11. Mai 2013

Frühling auf Hamburgs "Radwegen"

Spring on "Cycle Tracks" in Hamburg


Schanzenstraße - "Radweg"
Frühling auf dem "Radweg": Angesichst zahlreicher "Kampfgänger" auf dem "Radweg" in der Schanzenstraße wird diese Radfahrerin gleich aufgegeben und absteigen

Es ist Frühling in Hamburg. Anlaß für die Sommerradler nun auch wieder auf Hamburgs Straßen zu cruisen, aber auch für Kampfgastronomen und Kampfgeschäftsleute illegale Sondernutzungen auf und an Geh- und "Radwegen" auszubreiten. Es wird wieder sehr eng auf Hamburgs Geh- und "Radwegen". Zwangsläufig mutieren noch mehr Fußgänger zu "Kampfgehern", weil ihnen auf dem Gehweg kaum noch Platz bleibt. Das alltägliche "Kampfgehen" auf "Radwegen" spielt in der Wahrnehmung des Bundeskampfministers und vieler Kampfjournalisten allerdings keinen Stellenwert, denn nur Radfahrer werden in Deutschland offiziell mit Rambos, Rüpeln, Rowdies und Kämpfern gleichgesetzt. Die Rollen sind festgelegt. Autofahrer sind in der deutschen Kriegsberichtserstattung gelegentlich mal harmlose "Sünder" oder vielleicht "Raser", Fußgänger bleiben Fußgänger, egal was sie auch anstellen, und die Planer des Straßengemetzels sollen keineswegs Rüpelplaner sein. Letzere folgen einfach den gesellschaftlichen Zwängen, weil angeblich nur in Deutschland alle Straßen enger seien als sonstwo in der Welt. Daher bleibt aus Planersicht in der Regel kein Platz für Radfahrer. Für Normalbürger übersetzt heißt dieses Planerdeutsch, dass z.B. Autoparkplätze immer wichtiger sind als sichere und benutzbare Radwege, Radfahrstreifen und Flächen zum Abstellen der Fahrräder.


Schanzenstraße - "Radweg"
Frühling auf dem "Radweg" Schanzenstraße: Angesichst zahlreicher "Kampfgänger" auf dem "Radweg" hat die Radfahrerin aufgegeben und ist abgestiegen


Eine "Kampf"-Fahrt auf dem "Radweg" in der Schanzenstraße
A "Fight"-Trip on Schanzenstraße Cycle Track


Schanzenstraße - "Radweg"
Schanzenstraße am 11.05.2013


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Kommentare:

  1. Ich würde der Radfahrerin raten, auf der Straße zu fahren. Sie würde sicher argumentieren, mit Kind auf dem Gepäckträger sei ihr das zu gefährlich, was nachvollziehbar ist. Mit Tempo 30 oder gleich autofreier Zone, müsste sie diese Bedenken nicht äußern.
    Autos stellen eine Bedrohung für Radfahrer und Fußgänger dar und sollten schleunigst aus deren Nähe verbannt werden. Auto(s)fahrer genießen noch immer ganz selbstverständlich ein sichereres und komfortableres Dasein, als Menschen ohne platzraubenden Schutzpanzer drumherum.

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  2. Es ist mir unbegreiflich warum man hier nicht schon längst die "Radwege" zurückbaut und den Fahrradverkerh sicher auf der Straße führt. Damit entschärft man den Konflikt deutlich, denn gerade die Mischung aus Gastronomie und Geschäften macht die Schanze so attraktiv für Fußgänger.

    Michael S.

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  3. Im nördlichen Abschnitt der Schanzenstraße soll demnächst die Veloroute 2 verlaufen, zwischen Altonaer Straße und Sternstaße. Da sind mehrere erhebliche Knackpunkte drin, z.B. die Fußgängerampel am S-Bahnhof Sternschanze, dann die Sondernutzungen "kumpir" und "frank und frei", die verschwenkte und verdeckte Führung über die Susannenstraße. Wir sind gespannt, was das Bezirksamt Altona und die Wirtschaftsbehörde uns dort dann bescheren werden. Zumindest mit dem Umbau der Straße Sternschanze soll auch in Fahrtrichtung Norden die Querung mit dem Fußgängerstrom an der Ampel entschärft werden . . .

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  4. Die Radwege dort sind doch gar nicht benutzungspflichtigen, oder?

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    1. ... trotzdem fahren fast alle Radler weiterhin auf diesen "Radwegen".

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  5. Genau diese Situationen veranlassen mich, generell auf der Straße zu fahren. Denn wenn ich auf solchen "Radwegen" fahren würde, könnte ich gehen auch gleich.

