur Hälfte verloren. Dieser Radwegabschnitt ist leider weg

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  5. Der Radweg Eppendorfer Landstraße/Haynstraße endet im nichts! Unfassbar! Ich bin gespannt wann sich da jemand verletzt!

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