11. Juni 2013

Vom Ampelgriff zum Ampeltrittbrett

Service at Traffic Lights: From Handle to Board


Hamburg: Warten vor der Ampel


"Dänen lügen nicht" titelt die Mitgliederzeitschrift "fairkehr" des VCD einen Artikel über die vermutlich ersten Ampeltrittbretter in Deutschland. Die Stadt Ulm ließ nach Kopenhagener Vorbild an einer innerstädtischen Kreuzung zwei Metallgeländer mit Trittbrett anbringen - Radverkehrsförderung für weniger als 1.000 Euro. Ulms Radbeauftragter kam über einen Zeitungsartikel auf die Kopenhagener Serviceeinrichtungen für Radfahrer aufmerksam und brachte die Idee nach Ulm. Die Metallgeländer kommen einem natürlichen Bedürfnis der Radler nach - beim Warten an der Ampel nicht vom Rad absteigen zu müssen und auf dem Rad sitzend bequem die Balance halten zu können.


Lörrach - Ampelgriff
Ampelgriff in Lörrach


Bislang hatte es in einigen deutschen Kommunen lediglich sogennante "Ampelgriffe", Haltegriffe an Ampelmasten, die lediglich für einen einzelnen wartenden Radfahrer einen gewissen Komfort beim Warten vor der Ampel boten. Vorreiter der Ampelgriffe war die Stadt Marl in Nordrhein-Westfalen.Großer Nachteil vieler Ampelgriffe war die unsachgemäße Platzierung. Ampelgriffe wurden an vorhandenen Ampelmasten angebracht, die nicht am Radweg standen, anstelle die Ampelmasten an die vorgesehenen Halteposition zu versetzen. Wartende Radfahrer müssen in einigen Kommunen Kampfradeln, um die Griffe nutzen zu können - auf Gehwegen neben Radwegen radeln und dort warten. Eingentlich eine schlechte Idee, denn wer Radlern vor Ampeln das Kampfradeln mit Ampelgriffen , der muss damit rechnen, dass anschließend auch anderswo Regeln nicht mehr so genau genommen und mssachtet werden. Dem allgemeinen Gehwegradeln werden dadurch die Tore geöffnet.


Kopenhagen - Cykelsupersti
Kopenhagen: Cykelsuperstier


Die Kopenhagener Ampeltrittbretter sind jedoch unmittelbar neben Radwegen oder Radfahrstreifen angebracht, so dass keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert werden und von Radlern direkt aus der vorgesehenen Warteposition nutzbar sind. Sie bieten nicht nur einem einzigen Radler den besonderen Haltekomfort und stabilisieren den wartenden Radler doppelt: Er kann sich mit dem Fuß auf dem Trittbrett abstützen und gleichzeitig / oder am Metallrahmen festhalten.  


Ampeltrittbretter: Erste Muster und Folgemodelle

Kopenhagen
Kopenhagen: Der Prototyp aller Ampeltrittbretter
Kopenhagen
Kopenhagen: Passt - für alle Schuhtypen geeignet
Kopenhagen
Kopenhagen bedankt sich fürs Radeln in der Stadt

Frederiksberg - Cykelsupersti
Frederiksberg

Frederiksberg - Cykelsupersti
Frederiksberg

Frederiksberg - Cykelsupersti
Frederiksberg

Malmö
Malmö: Einfach, aber funktional

Malmö
Malmö: Längerer Rahmen für längere Radlerkolonnen


Andere Städte haben Ampelgriffe nicht vom Radweg aus erreichbar angebracht - in Hamburg hat es an einigen Stellen Bettelampeltaster, die von Radwegen aus nicht erreichbar sind. Wer nicht absteigen und zum Taster laufen will sollte lieber gleich auf der Fahrbahn fahren. Für Autofahrer hat es in Hamburg bislang noch keine Ampel, an der Autofahrer aussteigen müssen, um Grün anzufordern.


Bettelampeln in Hamburg

Hamburg - Bettelampel


Hamburg - Bettelampel


Hamburg - Bettelampel




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Kommentare:

  1. Stehen Ampeltrittbretter nicht im Widerspruch zur StVO §23 (3)? "Füße dürfen nur dann von den Pedalen genommen werden, wenn der Straßenzustand das erfordert". Der Straßenzustand wird ja wohl kaum von der Farbe des Ampelzeichens beeinflusst. Aber es ist natürlich zu begrüßen, wenn die Idee Anwendung und Verbreitung findet. Der genannte Regelverstoß wird mangels Kenntniss der entsprechenden Behörden ja sowieso nicht geahndet.

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    1. Wenn Du also an der Ampel stehst schaffst Du es mit Deinem einspurigen Rad die Balance im Stand zu halten ohne die Füße abzusetzen?

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    2. Nein, natürlich nehme ich meist einen Fuß runter ;-). Ich finde es nur eigenartig, dass es immer noch so in der StVO steht und dann trotzdem Ampeltrittbretter eingeführt werden. Wäre aber mal ein positives Beispiel für die Ignoranz von Behörden gegenüber Vorschriften.

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    3. Ich gehe davon aus, dass sich das nicht auf den Stand, sondern auf das Fahren bezieht (StVO §23 (3)):
      "(3) Wer ein Fahrrad oder ein Kraftrad fährt, darf sich nicht an
      Fahrzeuge anhängen. Es darf nicht freihändig gefahren werden. Die Füße
      dürfen nur dann von den Pedalen oder den Fußrasten genommen werden,
      wenn der Straßenzustand das erfordert."

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  2. So sehe ich das auch. Wer an der Ampel STEHT, fährt eben gerade nicht im Sinne des § 23 III StVO. Die Ampeltrittbretter widersprechen somit nicht der StVO.

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    1. Vielen Dank euch beiden für die Verständnishilfe beim Lesen von Gesetzestexten! Man muss eben doch den ganzen Absatz berücksichtigen ;-).

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