    Der Hamburger Fahrbahnquerschnitt fällt meiner Meinung nach sehr breit aus. Warum nicht mehr von den "Mehrzweckstreifen" wie im Bereich des Schulterblattes/Eimsbütteler Chaussee zwischen Altonaer Straße und Eppendorfer Weg? Es geht hier lediglich um eine weitere Fahrbahnmarkierung, die den RadfaherInnen mehr Platz auf der Fahrbahn zuspricht. Ist somit auch Kostengünstiger.
    Ich habe leider nur ein Referenzbild aus Wien gefunden: Mehrzweckstreifen

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    1. Hallo Niko, der Schutzstreifen, wie diese Markierung in Deutschland heißt, ist zwar nett gemeint, aber nicht gut gemacht. Wie auf Deinem Bild erkennbar verläuft dieser Streifen unmittelbar in der Dooring-Zone, in dem Bereich, in dem kein Radfahrer fahren soll, weil sich dort jederzeit unbedacht Autotüren öffnen könnten und den Radfahrer umstürzen könnten, wonach er anschließend von folgenden Kfz überfahren werden könnte.
      In der Schanzenstraße ist zudem der Fahrbahnquerschnitt mit 6,5 Metern Breite überhaupt nicht für solche Streifen geeignet. Zuem hat es dort im gesamten Straßenverlauf auf beiden Seiten Parkbuchten, die einen zusätzlichen Sicherheitsabstand zwischen Schutzstreifen und Parkplätzen erforderlich machen würden. Wie wäre es denn mal mit dem Verzicht aller Parkplätze? Schau Dir Kopenhagen an: Dort hat es in den meisten Geschäftsstraßen mit Radwegen - und das sind ernst zu nehmende breite gut geführte Radwege - keine Parkplätze. Schau dir die Bilder an auf http://hamburgize.blogspot.de/2013/01/warum-kann-hamburg-nicht-fahrrad-kann.html oder http://hamburgize.blogspot.de/2013/03/radfahrer-in-der-gosse.html

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  6. Gerade in der Schanzenstraße wäre es aber möglich, die Radwege zurückzubauen und den Radverkehr auf die Straße zu führen.

    Das Problem Türbereich (Dooring-Zone) wird m.E. überschätzt, denn zumindest auf Fahrerseite dürfte das unüberlegte Öffnen seltener sein als auf Beifahrerseite.

    Ich sehe Schutzstreifen grundsätzlich positiv, wenn es nicht so lebensgefährlich ist wie an der Ecke Dammtorstraße - ABC Straße, bei der die Porsches immer beim Rechtsabbiegen den Geradeausfahrern Richtung Jungfernstieg die Vorfahrt nehmen.

    In der Eimsbütteler Straße ist die neue Verkehrsführung m.E. ganz gut geworden - wenn man auch als Radfahrer schlecht von der Straße runter kommt, z.B. um zum Edeka zu kommen, aber mittlerweile gewöhnt man sich dran.

    Zurück zum Thema: Gibt es denn konkrete Pläne zur Umgestaltung der Schanzenstraße? Die Führung des Radverkehrs auf der Straße ist m.E. zwingend nötig. Bei den Sondernutzungen bin ich nicht Deiner Meinung, dass man diese einschränken sollte - wenn der Radverkehr auf der Straße ist, wäre genug Platz da.

    Schöner Blog übrigens, ich hab selbst 3 Monate in Kopenhagen gelebt und bin dann über Köln nach Hamburg gekommen - so schlimm wie hier ist es nicht mal in Köln (dabei gibt man sich dort viel Mühe, Hamburg noch zu unterbieten ;) )

    VG Michael S. (wie oben)

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    1. Ich hätte nichts gegen angemessene und für Fußgänger vertretbare Sondernutzungen in der Schanzenstraße, wenn es dort keine "Radwege" gäbe. Solange aber dort offiziell immer noch "Radwege" angeboten bleiben sind die Sondernutzungen für alle ein schlechter Scherz. Vergleichbar ist der Zustand mit dem oftmals unmittelbar neben schmalen "Radwegen" erlaubten Parken, wodurch Radfahrer die "Radwege" nicht mehr benutzen können, diese aber weiterhin trotz Aufhebung des Benutzungszwangs angeboten bleiben. Radfahrer fahren dann weiterhin nicht auf der Fahrbahn, aber auch nicht auf dem "Radweg", sondern neben dem "Radweg" auf dem Gehweg. Darin versteckt sich eine Doppelnutzung des Verkehrsraums als Multifunktionsraum, als Radweg und gleichzeitigem Parkplatz, bei der Schanzenstraße als Rad- und Gehweg in einem oder als Verkaufsraum, Radweg und Gehweg in einem im Falle des Gartenmarkt Kögel in der Schanzenstraße. Dieser Zustand entspricht weder dem Hamburger Wegegesetz noch der Straßenverkehrs-Ordnung. Und das Beibehalten dieser Multifunktionsflächen zum Nachteil der Radfahrer ist verlogen, denn da drücken sich manche eine eindeutige Position einzunehmen. Es geht darum, wo der Platz für den Radverkehr sein soll.

      In meiner früheren Funktion als verkehrspoliticher Sprecher des ADFC habe ich gegenüber der Baubehörde, dem Bezirksamt Mitte (Schanzenstraße gehörte früher zu Mitte), und der Straßenverkehrsbehörde darauf gedrängt den Radweg abzubauen. Das letzte Mal hatte ich mich vor dem Wechsel der Zuständigkeit von Mitte zu Altona für die Abschaffung der "Radwege" besonders stark gemacht, als es eine Umgestaltungsplanung für die Nebenfläche inklusive des Radweges am Neuen Pferdemarkt gab. Damals sollte die Ostseite zwischen Neuer Kamp und Schanzenstraße vollkommen neu umgestaltet werden. In der ursprünglichen Planung war eine Verschlimmerung des Radweges geplant, weil die Führung noch mehr verschwnkt werden sollte, um zusätzliche Parkplätze und weitere Sondernutzungen unterzubringen. Gegenüber dem Bezirksamt Mitte und der Baubehörde (BSU) hatte ich einen Gegenentwurf mit Verlagerung des Radverkehrs auf die Fahrbahn mittels Radstreifen und direkten Radspuren in das Schulterblatt hinein und in die Schanzenstraße hinein empfohlen. Damals wollte das Referat Nichtmotorisierter Verkehr auf jeden Fall die vorhandenen "Radwege" in der Schanzenstraße beibehalten und den Radstreifen aus Richtung Neuer Pferdemarkt in der Schanzenstraße auf die vorhandenen "Radwege" lenken. Ich wollte dagegen den Radstreifen aus Neuer Pferdemarkt nicht mehr mit dem "Radweg" verknüpfen, sondern auf der Fahrbahn im Mischverkehr enden lassen.

      Es ist aber leider bis heute nichts geschehen, denn das Bezirksamt Mitte hatte die Planung, für die Fördermittel in Aussicht standen, verschlafen.

      Ich teile nicht deine Ansicht, dass in der Schanzenstraße Platz genug für Schutzstreifen sind. Im Vergleich mit der im letzten Jahr umgestalteten Eimsbütteler Chaussee (wenn du die mit Eimsbütteler Straße meintest) ist die Fahrbahn zwischen den parkenden Autos in der Schanzenstraße schmaler. Du kannst es ja mal ausmessen . . .

      Außerdem: Das fatale mit dem Doorung auf der Fahrerseite ist doch, dass Radfahrer nach dem Sturz von nachfolgenden Autos überfahren werden können. Entsprechende Unfälle mit schweren Verletzungen hatte es in Hamburg schon gegeben, z.B. in der Wentorfer Straße sogar mit tödlichem Ausgang. Auf der Beifahrerseite ist das Dooringproblem nicht mit so erheblichen Folgen verbunden, weil dort in der Regel nach dem Sturz nicht das Überrolltwerden von schweren Kfz mit hohen Geschwindigkeiten droht.

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    2. Danke für Deine äußerst lange Antwort. Ich stimme Dir zu dass nicht benutzungspflichtige Radwege konsequent abgerissen gehören und sehe an Deinen Beiträgen, dass Du Dich da schon sehr intensiv eingesetzt hast.

      Ich sehe dennoch kein Problem darin, den Bürgersteig etwas zu verkleinern wenn man gleichzeitig den Radweg zurückbaut und auf der Straße führt - allerdings habe ich das nie ausgemessen. Und natürlich meinte ich die Eimsbütteler Chaussee, nicht die Straße.

      Insgesamt sehe ich enormes Potential: Feldstraße mit Radstreifen (ist wohl geplant?) ausrüsten, konsequent am neuen Pferdemarkt entlang führen und die Schanzenstraße umbauen. Die Führung ganz ohne Schutzstreifen im Mischverkehr halte ich auf der Schanzenstraße nicht für sinnvoll, dafür ist die Zeit wohl noch nicht reif.

      Wenn man dann das Pflaster am Schulterblatt noch rausreißen würde, wäre allen geholfen (dann kann mans am 1. Mai auch nicht mehr werfen ;) ).

      Bevor es ganz off-topic wird: Ist eigentlich an der unsäglichen Kreuzung Max-Brauer-Allee - Stresemannstr mal was geplant? Kommt das mit der Erneuerung der Bahnbrücke, die in paar Jahren kommen soll?

      Viele Grüße,

      Michael Söchtig

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  7. Wenn in der Schanzenstraße die Fahrbahn verbreitert wird, wäre auch Platz für Schutzstreifen oder Radfahrstreifen vorhanden. Kommt darauf an, wie die restliche Straßenbreite genutzt werden soll. Die jetzige Fahrbahnbreite lässt aber keine Schutzstreifen zu. Auch in der Eimsbütteler Chaussee wurde die Fahrbahn verbreitert, um die Schutzstreifen einzurichten.

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